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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 141
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Weißer Geist zu Nürnberg

Gegen das Jahr 1672 lebte in Nürnberg ein Goldschmied mit seiner Frau und sechs Kindern. Diese Frau hatte einen Familiargeist, der immer um sie war und ihr vorhersagte, was ihr begegnen wurde. Er zeigte sich ihr in Gestalt eines weißgekleideten Kindes, das eine Sanduhr in der Hand trug. Einmal sprach er zu ihr: »Frau, Ihr wäret tot gewesen, hätte nicht ein Sandkörnchen, das ein Loch in diesem Gläschen gestopft hat, Euch geholfen.« Eine Woche danach fiel sie in ein gefährliches Fieber, entkam diesem aber glücklich.

Ein anderes Mal warnte er sie, nicht aus dem Haus zu gehen, denn sonst stürze sie sich in große Gefahr. Gern wäre sie dem Rat gefolgt, doch drängten ihre häuslichen Geschäfte zu sehr, und sie hatte in der Tat ein großes Unglück.

Bei Nacht sprach sie häufig mit dem Geist, sang mit ihm sehr schöne andächtige Lieder und Psalmen, was ihr Mann am Tag nie an ihr bemerkte. Einmal bekam sie Lust, den Geist, der gewöhnlich unsichtbar um sie war, zu sehen, und sie bat ihn so lange darum, bis er es ihr zugestand, doch warnte er sie dabei und sprach, ihre Neugier werde sie zu spät bereuen. Als sie nun wenige Tage später in ihrer Kammer etwas zu tun hatte, sah sie an der Mauer wie im Schatten ein Kind von derselben Gestalt wie oben erzählt, das aber gleich darauf verschwand. Kurz darauf fiel sie in eine schwere Krankheit und – der Geist hatte sie verlassen.

 


 

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