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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 1122
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Schloß Wolfstein bei Neumarkt

Vor langer Zeit hatte ein Bauer in der Nähe von Neumarkt einen Traum, er solle sich im Drei-Mohren-Wirtshaus zu Neumarkt zu einer bestimmten Stunde einfinden, dort würde er einen Kameraden treffen, und mit diesem solle er um Mitternacht nach dem alten Schloß Wolfstein gehen, wo er einen Schatz finden würde. Dieser Traum wiederholte sich dreimal nacheinander, und der Bauer machte sich endlich nach dem bezeichneten Wirtshaus auf. Hier traf er einen Mann, der ihm erzählte, daß er dreimal denselben Traum gehabt habe. Sie berieten sich, was zu tun sei, und entschlossen sich, das Unternehmen zu wagen.

Als sie um Mitternacht in der Ruine angekommen waren, erschien ihnen ein Weißes Fräulein, klagte ihnen weinend, daß es verwünscht sei, und bat, es zu erlösen. Das Fräulein führte sie hierauf an den Eingang eines Kellergewölbes und bedeutete ihnen, in diesem Keller stehe eine eiserne Truhe, worauf eine Schlange liege. Diese Schlange habe einen Schlüssel im Mund, den sie ihr ohne Furcht entreißen sollten und mit dem sie dann die Truhe öffnen könnten, um den reichen Inhalt an Geld und Edelsteinen als ihr Eigentum zu behalten. Hiermit sei das Werk der Erlösung erfüllt.

Sie fanden wirklich die Truhe und darauf die Schlange, die sie mit feurigen Augen anblickte, aber sie standen lange und hatten nicht den Mut, ihr den Schlüssel aus dem Rachen zu reißen. Da wurde der eine der Bauern von Furcht ergriffen und meinte, er wolle lieber keinen Anteil an diesem Reichtum haben. Er machte sich eilig davon, und sein Begleiter folgte. Die Kellertür verschwand hinter ihrem Rücken, das Fräulein aber hörten sie noch in weiter Ferne lautes Weinen und Schluchzen erheben.

Inzwischen hat niemand mehr die Kellertür gefunden; die eiserne Kiste aber soll den Brautschatz eines ehemaligen Burgfräuleins enthalten, den einst Raubritter auf ungerechte Weise erworben hatten, und die beiden Bauern sollen Nachkommen der ehemaligen rechtmäßigen Besitzer gewesen sein. Noch heutzutage wollen besonders kluge Leute in stürmischen Nächten aus dem alten Gemäuer das Heulen und Wehklagen des Burgfräuleins vernommen haben.

Eine andere Sage erzählt: Von der Ruine Wolfstein und dem Schloß zu Neumarkt, dem ehemaligen Sitz der Pfalzgrafen, jetzt Landgerichtsgebäude, geht ein unterirdischer Gang nach dem Schloß Wolfstein. In einem Keller der Ruine liegt ein schwarzer Pudel auf einer eisernen Kiste und daneben eine Eisenstange. Wenn man sich dem Pudel naht, speit er Feuer. Der Schlüssel zur Eisenkiste liegt im Schloßweiher bei Neumarkt. Wer den Schlüssel findet, dem wird es ein Leichtes sein, mit der Eisenstange den Pudel zu erschlagen und den Schatz zu heben. Der Eingang in den unterirdischen Gang von Neumarkt aus war im Schloßgraben links vom sogenannten Klostertürl, wo man noch vor einigen Jahren hinter Haselnußstauden ein vermauertes Tor sehen konnte. Nicht selten sah man in diesen Haselnußstauden eine dunkle Gestalt sich bewegen. In diesem Gang sollen noch viele kostbare Kirchengeräte vergraben sein, die man aus Furcht vor den Schweden verbarg.

Nordwestlich vom Schloß, an der sogenannten Kühbrücke, wo früher eine Vorstadt war, die von den Neumarktern bei Belagerung durch die Nürnberger abgebrannt wurde, soll ebenfalls ein Schatz liegen. Einmal hatten zwei Männer die eiserne Kiste schon gefunden und wollten sie eben emporheben, da wurde sie einem zu schwer, und er rief dem anderen zu: »Heb!« – Da sank die Kiste in die unergründliche Tiefe.

Auch im Schloß selbst hört man zu heiligen Zeiten oft sonderbares Geräusch, und in einen der vielen Keller, die unter dem Gebäude sind, soll man am Thomastag nie hinuntergehen können, ohne daß das Licht ausgeblasen wird.

 


 

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