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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 106
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Das Evangelienbuch von St. Emmeram

Nach alter Sitte zog König Konrad nach St. Emmeram, um zu beten an den Gräbern seiner Vorfahren im Reich, der beiden letzten Karolinger, Arnulf und Ludwig. Er legte den zehnten Teil des Regensburger Zolls als Seelengerät auf den heiligen Altar. Gleichwohl führte er, von einem gelehrten Hofkaplan angeregt, im Schilde, dem Kloster seine schönste Zierde zu rauben: das kostbare Evangelienbuch, das Karl der Kahle nach St. Denis geschenkt hatte und das darauf nach St. Emmeram gekommen war.

Die Mönche, die mächtige Bitte fürchtend, fragten Tuto, den Bischof. Der befahl ihnen, das Buch auf den Altar zu legen, und sprach zum König: »Der dieses Buch dem Kloster entzieht, den wird der Heilige zur Rede stellen am großen Tag des Jüngsten Gerichtes, wenn ihn nicht früher noch des Himmels Strafrute züchtigt.«

Der König, wegen der unsanften Mahnung zürnend, befahl, das Buch gleich vom Altar zu nehmen; darauf verließ er das Gotteshaus und stieg aufs Pferd. Die Trabanten reichten ihm das Kleinod. Aber er fühlte plötzlich einen so nagenden Schmerz in den Eingeweiden, daß er augenblicklich vom Pferd mußte, mächtig gerührt in sich ging und das Buch wieder zurücktragen ließ. Doch blieb ihm ein ständiges Nachgefühl dieses Schmerzes bis an seinen nur zwei Jahre darauf, zwei Tage vor der Weihnachtsfeier, erfolgten Tod.

Dem Bischof Tuto aber ging das Wunder, das er gewirkt hatte, und seines Fluches rasche Erfüllung nicht minder zu Herzen. Er ließ St. Emmeram einen Altar aus Goldblech machen und diesen durch einen berühmten Meister aus Griechenland mit Perlen und Edelsteinen gar herrlich verzieren. Das Buch aber ziert jetzt König Ludwigs Bücherschatz in München.

 


 

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