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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 1095
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Das rote Männlein

In der Pfarrkirche zu Waidhaus in der Oberpfalz sollte vor vielen Jahren eine Passionsvorstellung gegeben werden. Die Kirche war gedrängt voll Menschen. Da erscholl auf einmal Feuerruf, und Männer, die vom Chor aus durch das Kirchenfenster ins Freie sehen konnten, sahen deutlich, daß ein kleines buckliges Männlein in rotem Wams, das hinkend um die Kirche herumlief, der Urheber des Rufes war. Alles eilte den Türen zu, und es entstand ein furchtbares Gedränge. Mehrere Personen wurden erdrückt, etliche verwundet, eine vornehme Dame, die auf dem Chor ihren eigenen Stuhl hatte, wurde durch den Schrecken vom Schlag gerührt.

Unter den Verunglückten wurde auch ein kleines Männlein mit rotem Kamisol, wie es von den Männern vom Chor aus gesehen worden war, scheintot herausgetragen. Der Ortsbader eilte herbei, man rieb und schüttelte es und schob ihm den Ärmel zurück, um ihm zur Ader zu lassen. Aber nun bemerkte man, daß seine Haut so gelb war wie eine Zitrone; auch zeigte sich, daß es einen Geißfuß hatte. Wie nun der Bader den Arm packen und den Schnepper ansetzen wollte, sprang das Männlein auf, riß sich los, teilte an die nächst Umstehenden ein halbes Dutzend Ohrfeigen aus, und ehe sich die Überraschten von ihrem Schrecken erholt hatten, war es verschwunden; kein Mensch wußte, wohin.

Ob nun das Männlein, wie damals die klugen Leute meinten, der Teufel selbst war oder irgendein anderer roter Geselle des Teufels, das ist bis heute noch nicht ermittelt worden.

 


 

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