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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 140
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Paul Cruz zu Nürnberg

Zu Nürnberg ist einer gewesen mit Namen Paul Cruz, der eine wunderbare Beschwörung gebraucht hat. In einen gewissen Plan hat er ein neues Tischlein gesetzt, ein weißes Tuch darauf gedeckt, zwei Milchschüßlein daraufgesetzt, ferner zwei Honigschüßlein, zwei Tellerchen und neun Messerchen. Weiter hat er eine schwarze Henne genommen und sie über einer Kohlpfanne zerrissen, so daß das Blut in das Essen hineingetropft ist. Hernach hat er davon ein Stück gegen Morgen, das andere gegen Abend geworfen und seine Verschwörung begonnen. Als dies geschehen war, ist er hinter einen grünen Baum gelaufen und hat gesehen, daß zwei Bergmännlein sich aus der Erde hervorgefunden haben, sich zu Tisch gesetzt und bei dem kostbaren Rauchwerk, das auch vorhanden gewesen ist, gleichsam gegessen haben.

Nun hat er ihnen Fragen vorgelegt, worauf sie geantwortet haben; ja wenn er das oft getan hat, sind die kleinen Geschöpfe so vertraut geworden, daß sie auch zu ihm ins Haus zu Gast gekommen sind. Hat er nicht recht aufgewartet, so sind sie entweder nicht erschienen oder doch bald wieder verschwunden. Er hat auch endlich ihren König zuwege gebracht, der dann allein gekommen ist in einem roten Scharlachmäntelein; darunter hat er ein Buch gehabt, das er auf den Tisch geworfen und seinem Banner erlaubt hat, soviel und so lange er wollte, drinnen zu lesen. Davon hat sich der Mensch große Weisheit und Geheimnisse eingebildet.

 


 

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