Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Alexander Schöppner >

Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 119
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
Schließen

Navigation:

Graf Babo von Abensberg

Von Franz v. Gaudy.

                  Als Kaiser herrschte im deutschen Land
Henricus, der Zweite zubenannt,
Der sprach: »Geendet ist der Krieg,
Gott und mein Recht erstritt den Sieg,
Von Eisenhelmes schwerem Druck,
Von gold'ner Kette schwerem Schmuck,
Von Krieges, von des Herrschens Last,
Sei mir gegönnt die kurze Rast.
Des Kaiserhofes Herrlichkeit
Erblühe wie in früh'rer Zeit,
Und des Regensburger Schlosses Halle,
Vereine die Großen des Reiches alle.«

Von Ost und West, von Nord und Süd
Herbei die Schar der Edlen zieht:
Dorther, wo begrenzend die Eider fließt,
Vom Ufer des Rheins, wo die Rebe sprießt,
Von der Donau königlichem Strom,
Weither aus dem ewig herrlichen Rom –
Sie nahen, die Fürsten, die Grafen, die Herrn,
Die Edelfrauen von nah und fern.
Und zu dem männlichen Turney
Strömt müß'ger Kämpfer Schar herbei,
Den funkelnden Ring herabzustechen,
Mit befiedertem Pfeil zu spalten das Ziel,
Den Speer an stählerner Brust zu brechen,
Des Armes Kraft im Schwerterspiel,
Zu proben vor der Schönheit Gericht –
Wes Edlen Herz begehrt es nicht?
Auf des Altans erhöhtem Rund
Gar oft aus lieblicher Frauen Mund
Ein bang Gelübd' gen Himmel steigt,
Wenn wohlbekannter Busch sich neigt;
Manch ros'gen Mädchens Wang' erbleicht,
Wenn ihrer Farbe Träger weicht;
Gar manche dunkleres Rot umzieht,
Wenn beneideter Sieger vor ihr kniet,
Den Dank, erkämpft auf der Ehrenbahn,
Aus zitternden Händen zu empfah'n.

Hell klingt der silberne Pokal,
Hell Zink' und Pauk'; im hohen Saal
Drängt sich das üppig bereitete Mahl,
Das laute Bankett in den fürstlichen Hallen.
Die Hand, die das Schwert so kräftig schwang,
Entlockt den Saiten zarten Klang,
Und die Frauen mit zärtlichem Wohlgefallen,
Sie lauschen dem zierlichen Minnesang.

Und der Kaiser sich rings umschauend spricht:
»Nur einen der Edlen gewahr' ich nicht
In meines Hofes festlichem Kreis:
Den Grafen Babo, den trefflichen Greis.
Entsendet flugs den hurtigen Boten;
Zur Waidmannslust in Waldesgrün,
Die uns am Morgen soll erblühn,
Sei auch Graf Abensberg entboten.«

Die junge Sonne schwingt sich herauf,
Da zieht der Jäger lärmender Hauf
Dem Forste zu. Der Kaiser sprengt
Voran; der Schwarm der Ritter drängt
Sich hinterher. In grünem Gewand
Folgt langsam die Blüte edler Frauen,
Norweg'sche Falken auf der Hand,
Mit Schellenkapp' und gefesselten Klauen.
Gefleckter Schweißhund durchkreuzt die Flur,
Von Tau benetzt, auf des Wildes Spur;
Die Koppel zerrt an der hemmenden Schnur
Mit lautem Geheul. Der Jagdruf erschallt –
Es birgt sich das Wild im dichten Wald.

Und der Kaiser den Palatin befragt:
»Ein Haufen Reisiger zieht dort heran;
Wer ist der kecke Edelmann,
Der unsers Gebotes zu spotten wagt?
Jedwedem Herren folg' ein Knecht,
So will's das alte Waidmannsrecht.
Wer ist der Vasall, der sich erfrecht,
Mit Hunderten einherzureiten,
Als gält' es gegen den Feind zu streiten?«

Die fremden Reiter sind zur Stell'
Der Führer schwingt vom Pferd sich schnell
Wie'n Jüngling behend, wenngleich die Jahre
Versilbert die dünn geringelten Haare,
Und beugt vor dem Kaiser das Knie zur Erde.
Der spricht mit zürnender Gebärde:
»Seid Ihr's, Graf Babo, der das Mandat
So arg verletzt? Wohl bessern Rat
Hätt' ich versehn von grauem Haar;
Wozu der Knecht' unbillige Schar?«

Darauf der Graf: »Des Kaisers Wort
Befolgt' ich getreulich immerfort.
Nach Eurem Gebote bin ich hier,
Und einer der Diener nur folgte mir;
Dort jenen Junkern, den dreißigundzwein,
Ein Knecht zieht jedem hintendrein;
Die zweiunddreißig allzusamm
Sind aber Sprossen von einem Stamm:
Es sind meine Söhne lieb und wert,
Die mir des Himmels Gunst gewährt,
Die will ich dem Dienste meines Herrn
Gewidmet haben freudig und gern.
Nehmt meine Knaben, nehmt sie all,
Treu halten die Abensberger Wacht,
Der Kaiserbrust ein eiserner Wall
Im Frieden, im Getümmel der Schlacht.«

Mit Staunen vernimmt die seltsame Kunde
Der Kaiser aus der Grafen Munde,
Mit Staunen erblickt er der Brüder Schar,
Wie gleiche Bildung wunderbar
Sich stellt im Knaben, im Manne dar.
Dann bricht er das Schweigen und spricht: »Ihr habt
Den Kaiser kaiserlich begabt,
Wo lebt ein Fürst, der solchen Bann
Um seine Fahne sammeln kann?
Habt Dank, habt Dank, mein treuer Vasall,
Habt Dank für Eure Söhne all,
Und nehmt mein kaiserliches Wort:
Der Söhne Sorg' ist mein hinfort.
Und wenn der edle Stamm verdorrt,
Der sprossenreiche, so entsteige
Ein neuer Stamm jedwedem Zweige!«

 


 

 << Kapitel 118  Kapitel 120 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.