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Bauernadel

Hermann Eris Busse: Bauernadel - Kapitel 35
Quellenangabe
typefiction
booktitleBauernadel
authorHermann Eris Busse
year1930
firstpub1930
publisherDeutsche Buch-Gemeinschaft
addressBerlin
titleBauernadel
pages579
created20180531
sendergerd.bouillon@t-online.de
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22
In der Ehrenstube

Nach diesem Schmaus zogen sich die Bauersleute samt ihrem Gast in die vornehme Kammer zurück, die über der Wohnstube lag, klein, aber behaglich, ganz aus Zirbelkiefer getäfelt, eine auf dem Wald seltene Art, das Astholz zu verwenden. Einer von den Vorfahren, den weitgereisten und sonderlich veranlagten Männern, hatte das Zimmer so eingerichtet, und vom Alter und dem beizenden Rauch der Tabakspfeifen hatte das ursprünglich schimmernd weiße Holz einen tiefen, honiggelben Glanz bekommen. Auch der Eckschrein und die Sitzbank sahen so aus. Ein paar Daguerreotypien, die den Vorbesitzer Salomon Kuß mit Weib und Kind zeigten, hingen 159 in schwarzen, goldgerieften Rähmchen an den Pfeilern zwischen den Fenstern. Auch ein paar Hinterglasbilder, das Jesuskind, Napoleon und einen bunten Blumenkranz darstellend, schmückten mit ihren kindlich reinen Farben Blau, Rot, Gelb das Gemach. Im Fußboden war ein Schiebfenster eingelassen, durch das man in die große Stube hinabspähen, auch in einem Körbchen Speisen heraufziehen konnte. In Wirklichkeit diente es aber dazu, winters die Wärme heraufzulassen, die der große Kachelofen gerade untendran ausströmte; denn wenn gruseliges Wetter draußen war, hockte das Gesinde in der Stube, und die Bauersleute zogen sich, wenn sie allein sein wollten, in dieses Gelaß zurück. Auch Besuch, der zu ehren war, wurde hier bewirtet.

Sie saßen den ganzen Mittag beisammen, in freundliche Gespräche und auch behagliche Stille versunken. Marie stickte an einem Handtuch die roten Anfangsbuchstaben M G und A H, die sie vorher geschickt aufgezeichnet hatte, und über jeden Teil ein Herz, zart und mollig-rund geformt wie ein Lindenblatt. Die Buchstaben in Kreuzstichen, die Herzen in Stielstichen. Man hängte solche Handtücher mit zwei Schlaufen ausgebreitet an der Stubentür auf, nicht zum Handabwischen, sondern zur Zierde. Jedes Mädchen, das bestimmte Aussicht auf Heirat hatte, stickte sich so zwei oder drei in die Aussteuer. Sie häkelten auch zuweilen eine Spitze aus grobem Garn daran mit Stäbchenmuster, auch Buchstaben, die etwa »Grüß Gott« oder »Gottes Segen« oder »Willkomm« ergaben. Sie traumelte dabei vor sich hin, eingewiegt von den murmelnden Stimmen in der Stube. Hin und wieder nippte sie am Heidelbeerwein und biß einen Mund voll Speckkuchen von ihrem Stück ab.

Vor den Fenstern stand schließlich der Abend. Sie hatten ihn alle hereinfallen sehen, waren aber nun doch überrascht, als eines sagte: »Wie schnell ist so ein Mittag herum.« Niemand gab eine Antwort darauf, sie lächelten alle und schauten versonnen in die gelbliche Röte, die am Himmelsrand flammte und über ein zärtliches Blaßgelb hinüber ins Bläulichveilchenfarbige spielte, seltsame Farbenleiter eines Lichterspiels, das durch feuchte Luft rann; denn allem Anschein nach konnte es bald regnen. Die Wälder standen mit scharf gerissenen Rändern gegen die Helle, und man hörte auch die Buchenbronner Glocke 160 läuten. Es lag die ruhige, verklärte Bewegung vollkommenen Abendwerdens über der Landschaft, in dessen stille Gebärde die Personen in dem Stübchen mit ihren eigenen Träumen jedes für sich hineinwandelten.

Markus saß im Herrgottswinkel, nach seiner Gewohnheit die Arme wie zwei Hölzer auf die Tischplatte gelegt, in genauem Abstand voneinander, den Kopf leicht in den Nacken gerückt, die Lider halb geschlossen. So schaute er in das Abendwerden.

Albin, auf geräumigem Lehnstuhl, saß frei in der Stube, hatte die Hände lässig zwischen den Knien hangen und die Stirn tief gesenkt, nur hin und wieder hob er sie, sich mit großem Blick an der starken Helle der Ferne festsaugend, wie auf Vorrat schauend, um nach geraumer Weile wieder niederwärts zu sinnen.

Die Mutter indes sah offen und scheinbar unbewegt hinaus, ihr Blick umfaßte keine Weite, vielleicht hing er sogar viel bewußter an dem Birkenschaft vor den Stubenfenstern, dessen weiße Rindenflecke immer schimmernder wurden, je lautloser die dunklen Flöre aus den Winkeln wehten. Die Helle am Himmelsrande schmolz zu einem schmalen Spalt zusammen, das blinzelnde müde Lichtauge des Tages zögerte noch, sich zu schließen.

Marie glitt ihre Handarbeit vom Schoße, sie lachte leise in das Schweigen, brach es keck und sagte: »Wie in der Kirche ist's hier oder wie im Grabe, ich will gehen, Licht zu machen.«

Sie kam mit einem brennenden Kienspan aus der Küche zurück, zündete die kleine Hängelampe an, und rotes Erdöllicht erhellte den Raum.

Markus stand auf, ächzte verlegen: »Ha, steif wird man, wenn man nicht geschafft hat, genau so, als wenn man den ganzen Tag am schweren Acker sich geschunden hat. Überhaupt, Schindluder mit seinem Leben treiben, das heißt Waldbauer sein. Das Rackern an gächen Bergäckern ist kein Spautz.«

Er wurde während des Redens ungattig, als überbrause ihn eine Welle aufgewiegelten Blutes, als habe er die ganze Zeit unzufriedenen Gedanken gefrönt, irgendeine böse Summe gezogen.

»Morgen kommen die Herren der fürstlichen Jagdgesellschaft 161 und besichtigen die Wälder. Hegen will der Fürst, das Wild nimmt ab. Wild hegen und den Wald forstamtlich pflegen, das beißt einander. In den fadengeraden Forlenwäldern schröckt kein Bock und kümmert nicht mal ein Reh. Aussterben tut das Wild und auswandern.«

Markus führte einen Faustschlag gegen eine Stuhllehne. Sixta beobachtete ihn mit verblaßtem, zuckendem Gesicht. Der Bauer hatte nun zuviel vom starken Beerenwein getrunken. Seine Stimme klang scharf und leidenschaftlich, trotzdem er leise sprach: »Man stirbt aus, man stirbt ab, was befällt so ein Stück Wild für Angst in unserm leeren Wald, wo auf einmal keine Schlupfe mehr sind, nur noch Leere zwischen den nackigen Stämmen voller Wunden. Das Leben im Wald hat nichts Geheimes mehr. Er ist wie ein Mensch, dem man die Seele aus dem Leib geräumt hat und der noch da ist, soviel man ihn sehen kann, aber dennoch gestorben. Er muß dann vielleicht über die Äcker raiteln mit dem karstigen Ackerzeugs, er tut's, weil er einmal muß! Aber fern irrt etwas herum, zwischen den Bäumen, jämmerlich, hingeschunden wie ein gehetzter Wolf mit glühenden Augen und einem Wesen voller Gier. Das schleicht am Tag und braust in der Nacht. Das saust ums Haus, daß man nicht schlafen kann. Der Werwolf. Ein Tier mit einer Menschenseele, ein grausig schönes Tier. Am Morgen ist irgendwo Blut, Herzblut vergossen, der Waldboden damit gedüngt. Aus – fertig!«

Sixta und Marie schrien auf. Albin blieb ruhig in seiner versunkenen Haltung, nur winkte er den Frauen kurz ab. Markus sah starr vor sich nieder, hieb noch zwei-, dreimal die Fäuste gegen die Stuhllehne.

Plötzlich, kurz nach dem Schrei, den er nicht gehört zu haben schien, brach er ab, schüttelte sich, schaute die andern der Reihe nach an und fragte endlich klar und trocken: »War die Lampe eben aus, oder hab' ich geschlafen, es war doch stockdunkel?«

»Ja, Ihr habt wohl geschlafen, Vater«, beschwichtigte Albin. Sixta ging mit schlaffen Gliedern aus der Tür. Marie schlüpfte hinterdrein, sie sagte, sie müsse der Mutter im Stalle helfen.

Markus und Albin blieben allein.

Ein Fuhrwerk hielt vor dem Hause, der Hund bellte hellauf, 162 aber es klang nicht wütend. Die Erlenmooser kehrten heim vom Patenbesuch. Sie hatten ein Kind in Bälde zu erwarten und hielten auf dem Hermesbauernhof nahe bei Buchenbronn, dessen junge Leute zur Erlenmoosersippe gehörten, um die Ehre des Gottestehens an. Sie konnten nicht gut am Michelshof vorbeifahren, so spät es schon war und so arg der Altbauer daheim kniffeln würde, wenn nicht rechtzeitig der Riegel an die Haustür kam. Nun klang Magdalens Lachen schon im Flur und des Jungbauern fröhliche Stimme daneben. Wie die beiden Glücklichen in die Stube traten, Magdalen in üppiger Mutterfülle, daneben Sebald schmal aussah, so stramm er sonst als Bursch sich hielt, wie die beiden noch im Glanz des geschiedenen Tages in die von Schwermut erfüllte Stube traten, war alles verändert. Laut und gesprächig ging es zu, Magdalens wohllautendes Sprechen stimmte hell, vor ihren strahlenden Augen schämte sich das Dunkle. Sixta, mit ihnen wieder hereingekommen, nötigte zum Sitzen. Marie stellte neue Gläser hin. Albin und Sebald fanden ein frisch aus rascher Männerzuneigung gestürmtes Gespräch. Nur der Bauer, der wieder im Herrgottswinkel saß, war wortlos ruhig, verbohrt in sein jähes Wesen, das ihn vorhin angesprungen.

Sixta bewunderte ihre so glückhaft verheiratete Tochter. Sie freute sich am sprühenden, vom Weine drollig angeheiterten Tochtermann, der ein schöner Kerl war in seinem kurzen blauen Spenzer und dem runden Seidenhut. Er erzählte dem Hebenstreit handfeste Bauernwitze und schlug sich klatschend auf die Schenkel, wenn der Treffer saß.

Da der Hebenstreit auch herzlich mitlachte und Marie neben ihm stand, die Hand auf seiner Achsel, mußte Mutter Sixta entdecken, wie herrlich auch dieses Paar zueinander paßte, die feingestaltige, dunkle Marie zu dem vornehmen Albin Hebenstreit.

Jetzt kamen auch Sälme und Genoveva wieder herein mit den Buben, und die ganze Familie füllte schier zum Platzen die kleine Ehrenstube. Die Töchter sagten, drunten stehe das Abendbrot gerichtet, die Völker hätten schon eingenommen. Also setzte man sich dort ohne viel Federlesens an den Tisch, aß Kartoffelrösti zu Kaffee. Markus, merkwürdig aufgeregt und wach, beobachtete alle. Vorhin hatte er im tiefsten Sinn erschreckt 163 erfahren, wie wenig sein Wesen mit den anderen verbunden war, wie störrisch es hufte. Das war nun seine große Familie: gesunde Frauen und Mädchen, kräftige Burschen, und alle einander zugetan in Wort und Blick. Wenn sie lachten, war es ein Chor wie Freudenorgelwerk. Daran nahm er nicht teil, konnte nicht, wollte nicht. Er hatte Angst davor, aller Augen auf sich gerichtet zu sehen beim ersten Wort, das er in die Unterhaltung warf. Sie hätten ihn gedemütigt. Er fand den Weg nicht aus seiner spröden Einsamkeit in die Kurzweil dieser lärmenden Familie. Seine Worte waren immer zu schwer und zu voll, darauf die anderen entweder schweigen oder schreien mußten vor Groll und Furcht. War's nicht vorhin so? War's nicht immer so? Ausgestoßen aus dem warmen Kreise, mußte er für sich selber sein. Warum denn das – warum so?

Marie schaute ihn an, fesselte seinen Blick, er sank in die weiche Dunkelheit ihrer Augen wie gerettet, atmete auf, lächelte ihr zu. Sein Wesen schwang sich ein wenig aus dem trüben Grund. Dieses Kind ahnte seine Not, diese Marie hatte selber schon gelitten. Wie sie glühte und wie sie gespannt war im Liebeshochmut ihrer dunklen Schönheit. »Albin Hebenstreit, ich wünsch dir Glück«, kam es ihm in den Kopf.

Der Bauer schaute jenen groß an, ihm entging kein Zug des schmalen, aufgeregten Gesichtes, das leicht gerötet war und fiebrig aufgeputscht im Gebärdenspiel. Albin unterhielt sich fröhlich, aber der hellsichtige Bauer spürte, daß der zukünftige Tochtermann so tat, und doch mit allen Sinnen und Gedanken nur die Geliebte umfing, die mit der Hand auf seiner Achsel hinter ihm in atemheißer Nähe stand.

Das hatte er auch erlebt vor langer Zeit mit Sixta. Seine Augen wanderten auf seine Bäuerin. Das war damals ein warmblütiger Schatz gewesen und dennoch eine kühle, junge Frau mit starkem Willen und klugem Lenken. Ach, er dankte ihr viel, aber sie entglitt ihm unaufhaltsam, sie verstand nicht zu glühen, verstand nicht zu bannen, verstand nicht zu träumen. Sie verstand den Wald nicht. Sie konnte nichts dafür, sie war eine vorbildlich gute Mutter und Bäuerin, was wollte er denn mehr? Sie hatte recht, die Frau eines Bauern sein zu wollen und keine eines Waldläufers, von dem man nie wußte, was für einem Unhold er vor den Schuß kam. Daß die Welt farbig 164 hinterm Wald lag, bunt in der Ferne, endlos bewegt und reich an Bildern, begriff sie nicht. Das Grün der Matten, das Gelb und Blau und Weiß der Blüten langte ihr, das Rot der Äpfel und Gold der Ähren. Was denn sonst noch? So weit das Auge reichte, Segen der Felder, Saat und Ernte, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Was denn sonst noch, was denn mehr? Da waren die Kinder und das Vieh, das Geflügel, Stuben, Stall und Brunnen, Bibel und Spinnrad, da war Kirchgang und Feierabend, Gebet und Arbeit, was wollte man mehr? An nichts mangelte es, hoch, stolz, gesund ging man durch das Leben, und auf den Wegen ruhte der Segen Gottes. Ein solcher Mann, wie Markus Götz, verdiente das nicht. Nie geht in seinem Antlitz die Sonne auf, und wenn die Frau lachte, knirschte er mit den Zähnen.

O du Unheil des dunklen, schweren Blutes, der ziehenden rastlosen Sehnsucht!

Die Augen des Bauern glitten weiter. Er suchte und bohrte in seinem Geschick. Da sah er Sälmes Gesicht in Trunkenheit leuchten, blaß und gespannt. Er sah sonder Mühe, daß das Albin Hebenstreit galt, der eben eine Sage vom Muhrsee erzählte, die dem jungen Erlenmooser unbekannt war. Markus erschrak. Trug dieses Kind schon schwer an einer Liebe, die ihr nicht zustehen durfte? Wie entrückt sie Hebenstreit auf die Lippen starrte! Marie hätte nur den Blick zu heben brauchen, um das zu sehen. Dann gnad Gott dir Sälme, armes Kind.

Markus stand rack auf und sagte rauh: »Ja, es sollt mir schnell eins helfen Heu herabwerfen, ich will anfangen füttern. Sälme, komm du! Ihr werdet fast gemolken haben, Frau?«

Er fesselte so Sälmes Blick, daß sie nicht anders konnte als folgen, erstaunt und verlegen. Stumm schafften sie ihre Sache im Stall und auf der Heubühne. Zwei Mägde molken fertig. Sixta kam dazu, als sie die Gelten ins Milchhaus trugen.

»Bleib bei den Gästen, Mutter«, hatte ihr Markus zugerufen, und sie war gern wieder in die Stube zurückgekehrt, hungrig schier auf den Anblick der gesegneten Tochter Magdalen.

Da Marie den Hebenstreit bekam und der Verspruch im reinen war, ließen sich die Erlenmoosers verleiten, noch geraume Zeit zu bleiben. Niemand wollte ins Bett. Markus und 165 Sälme gesellten sich bald wieder zu den anderen. Die Familie wechselte aus der lauten Wiedersehensfreude in die ruhevolle Gelassenheit der Nestgemeinschaft hinüber. Das Festliche wurde schlicht feierlich. Sie sahen einander an in natürlicher Neugier, ruhten aneinander aus in wissendem Glück. Markus rauchte und saß in Wolken. Er ließ sich selten hören. Sixta sagte hin und wieder: »Gelt, Vater?« oder »Ja, der Bauer meint das wohl auch« oder »Was sinnst du, Vater?« Seine Antwort lag schon sicher in ihrer Frage beschlossen. Sie war eine sehr kluge Frau. Der Hebenstreit ging ihr ein wenig und nicht ungeschickt um den Bart.

»Recht so«, dachte der schlitzöhrige Erlenmooser und drängelte die Hand verliebt zwischen Arm und Brust seines Weibes, das neben ihm auf der Ofenbank saß in üppiger Breite, »recht so, wer die Tochter will, muß der Mutter zuerst den Hof machen.«

Sie sangen ein paar Lieder, der Heidelbeerwein, der fleißig eingeschenkt wurde, löste die Zungen.

Da wurde es Markus wieder eng über der Brust. Er konnte seine Stimme nicht zu den anderen gesellen. Er mußte wieder das Gegenteil tun von allen. Er zwang sich, aber die Stimme war gesperrig wie ein ungeöltes Wagenrad. Sie lief nicht an, hätte blödsinnig und grell gekrächzt. Er erhob sich unerwartet wie vorhin und ging zur Tür. Während er die Falle niederdrückte, wandte er sich in die Stube zurück und sagte in das jäh entstandene Schweigen hinein: »Lasset euch nicht stören.« Es klang so hart, daß alle sich betreten ansahen und weiterschwiegen, als Markus schon längst aus der Stube war. Man hörte ihn vom Hof gehen und die Straße gegen Buchenbronn einschlagen.

Sixta seufzte endlich tief auf: »Wenn er nur nicht so sonderlich wäre, grad wie von einem schlimmen Geist besessen.«

Und sie sprachen fortan von nichts anderem als von dem merkwürdigen Wesen des Bauern und erzählten sich wieder einmal, was sie aus der Familiengeschichte der Sippe wußten, heimlich am Rätsel des Lebens rüttelnd. Die Sterne standen zum Abstieg gewendet, als es im Götzenhof still wurde und alle mit einer leisen Traurigkeit, wie Reif in Blüten gestreut, sich trennten. Der Bauer war noch nicht heimgekehrt. 166

In der »Krone« blinkte Licht durch den Herzausschnitt der Fensterläden. Hebenstreit, der vorüberschritt, wußte, daß da drinnen Markus Götz saß, über Würfeln oder Karten. Aber er ging nicht hinein. Liebende sind ichsüchtig, was sollte er sich nun mit dem zerrütteten Alten herumquälen, da er von dieser jungen, heißen und scheuen Marie erfüllt war. Er würde sie bald aus dem Hause nehmen, in dem Gespenster umgingen. Er würde sich wegmelden von Buchenbronn. Albin Hebenstreit dachte klug und nüchtern, trotz seiner starken Liebeserregung, er wußte, man würde die Bauernmarie im Städtchen über die Achsel anschauen, das wollte er nicht, drum fort und dahin, wo niemand ihre Kreise störte und man nur sah, wie herrlich diese junge, dunkle Frau war mit den feinen Gliedern und dem stolzen Gesicht.

 

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