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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 1255
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Vom Marktgschlerf zu Wolfratshausen

In früherer Zeit war in Wolfratshausen eine Hebamme, die man schon zu ihren Lebzeiten »Gschlerf« nannte. Sie trug nämlich nach damaliger Sitte Pantoffeln mit hohen Absätzen und mit Eisen beschlagen, die sie im Gehen nachschleppte, d. h. »schlärfelte«.

Einmal soll diese bei der Geburt ein Kind getötet haben, und dafür muß sie bis heute als Geist auf Erden umgehen. Das Eigentümliche dieses Gespenstes ist es, daß es sich ungeheuer groß machen kann, gewöhnlich im oberen Stock den Leuten zum Fenster hineinschaut und gern Hausfrauen schreckt, wenn die Männer nicht zu Hause sind. Sonst wird sie beschrieben als eine ärmlich gekleidete Frau in alter Tracht, mit einer schmal verbrämten Pelzhaube, etwas zerzaustem Haar, wollenem Röckchen mit Leibl und obenerwähnten Pantoffeln, durch deren Geklapper sie sich gewöhnlich ankündigt; indessen wollen sie auch viele wie die Windsbraut sausend durch die Straße des Markts dahineilen gesehen haben.

Öfter sieht man sie auf einer Bank vor den Häusern sitzen; plötzlich erhebt sie sich, »schlärfelt« durch den Markt, schaut irgendwo im oberen Stock zum Fenster hinein und verschwindet wieder, wenn der Hahn zum ersten Mal gekräht hat.

Gutes bedeutet aber ihr Erscheinen nicht; meist tragen sich schlimme Dinge danach zu.

 


 

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