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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 1036
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Der stille Gast

Von J. U. Bissinger. – Schottenstein im Itzgrund bei Banz. Die letzten Strophen enthalten wohl eine Zutat des Dichters, da diese Sage ohne diesen Zusatz oft vorkommt.

                Hoch auf dem Schottensteine war einst ein stilles Haus,
Da gingen Lieb' und Treue beständig ein und aus.

Auch war ein stilles Wesen im Hause immerdar,
Man wußte nicht von wannen noch wie sein Name war.

Man ließ es gehn und walten, der Bauer und der Knecht,
Die Mutter und die Kinder; denn was es tat, war recht.

Sowie der Morgen graute, so ging es ab und zu
Und reinigte die Ställe und fütterte die Kuh.

Dann sprang es in den Garten, begoß die Pflänzlein zart,
Dann wieder in die Küche, nach ems'ger Frauen Art.

Fiel etwas um – jetzt stand es; und ging das Wasser aus,
Zum Brunnen liefs behende und trug den Krug ins Haus.

Dem unverschämten Bettler, dem Heuchler und dem Dieb
War Haus und Hof und Garten nicht heimlich, drum nicht lieb.

Es hütete die Schwelle bei Tage und bei Nacht
Und hatte auf die Kindlein besonders gerne acht.

War alles auf dem Felde, wie es ja oft geschieht,
Dann saß es an der Wiege und sang ein leises Lied.

Und kehrte heim die Mutter, dann lächelte ihr Kind,
Und alles war zufrieden: der Mann und das Gesind.

Am Sonntag und am Feste, da mahnete es all'
Im Hause still zu folgen der Glocken heil'gem Schall. –

Da stach sie einst der Vorwitz: »Wer mag es doch wohl sein,
Der gar so hold und freundlich bei uns geht aus und ein?«

Sie sahen und sie lauschten, sie rieten hin und her
Und her und hin – und wußten am Ende doch nicht, wer.

Jetzt riet der kluge Velten, der junge Knecht im Haus:
»Wir streuen heute Asche, dann bringen wir's heraus.«

Und in der Morgenfrühe, da sahen sie die Spur,
Fürwahr von baren Füßen, doch eines Kindes nur.

Die führten hin und wieder, doch zeigend nicht, woher,
Und daß Barfüße waren, das jammerte sie sehr.

Und Mutter sprach: »Geschwinde will ich nach Schühlein sehn,
Damit das liebe Wesen nicht barfuß müsse gehn.«

So stellt sie hin am Wege die Schühlein, neu und nett,
Sie betet still und dankbar und geht darauf zu Bett.

Beim ersten Hahnenrufe erwachte jung und alt,
Drauf wird voll Neubegierde zum Stalle hingewallt.

Hier stehn die Schuhe – alles ist, wie man's sonst auch trifft;
Und an der Türe lesen sie diese Wunderschrift:

»Das stille Walten Gottes, so huldvoll und so reich,
Will stets nur sein verborgen und unbelauscht zugleich.

Die Dankbarkeit ist edel; doch was er ferner will,
Ist keine Erdengabe – ist Liebe, rein und still.«

 


 

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