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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 1008
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Woher das Hundheimer Tor zu Röttingen seinen Namen bekommen hat

In Röttingen stand vorzeiten ein altes Schloß, das jetzige Rentamtsgebäude. In die Gartenmauer dieses Gebäudes sind zwei Steine eingemauert; auf dem einen ist ein kleiner, vorwärts gebeugter Hund ausgehauen, unter diesem auf dem anderen Stein eine halbe weibliche Figur mit der Grafenkrone auf dem Haupt und die Hände über den Kopf zusammenschlagend; nebenan steht unleserlich »Anno Dm. 1300«.

In besagtem Schloß lebte ein Graf mit seinem gegen die Armen hartherzigen Weib. Ihr Wunsch, Nachkommen zu haben, war bis jetzt noch nicht in Erfüllung gegangen. Eines Tages, als der Graf wie gewöhnlich zur Jagd geritten war, kam eine Bettlerin und flehte um eine Gabe, die ihr unter harten Worten von der Burgfrau verweigert wurde, während im Hof sieben Hunde reichlich aus ihren Schüsseln fraßen. Ergrimmt über solche Hartherzigkeit fluchte das Bettelweib der Gräfin und wünschte ihr, wie sie da sieben Hunde habe, daß sie sieben Knaben auf einmal zur Welt bringen sollte.

Dieser Fluch ging nur zu bald in Erfüllung. Bevor ein Jahr verflossen war, kam die Gräfin mit sieben Knäblein nieder. Darüber erschrak sie höchlich und ließ sogleich eine alte Frau zu sich rufen, die sollte sechs von den Knaben in der Tauber ersäufen. Wenn sie aber unterwegs gefragt würde, was sie im Korb trüge, sollte sie nur sagen, sie trüge junge Hunde ins Wasser.

Die Alte hatte indessen selbst Mitleid mit den unschuldigen Kindern, und als sie nun mit dem Korb der Tauber zuging, traf es sich, daß ihr gerade der Graf begegnete. Auf seine Frage nach dem Inhalt des Korbes, antwortete sie zwar nach Befehl, sie trüge junge Hunde ins Wasser, sie öffnete dagegen sogleich bereitwillig den Korb, dem Grafen die armen Geschöpfe zu zeigen. Da gebot ihr der Graf, die sechs Knaben mit nach Hause zu nehmen und im stillen zu erziehen; er wollte schon für alles Sorge tragen, nur müßte sie schweigen, wofür er sie reichlich belohnen werde. Gegen sein Weib ließ er sich gar nichts anmerken.

Als nun sein einziges, zurückbehaltenes Söhnlein groß geworden war und das heilige Abendmahl empfangen sollte, wünschte der Graf, daß alle Knaben seines Alters dieselbe Feier mitbegehen sollten, und so kamen denn auch jene sechs Knaben in die Burg, und noch dazu alle sechs so gekleidet wie der Sohn des Grafen. Auch waren viele Bekannte und Freunde zum Fest geladen.

Als nun alles in großer Fröhlichkeit bei Tisch versammelt war, fragte der Graf sein Weib, welche Strafe einer Mutter gebühre, die sechs Kinder habe umbringen lassen. Die Gräfin erwiderte, sie verdiente lebendig eingemauert zu werden. »Und so soll dir geschehen«, versetzte der Graf, indem er ihr nun die sechs Knaben der Reihe nach vorstellte.

Dieses Urteil ist auch wirklich vollzogen worden; jenes Tor aber, das gen Tauberrettersheim führt, soll von dem Hinaustragen der vermeintlichen Hunde den Namen Hundheimer Tor erhalten haben.

 


 

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