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Gutenberg > Alexander Schöppner >

Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 102
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Peter Ecker von Eck

Von A. Schöppner. – Schloß Eck, unweit Metten in Niederb. Die Begebenheit ist eine der hochtragischen bayrischen Geschichten, sichtlich von der Sage gestaltet. Peter v. Eck, Feldhauptmann Kaiser Ludwigs, später Vizedom zu Straubing. Um 1347 fielen die Böhmen, von Karl gesandt, verheerend in Bayern ein.

                Aus Böhmen zog ein wütendes Heer,
Die bayrischen Lande zu drängen;
Dem Strome gleich, der entfesselt braust,
So ward im Bayernwalde gehaust
Mit Rauben und Morden und Sengen.

»Frischauf, mein Sohn, was säumest du lang,
Zu eilen mit Rossen und Mannen?
Schon zogen die tapfersten Ritter, bereit,
Dem König zu helfen im blutigen Streit,
Mit reisigen Scharen von dannen!«

Wie flammte dem alten Ecker von Eck
Das Wort vom zürnenden Munde;
Er selber, an Jahren und Taten reich,
Vermochte nimmer mit kräftigem Streich
Zu versetzen die tödliche Wunde.

Wie Blitz durchzuckte des Sohnes Sinn
Die schneidende Rede des Alten;
Den Panzer umgürtet er sich zur Stell',
Der Damaszener, er blitzt so hell,
Die böhmischen Schädel zu spalten.

So tritt er gerüstet zur Gattin ein,
Von der Lieben und Treuen zu scheiden.
»Wohin?« so fleht sie. »O Trauter, wohin?« –
»Mich ruft die Pflicht, gen Böhmen zu ziehn,
Für Herd und König zu streiten.«

»O Gott, was hör' ich? Gen Böhmenland
Und gegen Vater und Brüder?
So kühle zuerst blutdürstenden Mut
In meinem eigenen Böhmenblut,
Dann stoße den Bruder darnieder!«

Sie sprach's und sank in der Zofe Arm,
Besiegt von Jammer und Schmerzen.
Im Herzen des Ritters, da kocht es und wallt,
Die Liebe so heiß, die Pflicht so kalt –
Sie kämpfen im blutenden Herzen.

Schon tönt Trompetengeschmetter im Hof,
Schon klirren die Waffen im Schlosse;
Nicht länger schwanket der Ritter mehr,
Er eilet hinaus zum harrenden Heer
Und hebt sich gewappnet zu Rosse.

Bei Furth im Walde stunden zum Kampf
Bereit die böhmischen Horden,
Da brauset wie Wetter der Ecker daher,
Es rasseln die Schwerter, es klirret der Speer
Zu blutigem Schlachten und Morden.

Und mitten im heißesten Waffengedräng'
Wen schaut der Ritter mit Zagen?
Der Gattin Bruder, ein junger Gesell,
Er naht sich dem Ecker verwegen zur Stell',
Den Kampf mit dem Helden zu wagen.

Der Ecker gewahrt es und bebet zurück
Und ruft mit warnenden Worten:
»Hinweg von mir, Betörter, hinweg!
Nicht zog zum Kampfe der Ecker von Eck,
Den eigenen Schwager zu morden.«

Und heftig drückt er dem bäumenden Roß
Den zürnenden Sporn in die Weichen
Und flüchtet von dannen und flüchtet in Hast,
Wie wenn ihn Wahn der Verzweiflung erfaßt,
Die heimische Burg zu erreichen.

Zu Straubing saß der Alte von Eck
Als Vizedom zu Gerichte,
Da nahet ein Schreckensbote zur Stund'
Und kündet dem Ecker mit bebendem Mund
Des flüchtigen Sohnes Geschichte.

Es wanket der alte, es starret der Blick,
Das Blut gerinnt in der Ader:
»Zum Amt, ihr Richter, mahnet die Pflicht,
Ich fordre von euch des Verräters Gericht –
Der unglückseligste Vater!«

Und rings im Kreis, da wird es still,
Es fühlen die Richter Erbarmen,
Da hebt sich der Ecker so bleich und kalt,
Und von dem donnernden Munde hallt
Das Todesurteil dem Armen.

Nach dreien Tagen blitzte das Beil
Des Henkers zum tödlichen Streiche;
Es schaute der Ecker mit kaltem Mut
Des pflichtvergessenen Sohnes Blut
Entstrahlen dem Rumpfe der Leiche.

 


 

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