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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 1059
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Adalbert von Babenberg (2)

Von K. Simrock.

                      »Herr Adalbert von Babenberg, habt meiner Warnung acht,
Ihr seid an Ludwigs Hofe, des Kindes, im Verdacht,
Sie zeihen Euch der Mitschuld an seines Bruders Tod;
Wollt Ihr nicht Gnade suchen, so wär' zu fliehen Euch not.« –

Er sprach: »Herr Bischof Hatto, des Königs edler Rat,
Ich weiß mich nicht schuldig so mörderischer Tat,
Auch trau ich dieser Feste; doch sucht' ich Gnade gern,
Wenn Ihr darum mir würbet bei meinem König und Herrn.

Ihr seid des Reichs Verweser; so Euer Wort mir bürgt,
Daß Ihr mich heimgeleitet gesund und unerwürgt
Zu dieser starken Feste, so folg' ich Euch sogleich,
Meine Unschuld zu bewähren vor dem König und dem Reich.«

Der Bischof sprach: »Ich bürg' euch, daß ihr in kurzer Zeit
Zu Euerer Feste kehret in meinem Heimgeleit;
So könnt Ihr nichts verlieren – gewinnen könnt Ihr viel:
Des Königs Gunst und Gnade, die doch aller Wünsche Ziel.« –

»Wohlan denn, wir reiten, wenn wir entbissen sind,
Ein kurzes Mahl bereiten die Diener uns geschwind.« –
»Es ist noch früh am Tage«, wandt' ihm der Bischof ein,
»Wir finden unterwegs wohl zum Kaufe Brot und Wein.«

Da ritten diese beiden; doch lange währt es nicht,
So wendet zu dem Grafen der Bischof sich und spricht:
»Wie oft wird erst verachtet, was man erwünscht zu spät,
So reut mich jetzo nüchtern, daß ich den Imbiß verschmäht.

Ich komme nicht zu Kräften, wird mir nicht Speis' und Trank.«
Da sprach der Graf mit Freuden: »Dem Himmel sag' ich Dank;
Nun darf ich doch Euch pflegen als Gast in meinem Haus,
Noch ist's zum Glück nicht ferne, bald soll Euch laben der Schmaus.«

Da ritten sie zurücke und freuten sich des Mahls,
Darauf zum Lager hoben die zwei sich abermals;
Als man den Babenberger da mit dem Mainzer sah,
Nun mögt ihr ungern hören, welch ein Greuel da geschah.

Man nahm ihn gleich gefangen und sprach das Haupt ihm ab;
Doch Schmeichelworte waren's, die man dem Bischof gab,
Daß er ihn herberedet durch schlauer Worte Saat.
Als Adalbert das hörte, noch glaubt' er nicht an Verrat.

Er sprach: »Mir gelobte der Bischof frei Geleit;
Sein Wort mir zu bewähren, das ist nun an der Zeit.« –
»Und bracht' ich dich«, sprach Hatto, »nicht wieder in dein Schloß,
Da wir zum Imbiß fuhren, mein kluger Reisegenoss'?

Zum andernmal gelobt' ich das Heimgeleit dir nicht,
Drum geh nur mit den Häschern getrost zum Hochgericht.«
Er ging – mit welchen Wünschen, das meldet nicht das Lied,
Doch nahm kein gutes Ende, der so die Treue verriet.

 


 

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