Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Alexander Schöppner >

Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 101
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
Schließen

Navigation:

Ludmilla von Bogen (2)

Von Heinrich Döring

                  Die Blume der Frauen, des Landes Zier,
War Gräfin Ludmilla von Bogen;
Längst fühlte durch Neigung und Liebe zu ihr
Sich Ludwig der Bayer gezogen.
Ihr Gatte, Graf Albrecht, in Fehden gewandt
Und rings als ein männlicher Ritter bekannt,
War jüngst mit dem tapferen Degen
Freund Hein im Zweikampf erlegen.

Dem Herzog schien's, als die Nachricht erklang,
Nicht länger daheim zu behagen;
Es trieb ihn, die Ufer der Donau entlang,
Zum Schlosse der Gräfin zu jagen.
Er pries auf des Berges waldigen Höh'n
Die Lage der Burg als bezaubernd und schön
Und bat, ihm als Huld zu gewähren,
Bisweilen hier wiederzukehren.

Bestürzt stand Ludmilla voll sittiger Scham
Und ließ nur mit Müh' sich erbitten.
Doch als er ihr Jawort errungen, da kam
Nun Ludwig fast täglich geritten
Und fiel als ein loser und tändelnder Gast
Der Gräfin mitunter recht herzlich zur Last,
Die, weil sie im stillen ihn liebte,
Sein Wesen verdroß und betrübte.

»Fürwahr«, sprach sie einst, »ein vergebliches Spiel,
Mit leerem Geschwätz mich zu quälen,
Ihr werdet so, glaubt mir's, auf immer das Ziel,
Wonach euch gelüstet, verfehlen;
Bekräftiget redlich durch Trauring und Hand
Gefühle, die längst Euer Mund mir gestand!«
»Laß beides«, rief Ludwig, »als Zeichen
Der innigsten Liebe dir reichen.«

»Mit Gunsten, Herr Herzog, so weit sind wir nicht!«
Sprach lächelnd die Gräfin. »Laßt hören,
Beliebt es Euch morgen, den Treueid der Pflicht
Vor diesen drei Zeugen zu schwören?«
Sie sprach es und deutete links mit der Hand,
Dort wies sich als Zierde der gotischen Wand,
Geschmückt mit Wappen und Fahnen,
Ein Kleeblatt von tapferen Ahnen.

»Ho, ho!« rief der Herzog und lachte fast laut.
»Welch wunderliches Begehren!
Ihr scheint nur bei Laune, holdselige Braut,
Und unrecht wohl wär's, sie zu stören.
Drum füg' ich in seltsame Bitte mich gern
Und leiste vor diesen gewappneten Herrn
Euch morgen den Eidschwur der Treue,
Durch den ich mich ewig euch weihe!«

Drauf reicht er am Morgen Ludmilla die Hand
Und sagte: »Ihr Ritter, seid Zeugen!«
Da dünkt's ihm, als tönte dicht hinter der Wand
Ein hallendes Echo: »Wir zeugen!«
Sie rollte sich leicht wie ein Vorhang empor:
Es traten drei stattliche Ritter hervor
Und neigten mit ernster Gebärde
Sich vor dem Erstaunten zur Erde.

Der Herzog warf starr, mit geöffnetem Mund,
Den Blick auf die lebenden Büsten;
Es schien ihm, als hab' er wohl reichlichen Grund,
Sich über den Schwank zu entrüsten.
Doch hielt von Ludmilla ein zärtlicher Blick
Gewaltsam den Ausbruch des Unmuts zurück;
Auch schien's vor den peinlichen Zeugen
Gerat'ner, sein Leid zu verschweigen.

»Fürwahr«, rief er lächelnd, »der Einfall gereicht
Dem weiblichen Scharfsinn zum Lobe;
Doch glänzt er in anderer Hinsicht vielleicht
Nicht eben als rühmliche Probe!
Dem sei, wie ihm wolle! Hier reich' ich die Hand
Der Holden, die längst ich mein eigen genannt,
Und schmück' auf erhabenem Throne
Ihr Haupt mit der bayrischen Krone.«

 


 

 << Kapitel 100  Kapitel 102 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.