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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 1177
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Die Judenschlacht zu Nördlingen

Unter den vielen engen Gassen Nördlingens ist auch eine »Judengasse«. Den Namen soll sie von ihren früheren Bewohnern, den Juden, haben, die aber alle mit Weibern und Kindern an einem Tag erschlagen worden sind.

Im Laufe des vierzehnten Jahrhunderts hatten sich zahlreiche Juden zu Nördlingen niedergelassen, die sich in kurzem noch bedeutend vermehrten, so daß ihnen in der Mitte der Stadt eine ganze Straße eingeräumt wurde, in der sie auch ihre Synagoge hatten. Da sie sich bald in den Besitz einiger der schönsten Häuser der Stadt gesetzt, auch viele Bürger gänzlich ausgekauft hatten, so entstand nach und nach ein großer Haß gegen sie, der blutige Auftritte besorgen ließ. Indessen standen die Juden nicht nur unter kaiserlichem Schutz, sondern hatten auch viele und gute Freunde unter den benachbarten adeligen Herren, denen sie oftmals aus Verlegenheiten geholfen hatten, wie sie denn von den Grafen zu Oettingen viele kostbare Pfänder und andere Verschreibungen besaßen. Also konnte es nicht leicht geschehen, daß der gegen die Juden glimmende Haß zu einem gefährlichen Ausbruch kam.

Nun war aber ein gewisser Goßenbrod aus der Stadt Augsburg nach Nördlingen gekommen, der wußte die Bürger mit arglistigen und einnehmenden Worten gegen die Juden aufzuhetzen. Viele Nördlinger, dazu etliche Weißenburger und Windsheimer Bürger, wurden in das Einverständnis gezogen; bald war eine förmliche Verschwörung fertig, die auch am Freitag nach Jakobi 1383 zum Ausbruch kam. Es war ein gräßliches Morden in der Stadt; über zweihundert Juden wurden erschlagen, selbst ihre Weiber und Kinder nicht verschont.

Dies alles war aber ohne Wissen und Willen des Rates geschehen, der sogleich eine Untersuchung anstellen, die Rädelsführer verhaften und elf Bürger zum Tode verurteilen und hinrichten ließ. Hans Goßenbrod selbst hatte die Bürger verraten, sich sodann aus dem Staub gemacht und nach Augsburg geflüchtet, wo er jedoch bald den Lohn seiner Frevel fand. Denn als er eines Tages zum Tor hinausreiten wollte, schwollen ihm plötzlich der Hals und die Zunge, womit er die Nördlinger verführt und verraten hatte, so gewaltsam an, daß er in wenigen Minuten erstickte.

Für Nördlingen sollte diese Judenschlacht die übelsten Folgen haben. Zuerst mußte man den Kaiser mit schwerem Geld versöhnen, sodann hatte man sich die Adeligen zu Feinden gemacht, die die Gelegenheit benutzten, ihrem Haß gegen die Stadt in allerhand Fehden und Plackereien Luft zu machen, indem sie vorgaben, viele ihrer kostbaren, an die Juden versetzten Pfänder nicht zurückerhalten zu haben.

 


 

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