Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Alexander Schöppner >

Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 127
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
Schließen

Navigation:

Das Wilde Heer zu Eichstätt

Von J. Heß

        Ich weiß ein schmuckes Städtlein dir
In einem lieben Tal,
Ein stilles Wasser fließt dafür,
Sein Bett ist tief und schmal.

Schon mürb und grau von Wind und Sturm
Steht an des Wassers Rand
Ein Tor, ein alter dicker Turm,
Das Ostentor genannt.

Und kommst du einmal da hinein,
So schau zur rechten Hand,
Da siehst ein Loch, nicht eben klein,
Hoch oben an der Wand.

Einst fuhr in mancher schwarzen Nacht –
So sagt die Wundermär –,
Wenn Blitz auf Blitz im Wetter kracht,
Durchs Tal das Wilde Heer.

Es kam herab vom Eichenhorst
Und zog den Fluß entlang,
Es schallt', als ob der Himmel borst,
Gebell und Hörnerklang.

Bald fliegt's hinauf im Wirbelwind
Und wimmert weit umher,
Bald streicht es über'n Weg geschwind
Und heult so bang und schwer.

Am Klösterlein, am Berg vorbei,
Da mag es wohl nicht gern,
Da singt man schon beim Hahnenschrei
Den Lobgesang des Herrn.

Und hebt das Mettenglöcklein an
Im stillen Gotteshaus,
Dann flieht das Heer, nimmt seine Bahn
Zum Ostentor hinaus.

Da tobt es durch mit Hundgebell,
Daß Turm und Bogen kracht,
Und drob des Tores Wächter schnell
Vom süßen Schlaf erwacht.

Im Turme hält es keiner aus –
Wer möcht' auch wachen hier?
Und auch der Schelm, der Meister Klaus,
Büßt teuer die Begier.

Er zieht im alten Stübchen ein,
Wo mancher schon gehaust,
Zu warten, bis am Fensterlein
Das Heer vorüberbraust.

Ihm pocht das Herze laut und schwer,
Ihm möcht' die Lust vergehn,
Doch will er baß das Wilde Heer
Mit eignen Augen sehn.

Schon wird's am Morgenhimmel grau,
Schon tönt der Hahnenschrei,
Da saust es rüber von der Au,
Bei St. Walburg vorbei.

Da ruft des Glöckleins Silberklang
So freundlich in der Fern',
Ruft fromme Frauen zum Gesang,
Zum Lob und Preis des Herrn.

Wie vor dem Kreuz der Feind entflieht,
Mit Ingrimm schnell entweicht,
So, wenn ertönt der Frauen Lied,
Das Wilde Heer entfleucht.

Es tobt in Wut der Geister Chor
Und naht in wilder Flucht
Und stürmt heran zum Ostentor,
Wo es den Ausgang sucht.

Und Meister Klaus das Köpflein hebt,
Gar flink vors Fensterlein,
Da saust, daß Turm und Bogen bebt,
Die schwarze Schar herein.

Und Meister Klaus, er hat's gesehn
Und schaut es nimmermehr,
Will nimmermehr ans Fenster gehn,
Wann kommt das Wilde Heer.

Ihm wuchs das Köpflein, sonst so fein,
Zum größten Schädel an,
Darob er aus dem Fensterlein
Nicht vor noch rückwärts kann.

Da half kein Poltern, kein Geschrei,
Er sitzet nagelfest,
Bis man mit Kreuz und Klerisei
Den Pfarrer holen läßt.

Da brach der Kreuzstock endlich los,
Und Klaus zieht sich hinein,
Doch muß sein Kopf noch lang so groß
wie der in Passau sein.

Vom Turme zog er schleunig aus
Zu aller Welt Gespött;
Verschworen hat es Meister Klaus,
Daß er's wohl nimmer tät.

 


 

 << Kapitel 126  Kapitel 128 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.