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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 1318
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Das Drudendrücken

Ein Beispiel des verbreiteten Aberglaubens für viele.

Ein Schuster zu Nürnberg hatte einen neuen Gesellen bekommen, das war ein frischer Bursche von kräftiger Gestalt und gutem Aussehen. Nun verstrichen etliche Wochen, da fing unser Schustergeselle sichtbar abzumagern an, so daß er für alle, die ihn vorher gekannt hatten, jämmerlich anzuschauen war. Besonders des Morgens schlich er matt und armselig in die Werkstätte zur Arbeit und bekam noch dazu Scheltworte von seinem Meister oder Stichelreden von den Nebengesellen. Wie ihm nun das zu arg wurde, rückte er einmal heraus mit der Sprache und erzählte, wie er nachts von einer Drude gedrückt werde und es hier im Haus nicht länger mehr aushalten könne.

Der Obergeselle, der dies hörte, sagte, da wäre zu helfen, er wüßte ein unfehlbares Mittel, so und so, das müßte ihm Ruhe schaffen.

Der Schustergeselle tat, wie ihm befohlen worden war. Des Nachts nämlich stellte er sich schlafend und horchte, als es zwölf schlug, ob sich die Drude einstellen werde. Auf einmal hörte er was vor der Tür rauschen, als wenn Papier zusammengedrückt würde, dann war's einen Augenblick still, plötzlich lautes Blasen durchs Schlüsselloch. Das war der Augenblick, in dem die Drude zu kommen und mit einem Plumps sich auf ihn zu werfen pflegte.

Diesmal kam ihr der Schustergeselle zuvor und schleuderte blitzschnell sein Kopfkissen auf den Boden. Gleich machte er Licht, um die Hexe zu sehen, die auf dem Kopfkissen sitzen sollte. Da lag aber nichts als ein winziges Strohhälmchen drauf, das er zerknickte und zum Fenster hinauswarf. Am anderen Morgen fand man die alte, häßliche Nachbarin des Schusters nackt mit gebrochenem Hals auf der Straße liegen.

 


 

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