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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 1069
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Die Venezianer im Fichtelberg

Von A. Kaufmann.

        Wie lockt in Sommers Schwüle
Der Wald so wunderbar!
Wie lieblich haucht die Kühle
Um Busen, Stirn und Haar!

Die Buche ragt gewaltig,
Die Tanne schlank und wild;
Das Moos so vielgestaltig,
Wie's um die Knorren schwillt!

Der Welle fröhlich Hüpfen,
Die um den Fels sich schlingt;
Des Eichhorns lustig Schlüpfen,
Das in den Zweigen springt;

Das Spiel der goldnen Lichter,
Des Laubs verliebter Scherz –
Wie freudig spielt's dem Dichter
Durchs Auge bis ins Herz!

Süß, Wald, sind deine Wonnen,
Doch birgst du, tief entrückt,
Scheu vor dem Glanz der Sonnen
Den Hort, der schlimm beglückt,

Der stets mit blut'gem Hader
Den Erdkreis noch getränkt,
Drum ihn in tiefste Ader
Ein güt'ger Geist versenkt.

Da lagen nun und ruhten
Die Schätze unberührt –
An der Lagune Fluten
Hat man sie aufgespürt;

Auf fernen Euganeen
In Zauberspiegelschein
Gelang's, den Hort zu sehen
Im Schneekopf und Kössein.

Nun kam in düstern Scharen –
Ward sommerlich die Zeit –
Viel welsches Volk gefahren
Um deutsche Herrlichkeit;

Oft sah man finstre Männer
In monderhellter Nacht,
Des Golds erprobte Kenner
Durchwühlen Schacht auf Schacht.

Oft auch in wilden Nächten,
Zu schlimmen Taten gut,
Vernahm man stürmisch Fechten,
Und morgens fand sich Blut.

Was deine Felsenfeste,
O Fichtelberg, durchrollt –
Venedig sah Paläste
Erstehn von deinem Gold;

In Samtgewand und Seide
Ging mancher welsche Mann,
Indes im härnen Kleide
Der Bergbewohner spann.

Oft wenn am fernen Maine
Der Köhler Wasser trank,
Berauscht vom Zypernweine
Der Welsche niedersank.

Da griff ein Zorn die Zwerge,
Ihr König sprach das Wort,
Und tiefer in die Berge
Versenkte sich der Hort.

Das Pilgern ist vergangen,
Kein Welscher naht sich mehr –
Der Wald in stolzem Prangen
Blüht herrlich wie vorher;

Um seine Kuppen glüht noch
Wie Gold das Morgenrot,
Um stille Wipfel blüht noch
Das Abendrot im Tod;

Mild kommt, wenn's Gold verglühte,
Der Silbermond gewallt –
Daß Gott dich stets behüte,
Du frommer Aufenthalt!

 


 

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