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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 1045
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Die heilige Kunigunde

Von J. L. Pyrker.

                Der Neid bespritzet oft das schönste Leben
Mit seines Geifers giftvermengtem Naß,
Er liebt geheim zu spähen und zu streben,
Drum ist er auch so leichengelb und blaß;
Und kann er etwas schlau verdrehn und weben,
So tut er es mit nie versöhntem Haß,
Verfallen ganz den finsteren Gewalten,
Die rings um ihn den wilden Reigen halten.

So glückt' es einst von ihm erfüllten Seelen,
Die fromme Herzogin im Bayerland,
Frau Kunigundis, sich zum Ziel zu wählen,
Nach welchem sie den gift'gen Pfeil gesandt,
Und ihr den schönsten Schatz – den Ruhm – zu stehlen,
Den man allüberall verbreitet fand:
Daß ihr, der besten, heiligsten der Frauen,
Ihr Gatte Heinrich sicher konnte trauen.

Das arge Mißtraun wächst – nichts helfen Tränen,
Nichts Bitten mehr; der Friede ist entflohn.
Nach Hofgunst stellt der Höfling all sein Sehnen,
Er schweigt und schleicht gebückt hin an den Thron;
Die Freunde selbst, die wohl zu handeln wähnen,
Verlieren ratend noch der Mühe Lohn:
Nur Gotts Gericht kann seine Zweifel enden
Und so die Schmach des Treubruchs von ihr wenden.

Die Frist ist anberaumt, der Tag gekommen,
Wo sie auf glüh'nder Pflugschar stehen soll.
Das Volk, voll Lieb' und Mitleid zu der Frommen,
Eilt rasch heran; der breite Markt wird voll;
Schon hatte sie den Leib des Herrn genommen
Im nahen Dom und schreitet ohne Groll
Heran; mit frei emporgehobnen Blicken
Scheint sie nur Dank zum Herrn der Welt zu schicken.

Sie selbst entblößte ruhig ihre Füße,
Beschritt die glüh'nde Schar; das Volk schrie auf!
Da ist's, als ob auf sie ein Quellbach fließe
Und kühle; sie stand unversehrt darauf.
Und daß ihr Leid der Himmel selbst versüße
In seiner Gnaden unermeßnem Lauf,
So sinkt ihr Gatte schluchzend vor ihr nieder
Und kehrt, mit ihr vereint, zur Hofburg wieder.

Und nimmer konnt' er sich die Schuld verzeihen,
Obschon er Herr von vielen Ländern ward,
Obschon des Heil'gen Vaters Händ' ihn weihen
Und ihm vom Haupt die Kaiserkrone starrt,
Bis seiner frommen Taten Reih' an Reihen
Sich fügt, zu jenen seiner Gattin schart
Und er, im Tod gewürdigt, sich zu reinen,
Auffuhr, mit ihr sich ewig zu vereinen.

 


 

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