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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 138
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Kaiser Rudolf und der Freihart zu Nürnberg

Von Karl Förster.

                  Der Kaiser zog zum Münstertor
Und viel des Volks ihm nach;
Da trat ein Freihartsbub hervor
Und zupft' den Herrn und sprach:

»Herr Bruder, nicht so stark fürbaß!
Es ist noch einer hier!«
Der Kaiser schaut ihn an; der Spaß
Bedünkt ihm Frevel schier.

»Was ficht dich an? – Mein Bruder du?
Ich kenne traun dich nicht!«
Der Freihart aber lacht dazu
Und blinzt ihn an und spricht:

»Ich denke so: Der Kaiser stammt
Wie ich von Adam her,
Und sind wir Brüder allesamt
Sind wir's auch, ich und Er.

Drum wollt Ihr, was die Zeit verbrach,
Ausgleichen bar und blank,
So teilt mit mir, und tilgt die Schmach,
Und nehmt dann meinen Dank.«

Der Kaiser lacht und spricht: »Gesell,
Jetzt muß ich beten gehn;
Schaff einen Sack derweil zur Stell',
Dann laß uns weitersehn!«

Der Bub eilt flink und flugs nach Haus
Und kehrt in vollem Lauf.
Da tritt der Herr zur Kirch' heraus
Und ruft: »Nun, Bursch, tu auf!«

Der zieht den Sack die Läng' und Quer,
Ihm dünkt er noch zu klein;
Der Kaiser wirft – es klang nicht schwer –,
Wirft einen Heller drein

Und spricht: »Nun weiter, Bursch, durchs Reich;
Der Brüder sind noch mehr!
Gibt jeder dir dem ersten gleich,
Bist du so reich wie der.«

 


 

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