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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 1126
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Das rote Weiblein

Bei dem Dorf Wissing, nicht fern von der Straße, die von Neumarkt nach Regensburg führt, liegt eine Wiese dicht am Wald. Die Wiese gehörte vor vielen Jahren einem wohlhabenden jungen Mann des Dorfes. Auf dieser Wiese sah man damals häufig ein ganz rotes Weiblein grasen, oder man sah es am Waldsaum dicht an der Wiese unter einem Baum rasten. Öfter auch hörte man es am frühesten Morgen oder späten Abend seinen Grasstumpf (Sichel) dengeln oder am Wetzstein wetzen.

Viele, die des Weges vorübergingen und das Weiblein von weitem sahen, gingen abseits, machten einen Umweg, bekreuzigten sich und verdoppelten ihre Schritte. Der Eigentümer selbst traute sich nicht hin, sondern ließ sich das Grasen schweigend gefallen, um so mehr, da an jenen Stellen, wo das rote Weiblein gegrast hatte, stets eine reiche Menge Futter nachwuchs und sich also eine ergiebige Heuernte ergab.

Die Nachbarin des Besitzers fragte ihn oft, warum er denn nicht hingehe und das rote Weiblein anspreche. Diese Nachbarin war aber als ein hoffärtiges Weib bekannt, und man sagte allgemein, daß sie nicht gern in die Kirche ginge. Aber das mußte man ihr lassen, daß sie die schönsten Kühe im Stall hatte, die am meisten Milch gaben im ganzen Dorf.

Einmal wurde die Nachbarin schwer krank, und man holte wider ihren Willen den Pfarrer. Als er kam, lag sie mit abgewandtem Gesicht im Bett, und als er sie anrührte, um sie zu wecken, war sie kalt und tot und hatte ganz die Gestalt des roten Weibleins angenommen. Von dem Gras jener Wiese, auf der sie ihr Wesen getrieben hatte, gaben nun die Kühe lange Zeit Blut statt Milch, und noch heutzutage soll dies in manchen Jahrgängen der Fall sein.

 


 

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