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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 1019
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Der Ritter vom Zabelstein

Auf dem Zabelstein hauste ein Ritter, der war durch allerhand Unglücksfälle in große Not und Armut gekommen. Nun suchte er sich seine Grillen gewöhnlich mit der Jagd zu vertreiben. Einmal verließ er in einem Anfall von Verzweiflung gerade am heiligen Christabend die Burg, um draußen im Eichenforst sein Gemüt zu erheitern. Umsonst beschwor ihn sein edles Weib, doch nicht in diesen heiligen Stunden jagend den Wald zu durchstreifen. Gott, der die Vöglein in den Lüften nähre, werde auch in ihrer Not hilfreich sein. Der Ritter ließ sich nicht zurückhalten. In trübes Sinnen verloren zog er einsam durch den dämmernden Forst, manchen schrecklichen Fluch durch die Lippen knirschend.

Wie er nun so in dem menschenleeren Wald allein war, sah er auf einmal einen stattlichen Jäger kommen, der auf ihn zuging und ihn anredete: »Ich weiß deine Lage; dir kann geholfen werden; du sollst alle deine Wünsche befriedigt sehen, wenn du gelobst, mir das nach zehn Jahren als eigen abfolgen zu lassen, was jetzt als ein Geheimnis auf deiner Burg verborgen ist.«

Der Ritter war zufrieden und unterschrieb einen Vertrag mit dem Teufel mit seinem eigenen Blut. Sogleich erhielt er so viele Goldstücklein, als er tragen konnte, und eilte schwerbeladen damit dem Zabelstein zu. Doch welcher Schreck befiel ihn, als ihm seine Frau bedeutete, wie er sein eigenes Kind noch im Mutterleib dem Teufel überliefert habe. Von Schmerz und Gram aufgerieben gebar die Frau vor der Zeit und bezahlte das Leben eines Töchterleins mit ihrem eigenen.

Der Ritter lebte von jener Zeit an in Saus und Braus und gedachte nicht mehr des höllischen Paktes. Als aber das holde Mägdlein zehn Jahre alt geworden war, drang der Satan auf die Erfüllung des Vertrags. Da soll der Vater sein eigenes Kind in der Christnacht von der Burgmauer hinabgestürzt haben.

In der darauffolgenden Christnacht erschien um Mitternacht ein langer Zug von Geistern und Totengerippen auf der Burg, die schleppten in ihrer Mitte die zerschmetterte Leiche des dem Teufel überlieferten Kindes. Sie ergriffen den Ritter und zogen ihn mit fort zur Burgkapelle. Dort angelangt, hielten sie ein feierliches Totenamt am schwarz behängten Altar, während der Sarg mit der Leiche davor aufgestellt war. Danach verließen sie wieder die Kapelle und begannen einen furchtbaren Totentanz durch die Hallen des Schlosses. Der Ritter wurde in dem Wirbel mit fortgerissen, aber er hielt es nicht mehr aus, drängte sich auf die Zinne der Burg und stürzte sich fluchend in den Abgrund.

Seitdem – so sagen die Leute – fährt in jeder Christnacht Graf Hugo von Zabelstein mit dem Totenzug aus dem Gemäuer der Burg durch den Eichenwald. Auch vernimmt man die Gesänge der Toten aus der Burgkapelle.

 


 

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