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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 1239
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Die Holledau

Wo die Holledau zu suchen ist, geht aus einem alten Sprichwort hervor:

Wolnzach, Nandlstadt und Au
Sind die größten Städt' in der Holledau.

Freilich wollen einige auch Mainburg hinzurechnen, das jedenfalls im Besitz des Hauptschlüssels zur Holledau gewesen sein soll und von dem man wissen will, daß es früher auch sein Kontingent zu den Holledauer Dieben gestellt hat.

Die Grenzen der Holledau möchten daher nicht so genau zu bestimmen sein, obwohl hierüber schon viel gesprochen und gestritten worden ist, denn niemand will ein Holledauer sein, selbst wenn er mitten in diesem Schelmenland geboren und aufgewachsen ist. Die Ursache hiervon ist klar. Denn wenn auch die jetzigen Bewohner der Holledau ehrenfeste und biedere Leute sind, so standen doch ihre Vorfahren in sehr zweideutigem Ruf, und man legte ihnen besonders die Neigung zum Pferdestehlen zur Last. Dazu gaben Gelegenheit der Salzhandel, der schon von alters her auf der Straße über Freising, Au und Mainburg ging, und dann die vielen Waldungen und Bergrücken des Ländchens und die großen Pferdemärkte zu Moosburg. Es ist bekannt, welches Wallfahrtslied den Holledauern bei ihren Bittgängen zum heiligen Kastulus in Moosburg in den Mund gelegt wird:

O heiliger Sankt Kastulus und Unsere Liebe Frau!
Ihr kennt uns ja schon lange und unsere Holledau.
Fertn [voriges Jahr] sind uns neune gwest, heuer aber drei,
Sechse sind im Schimmelstehln; Maria, steh uns bei!

Wie es nun den Holledauern infolge dieser ihrer unstatthaften Neigung öfter ergangen ist, davon erzählt man sich verschiedene Geschichten.

So wurde ein Einödbauer samt seinen Söhnen und drei Enkeln zu Moosburg wegen Roßdiebereien nebeneinander an den Galgen geknüpft. Zuerst kamen die Enkel und Söhne dran, und zuletzt mußte der Ahnl mit seinem langen weißen Spitzbart baumeln. Ein alter Jäger hatte das gleiche Schicksal, da er Fohlenfleisch statt Hirschfleisch verkaufte.

Der Pfarrer von Kirchdorf an der Amper jagte auf einem Berg bei Hirschbach, wo man ein Kruzifix als die Grenze der Holledau gegen Süden bezeichnet, einem Dieb sein Reitpferd ab.

Einmal wurden Holledauer Diebe, die einen Schimmel gestohlen hatten, verfolgt, so daß sie sich genötigt sahen, das Pferd in einem am Weg gelegenen Kirchlein zu Larsbach einzustellen und das Weite zu suchen, mit dem Vorsatz, es am anderen Tag wieder zu holen. Da aber die Diebe eingeholt und gefangengenommen wurden, mußte der Schimmel mehrere Tage in dem Kirchlein bleiben und verhungern. Der Mesner fand ihn tot an der Tür liegen.

Auch in Seibersdorf wurde ein Pferd gestohlen, der Dieb aber erwischt, das Pferd dem Eigentümer zurückgestellt und der Zaum als Corpus delicti zu Gerichtshanden genommen. Man zeigt ihn heute noch im Schloß zu Au als ein Andenken der Holledauer Roßdiebe.

 


 

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