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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 14
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Der Birnbaum auf dem WalserfeldSoll bereits dreimal, nämlich im Interregnum, im Dreißigjährigen Krieg, zur Zeit des Rheinbundes gefällt worden sein.

Von Adalbert Chamisso. – Der Zusammenhang dieser Sage mit den Sagen des Untersberges wird die Überschreitung der politischen Grenze rechtfertigen.

          Es ward von unsern Vätern mit Treuen uns vermacht
Die Sage, wie die Väter sie ihnen überbracht,
Wir werden unsern Kindern vererben sie aufs neu':
Es wechseln die Geschlechter, die Sage bleibt sich treu.

Das Walserfeld bei Salzburg bezeichnet ist der Ort,
Dort steht ein alter Birnbaum verstümmelt und verdorrt,
Das ist die rechte Stätte, der Birnbaum ist das Mal,
Geschlagen und gewürget wird dort zum letztenmal.

Und ist die Zeit gekommen, und ist das Maß erst voll –
Ich sage gleich das Zeichen, woran man's kennen soll –,
So wogt aus allen Enden der sündenhaften Welt
Der Krieg mit seinen Schrecken heran zum Walserfeld.

Dort wird es ausgefochten, dort wird ein Blutbad sein,
Wie keinem noch die Sonne verliehen ihren Schein.
Da rinnen rote Ströme die Wiesenrain' entlang,
Da wird der Sieg den Guten, den Bösen Untergang.

Und wenn das Werk vollendet, so deckt die Nacht es zu,
Die müden Streiter legen auf Leichen sich zur Ruh'.
Und wenn der junge Morgen bescheint das Blutgefild,
Da wird am Birnbaum hängen ein blanker Wappenschild.

Nun sag' ich euch das Zeichen: Ihr wißt den Birnbaum dort,
Er trauert nun entehrt, verstümmelt und verdorrt;
Schon dreimal abgehauen, schlug dreimal auch hervor
Er schon aus seiner Wurzel zum stolzen Baum empor.

Wenn nun sein Stamm, der alte, zu treiben neu beginnt
Und Saft im morschen Holze aufs neu lebendig rinnt,
Und wenn den grünen Laubschmuck er wieder angetan,
Das ist das erste Zeichen: Es reift die Zeit heran.

Und hat er seine Krone erneuert dicht und breit,
So rückt heran bedrohlich die langverheißne Zeit;
Und schmückt er sich mit Blüten, so ist das Ende nah,
Und trägt er reiche Früchte, so ist die Stunde da.

Der heuer ist gegangen zum Baum und ihn gefragt,
Hat wundersame Kunde betroffen ausgesagt,
Ihn wollte schier bedünken, als rege sich der Saft
Und schwöllen schon die Knospen mit jugendlicher Kraft.

Ob voll das Maß der Sünde? Ob reifet ihre Saat
Der Sichel schon entgegen? Ob die Erfüllung naht?
Ich will es nicht berufen, doch dünkt mich eins wohl klar:
Es sind die Zeiten heuer gar ernst und sonderbar.

 


 

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