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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 12
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Das Bergmännlein auf der Hochzeit

Im Dorfe Glas, eine Stunde vom Untersberg, war einmal eine Hochzeit. Alles war heiter und lustig. Da kam auf einmal ein Bergmännlein, das seinen Berg verlassen hatte, in die Wirtsstube, wo eben getanzt wurde. Sogleich bat es, auch mittanzen zu dürfen, und als man es ihm bewilligte, da machte es mit mehreren Jungfrauen allemal drei Tänze. Es tanzte so zierlich und schön, daß alle Anwesenden Freude und Lust fanden, ihm zuzuschauen. Nachdem es getanzt hatte, schenkte es jeder der Brautpersonen eine kleine Münze, die vier Kreuzer wert war, und sagte ihnen, sie sollten sie zu ihrem übrigen Geld legen, und der Segen werde ihnen dann gewiß nicht fehlen. Zugleich gab es ihnen allen Ermahnungen, sie sollten lustig und fröhlich sein, aber in Ehren; sie sollten in Frieden und Eintracht miteinander hausen und ihre Kinder christlich und fromm erziehen. Zu den Brautleuten sprach das Männlein, sie sollten nicht hoffärtig werden und von dem Überfluß, den sie bekommen würden, auch ihren Nachbarn etwas geben, denn nur dann würden der Segen und der Reichtum ihnen bleiben. Nach diesen Ermahnungen blieb es noch bei der Hochzeit, bis es Nacht wurde, trank und aß mit ihnen, aber nur wenig.

Endlich bedankte es sich und verlangte einen Mann unter den Holzleuten, der es über den Fluß Salzach zu seinem Berg führte. Dazu erbot sich auch ein Fischer namens Johann Ständl, und das Bergmännlein ging mit ihm an den Fluß zur Überfahrt. Während sie überfuhren, verlangte der Fuhrmann seinen Lohn, und das Bergmännlein gab ihm in Demut drei Pfennige. Dies verschmähte der Schiffer und beklagte sich auch darüber, daß es ihm zuwenig sei. Das Bergmännlein gab ihm aber zur Antwort, er sollte die drei Pfennige nur behalten; denn er würde dann an seiner Barschaft keinen Mangel zu leiden haben, wenn er anders seinem Übermut Einhalt täte. Zugleich gab das Männlein dem Schiffmann ein kleines Steinlein und sprach zu ihm die Worte: »Wenn du dieses an den Hals hängen wirst, so wirst du nie zugrunde gehen!« Zuletzt ermahnte es den Fuhrmann noch zu einem demütigen Lebenswandel und ging schnell, nachdem es ausgestiegen war, von dannen und dem Berg zu.

Was ihm das Männlein von der Wunderkraft des Steinleins gesagt hatte, ging in demselben Jahr noch in Erfüllung; denn es rettete ihn wirklich vor dem Ertrinken.

 


 

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