Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Alexander Schöppner >

Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 108
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
Schließen

Navigation:

Der Dollinger (2)

Von Adelheid von Stelterfoth

            Nach Regensburg am Donaustrand
Kam einst ein Riese hingerannt;
Krako war er geheißen
Und trug einen Helm von Eisen,
Der hat gewogen zwanzig Pfund;
Sein eh'rner Schild war groß und rund,
Sein breites Schwert drei Ellen lang,
Ein Baum die Lanze, so er schwang,
Und einen Panzer hatt' er an,
Da stunden spitze Schuppen dran.
Sein Koller war ohn' alle Zier,
Die Haut vom Elefantentier.
Der Ries' war greulich anzuschaun,
Und keiner mochte sich getraun
Mit ihm zu halten einen Reih'n,
Weil er ein Zaub'rer sollte sein,
Gefeit und fest so wunderbar,
Als einst zu Worms Herr Siegfried war.
Da trieb er denn mit allen Spott,
Schlug Mensch und Vieh, verlästert' Gott
Und forderte den Kühnsten 'raus,
Mit ihm zu kämpfen blut'gen Strauß.
Doch alle Recken blieben stumm
Und wandten ihre Häupter um.
Darüber höhnte Krako sehr,
Rief: »Keinen Tapfern gibt es mehr
In Kaiser Heinrichs ganzem Heer!«
Dies freche Wort aus Heidenmund
Ward auch beim Hans Dollinger kund;
Der aber saß in Kerkerhaft,
Weil er Verrat am Herrn geschafft.
Da ließ er nun ihn bitten sehr,
Daß er ihn doch um Deutschlands Ehr'
Sollt' aus dem Kerker lassen gehn,
Mit Gott den Zweikampf zu bestehn;
Gleich käm' er wieder dann zurück,
Erwartend sein verdient Geschick.
Als nun der tapfre Kaiser hört,
Daß der allein den Kampf begehrt,
So läßt er gleich ihn freudig los,
Gibt ihm ein Roß auch, stark und groß,
Und eh'rnen Schild und blankes Schwert;
Doch was zumeist im Kampf ist wert,
Das bringt der Ritter selber mit –
Der andre ließ ihn warten nit.
Und als nun die Trompet' erklang,
Ein jeder seine Lanze schwang.
Die Rosse bäumten sich empor,
Den Bügel Dollinger verlor,
Er stürzte nieder in den Sand,
Erhob sich aber gleich gewandt.
Drauf nahm man andre Lanzen an,
Doch keiner hat was Rechts getan.
Das drittemal mit Löwenkraft
Schwingt Dollinger der Lanze Schaft,
Die saust dem Riesen durchs Visier
Und teilet Helm und Schädel schier.
Da jubeln alle Franken laut,
Und alles auf den Sieger schaut.
Der aber kniet und danket Gott,
Daß er gesiegt ob Heidenspott.
Dann macht er wieder sich bereit,
Zu gehn in Kerkernacht und Leid.
Da ruft der Kaiser: »Hans, wohin?
Ich hab' von Herzen dir verzieh'n!
Zieh nur dem Feind die Waffen aus
Und häng sie in ein Gotteshaus.«

 


 

 << Kapitel 107  Kapitel 109 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.