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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 1264
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Die Jakobskirche zu Wasserburg

Graf Konrad gedachte zur Abbüßung seiner Sünden in das Gelobte Land wider die Ungläubigen zu ziehen. Er hatte aber eine jugendliche und edle Frau, Kunigunde, der blutete das Herz bei dem Gedanken, ihren Herrn und Gemahl von sich scheiden und vielleicht nie wiederkommen zu sehen. In solcher Bedrängnis des Herzens wandte sich die Gräfin zur Mutter des Herrn mit der innigsten Bitte, es möge der Sinn ihres Herrn und Gemahls von dem gefaßten Vorhaben abgelenkt werden. Wenn dies geschehe, wolle sie zum Dank eine schöne Kirche in Wasserburg bauen.

Das Flehen der Gräfin fand Erhörung, Konrad änderte seinen Sinn und zog nicht nach Palästina. Nun ließ Kunigunde treu ihrem Gelöbnis berühmte Baumeister verschreiben, die mußten ihr Pläne vorlegen und bald den Anfang machen, einen stattlichen Bau ins Werk zu führen. So erhob sich dann die Kirche herrlich und schön, eine Zierde Wasserburgs.

Aber der Graf war unterdessen in Fehden verwickelt worden. Er wurde besiegt und mußte nach Ungarn flüchten. Das war ein furchtbarer Schlag für Kunigunde. Ihr Haus sank in Armut; wie wollte sie noch ihr Gelübde erfüllen und den Bau zu Ende führen? Da faßte sie einen heldenmütigen Entschluß, setzte sich als Bettlerin des Herrn vor die Tür des Gotteshauses und sprach alle Eintretenden um ein Almosen für den Kirchenbau an.

Wie die Wasserburger ihre edle Frau und Herrin so tief erniedrigt und gebeugt sitzen sahen, wurden sie tief im Herzen gerührt und brachten reichliches Opfer. Jung und alt kam mit vollen Händen, auch die Ärmsten wollten nicht zurückbleiben und trugen ihr Scherflein bei. So stieg der Riesenbau, rascher als man geglaubt hatte, empor; bald war nichts mehr als das Achteck des Turms zu bauen übrig; da sollte die gute Gräfin von hinnen scheiden und nicht mehr die Freude erleben, bei dem Fest der Kirchenweihe zugegen zu sein.

Bis heute ist der Turm unvollendet geblieben; nur ein Notdach schützt ihn vor Sturm und Wetter. Werden die heutigen Wasserburger nicht vollenden, was ihre Vorfahren mit so rühmlichem Eifer ins Werk gesetzt haben?

 


 

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