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Conrad von Bolanden: Bankrott - Kapitel 9
Quellenangabe
authorConrad von Bolanden
titleBankrott
publisherA. & B. Schuler
year1908
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20161019
projectid0ef4338b
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Irrungen.

Von den körperlichen Vorzügen des Gastes war Gräfin Isabella noch fester überzeugt als ihr Bruder Henry. Auch Benehmen und Haltung dünkten ihr ganz ungewöhnlich. Jenes geckenhafte Wesen modischer Stutzer, das ihr so unmännlich und widerwärtig erschien, entstellte ihn nicht. Ihm gegenüber hielt sie die Schranke strengster Förmlichkeit und eisiger Kälte für überflüssig. Zum ersten Male machte sie von ihrer Verkehrsweise mit anbetungssüchtigen Kavalieren eine Ausnahme, indem sie Valfort besonderer Aufmerksamkeit würdigte. Dessenungeachtet entschlüpfte ihm kein Wort der Schmeichelei, nicht einmal der Huldigung, – zum größten Erstaunen der Gräfin. Längst daran gewöhnt, alle männlichen Herzen mit dem Flammenblick ihrer Augen tödlich zu verwunden, und durch die Macht ihrer Schönheit die stolzesten Kavaliere an den Triumphwagen ihrer Siege zu spannen, überraschte sie nicht wenig das Verhalten eines jungen Mannes, der keinen Augenblick gemessenen Ernst und bescheidene Zurückhaltung vergaß. Diese Ruhe und Sicherheit ihrer anerkannten, allzeit siegreichen Großmacht gegenüber, schien um so merkwürdiger, als die Gräfin, im Laufe der Unterhaltung, Valfort's lebhaftes Empfinden und dessen Sinn für schöne Formen wahrnahm. Er war ihr ein Rätsel, dessen Lösung sie eifrig anstrebte.

Ungestört ihren Betrachtungen folgen zu können, hatte sie den Lieblingssitz auf dem Balkon mit einem versteckten Gartenhäuschen vertauscht. Dort stand in einer Wandnische Gott Pan in Lebensgröße und blies auf seiner Rohrpfeife. Ihm zur Seite brüsteten sich zwei Figuren, aus derselben Götterzunft, mit ihrer Nacktheit. Die Ziersträucher vor dem Gartenhaus, die emporrankenden Schlingpflanzen an den Fenstern verbreiteten in dem Raum einen starken Dämmer. Die Türe, deren obere Hälfte aus Spiegelglas bestand, war geschlossen. Isabella saß der Türe gegenüber, zu Füßen des blasenden Pan. Ein weißes Tuch, in malerischem Faltenschlag um ihren Leib gelegt, verhüllte die Gestalt. Bei dem herrschenden Düster mochte die unbeweglich Sitzende und Sinnende leicht für eine vollendete Marmorstatue gelten, in deren lilienweißes Antlitz lebensfrische Lippen und glänzende Augen gemalt worden.

Allein die Einsamkeit des Ortes schützte die Gräfin keineswegs gegen Störung. Bald sollten ihre Betrachtungen durch einen komischen Vorgang unterbrochen werden.

Pierre, ein treuherziger Sohn der Vendee, hatte nach der Heimkehr vom frühen Morgenritt die Pferde eingestellt, für deren Bedürfnisse gesorgt, die seinigen flüchtig berücksichtigt, und dann in die Gartenanlagen einen Ausflug unternommen. Was er da sah, war ihm alles sehr merkwürdig. Schloß Valfort besaß zwar auch einen Garten, in dem Gemüse und Weinreben wuchsen, nebenbei auch Rosen und allerlei Blumen; aber mit diesem Garten hatte er doch keine Ähnlichkeit. Gemüse gab es hier gar nicht, auch keine Blumen von Pierre's Bekanntschaft. Was hier wuchs, war ihm fremd. Selbst das Gras der zierlich geschnittenen Matten, war nicht das Gras der Vendee. Blumen von südlich funkelnden Farben und blühende Ziersträucher gossen einen Strom von Wohlgerüchen aus. Die seltsam verschlungenen Pfade schienen ihm nur angelegt, die Leute irre zu führen. Ganz besonders erregten die Statuen der Götter und Halbgötter seine Verwunderung. Hörner und Pferdefuß des Teufels kannte er zwar längst, – aber von Menschen mit Bocksfüßen, von Mädchen mit Fischschwänzen und gar von einem schrecklichen Kerl, mit menschlichem Leibe und Stierkopf, hatte er bislang keine Ahnung. Als züchtiges Kind einer sittenstrengen Heimat, stieß er sich nicht wenig an der Nacktheit von Männlein und Fräulein, und wiederholt drängte es ihn, mit seinem Kittel die Schamlosigkeit lachender Faune zu bedecken.

So kam Pierre, in steigender Verwunderung, zu Isabella's Versteck. Sie hatte den langsam Vorrückenden beobachtet, das Staunen seiner Züge, die ausdrucksvollen Bewegungen des Kopfes und der Arme bemerkt und sofort die geistige Fassung des Burschen erkannt. Als er jetzt die Treppe des Gartenhauses emporstieg, blieb sie regungslos sitzen.

Pierre stand vor der Türe und schaute neugierig durch das Glas in das Innere. Der Dämmer machte die Ergebnisse des Spähens schwierig. Anfänglich sah er nur Umrisse von Gestalten. Kaum aber begann das Auge den Dämmer zu beherrschen, als sein Blick an Isabella's weißer Gestalt festwurzelte.

»Herrgott, – das ist aber doch einmal wirklich schön!« murmelte er. »Man meint gerad', es lebe. Was für ein wunderhübsches Gesicht, – so fein und weiß, als wär's von Schlehdornblüte. Wie glänzend die Augen gemacht sind, – das müssen wohl schwarze Perlen sein. Und der Mund, – wie lieblich, – die prächtigsten Rotkirschen sind nichts dagegen. – – Was mag dies vorstellen? Nun, das klugt mein Kopf ebensowenig aus, wie die anderen Vorstellungen, – für mich lauter spanische Dörfer. – – Gescheit war's aber doch, dieses wunderhübsche Bild unter Dach und Fach zu bringen, dieweilen Wind und Regen und Staub solch ein Meisterstück nicht besudeln dürfen. – – Und was ist das über ihr?« fuhr er fort, Gott Pan betrachtend. »Ah, – wieder so ein nackter, unverschämter Kerl, mit Bocksbeinen und einer Teufelsfratze! Der Wicht paßt dorthin ganz und gar nicht; – er beschimpft durch seine häßliche Gegenwart das Wunderbild.«

Er stand und schaute und immer mächtiger wirkte auf ihn die Anziehungskraft der weißen Gestalt. Unwillkürlich drückte er auf die Klinke, ganz in der Nähe das Wunderwerk zu beaugenscheinigen. Allein die Türe war verschlossen.

»Schade!« brummte er. »Man kann sich daran nicht satt sehen. Davon soll mein gnädiger Herr hören, – er muß es auch beschauen.«

Noch ein Blick der Bewunderung und Pierre stieg herab, seine Wanderung fortzusetzen. Sogleich stieß er auf eine neue Merkwürdigkeit.

In soldatischer Haltung kam des Weges Graf Emil von Rovere, der neunjährige Oberst. Er trug die goldgestickte Uniform, an der Seite den Degen und wartete seines täglichen Ritterdienstes, Isabella den Morgengruß zu bringen, die er im Schlosse nicht gefunden. Jetzt durchstreifte er nach ihr den Garten.

Pierre machte Halt und betrachtete wohlgefällig den hübschen, soldatisch herausgeputzten Knaben. In der Meinung, die Uniform sei nur militärisches Spielwerk, und weit weg von der Ahnung, einen wirklichen Regimentsinhaber vor sich zu sehen, pflanzte er seine gedrungene Gestalt mitten in den Pfad und lächelte den Knaben gutmütig an.

Emil war stehen geblieben, legte die Hand an den Degengriff und forderte mit gestrenger Miene freien Paß. Pierre lächelte noch treuherziger und hatte seine Freude an einem Kinde, das so vortrefflich die Kunst des Soldatenspielens begriff. Selbst der stolze, verächtlich funkelnde Blick des beleidigten Obersten und die Zornesglut auf den runden Wangen gehörten, nach Pierre's Meinung, zur Offiziersrolle des Kleinen.

»Du machst Deine Sache ganz gut, mein Junge!« rühmte er. »Kleider hast Du, wie ein General. Hui, – gar Sporen an den Füßen und einen Degen an der Seite! Hat Dir das Christkindchen die hübschen Sachen beschert?«

»Sie sind ein tölpelhafter Mensch!« erwiderte zornig der Knabe.

»Auch das machst Du gut, Kleiner, – ganz die Offizierssprache!« lobte Pierre. »Kannst Du schon exerzieren?«

»Eine dumme Frage! Obristen kommandieren, – exerzieren aber nicht.«

»Aha, – Du bist ein Oberst?«

»Jawohl, – Graf Emil von Rovere, Oberst des zwölften Regimentes!« antwortete er und schritt selbstbewußt an dem verblüfft zur Seite weichenden Pierre vorbei.

Da stand der unwissende Sohn der Vendee, kraute in den Haaren und sah dem Uniformierten nach, wie ein Mensch, der zweifelt, ob die Erscheinung Spiel oder Ernst sei.

»Hm, – zweierlei gelernt!« sagte er vor sich hin. »Erstens, daß ich ein tölpelhafter Mensch bin, – was ich noch nicht gewußt habe. Zweitens, daß hierzulande die Kücklein als Obristen aus den Eiern schlüpfen. Ein Wunderland! Männer mit Stierköpfen, – Weiber mit Fischschwänzen, – Kerle mit Bocksbeinen, – in dem Häuschen ein Wunderbild, – ein Knäblein Obrist, – und ich ein Tölpel! Wer das nicht gesehen und gehört hat, der glaubt's nimmer.«

Während dieses Selbstgespräches gelangte er zu einem freien Rasenplatz, welchen Baron Valfort eben von der anderen Seite betrat. Auch er widmete den Schaustücken des Gartens einige Aufmerksamkeit, namentlich seltenen Blumen und Topfgewächsen. Er trug einen grauen Tuchrock, dessen Schnitt der Mode nur dürftig huldigte, aber hübsch saß und den schlanken Wuchs des Kavaliers trefflich hervorhob. Taschen und Brustteile waren mit Silberstickereien garniert. Die grauen Beinkleider hatten blaue, mit silbernen Schnüren gefaßte Streifen. Auf dem Kopfe saß nicht der modische Dreispitz, sondern ein runder Filzhut mit breiter Krämpe.

Eiligen Schrittes nahte Pierre seinem Gebieter.

»Aber, gnädiger Herr, da gibt's Nüsse zu knacken! Eine gute Weile gehe ich schon da herum, – stoße überall die Nase an, – falle jeden Augenblick vom Himmel, – und erfahre schließlich, daß ich ein tölpelhafter Mensch bin.«

»Deine Unkenntnis in Luxusartikeln macht Dich noch lange nicht zu einem tölpelhaften Menschen, guter Pierre!« versetzte lächelnd der Baron. »Du siehst da wunderliche Bildhauerarbeiten; – Dein praktischer Kopf sucht nützliche Zweckmäßigkeit in den Gebilden und ahnt nicht die Spielerei einer törichten Mode.«

»Da haben Eure Gnaden Recht! Ich sehe und sehe, – und sehe am Ende gar nichts, was mein Vendeer Kopf verstehen könnte. Was haben denn eigentlich diese abscheulichen Bestien zu bedeuten? Wo gibt's denn solche häßliche Geschöpfe?«

»In der Götterlehre des Heidentums,« antwortete Paul von Valfort, und begann, dem lauschenden Pierre die Sache flüchtig zu erklären.

»Das ist aber doch ein dummer Geschmack!« behauptete Pierre. »Hätte man unsere lieben Heiligen in Marmor gemeißelt und darauf gestellt, so könnte dabei jedermann seine frommen Gedanken machen. Wäre ich zum Beispiel meinem Heiligen Patron St. Pierre begegnet, mit den Himmelsschlüsseln in der Hand, so hätte ich einen alten Bekannten gefunden und mir gesagt: »Pierre, bleibe rechtschaffen und ehrlich, damit die Schlüssel Deines Patrons dereinst die Himmelspforte Dir auftun können.« – Was soll ich aber denken, wenn ich da vor einem jungen Weibsbild stehe, das so unverschämt ist, nicht einmal einen Unterrock am Leibe zu haben? Nein, – das Zeug ist gar nicht christlich, – pfui Teufel!«

»Wahr, mein Freund! Auch hier gelten die Wahngebilde und Vorbilder des Heidentums mehr, als die lieben Heiligen der christlichen Vendee.«

»Der Garten ist häßlich, Eure Gnaden! Die Heidengötter riechen übel, ihr Äußeres verrät eine schlechte Lebensart. Betrachten Sie nur, was hier wieder für eine Mißgeburt lungert!« und er deutete auf eine kunstvoll gemeißelte Sphinx. »Was hinten liegt, ist Löwe, – vorn ist's Kopf, Hals und Brust eines Weibes. – Aber, da fällt mir ein, Gnaden,« unterbrach er sich lebhaft, »was Sie absolut sehen müssen! Mir hat's ausgezeichnet gefallen, – Ihnen wird's auch gefallen.«

»Dies wäre?« frug Paul gleichgültig.

»Das einzig Schöne im ganzen Garten,« erklärte Pierre eifrig. »Es stellt ein Mädchen vor, – wahrscheinlich die höchste Göttin der Heiden, und diese hat wenigstens Lebensart; denn sie trägt Kleider. Alles an ihr ist weiß, schneeweiß, – das Gesicht noch weißer als Schnee. Und Augen hat sie, so glänzend, wie schwarzes Sonnenfeuer, dazu einen gar hübschen Mund mit vollen, roten Lippen. Auf dem Kopf hat sie einen weißen Schleier, unter dem Kinn zusammengebunden, so daß ihr wunderhübsches Gesicht daraus hervorguckt, wie, – wie, – nun, wie denn gleich?«

»Wie ein strahlender Edelstein aus silberner Einfassung,« half der lächelnde Baron nach.

»So ungefähr, Gnaden, aber noch hübscher! Sie müssen es sehen, – ich kann es gar nicht beschreiben.«

»Wo befindet sich dieses Meerwunder?«

»Gleich da hinten in einem netten Häuslein. Man kann zwar nicht hinein, weil die Türe verschlossen ist, aber man sieht's durch's Fenster. Gehen wir dahin, – Sie sollen sich wundern.«

»Gut, – sei mein Führer nach der Merkwürdigkeit!« sagte Paul, dem Diener folgend.

»Denken Sie, Gnaden, was mir da vorhin begegnete: – ein Kind, angezogen wie ein General, – ein Knabe, der sagte, ich sei ein »tölpelhafter Mensch« und er sei Oberst des »zwölften Regiments«. Ist das nicht auch ein Wunderding?«

»Eine Wahrheit, guter Pierre! Des Grafen jüngster Sohn, der neunjährige Emil, ist wirklicher Oberst.«

»Ja, – Herr, wie ist denn so etwas möglich? Wie kann's ein Knabe zum Obersten bringen?«

»Durch seine Geburt. Er wird in der Uniform geboren, bezieht den Gehalt und läßt einen anderen an seiner Stelle das Regiment kommandieren. So gibt es in Frankreich geborene Generäle, geborene Marschälle, geborene Prälaten, Äbte und viele andere Geburtsämter.«

»Dies halte ich für eine verkehrte Einrichtung, sintemal nicht alle Menschen fromm oder gescheit geboren werden.«

»Ganz Deiner Ansicht, Pierre!«

»Herrgott, – da bin ich wirklich ein Tölpel gewesen!« rief Pierre, sich vor die Stirne schlagend. »Hab' mich verfehlt gegen den Respekt, – hab' mit dem Oberst geredet wie mit einem Kinde. Das muß ich wieder gut machen, – muß den Herrn Knaben um Verzeihung bitten.«

»So etwas kann Dir allerdings nicht erlassen werden. Beleidigung erheischt Abbitte.«

»Dort ist das Gartenhaus, Eure Gnaden! Ah, – sehen Sie, die Türe steht offen, wir können hineingehen und ganz in der Nähe das Wunderbild betrachten.«

Graf Emil hatte die Schwester begrüßt und erzählt von dem Begegnen mit Pierre.

»Der bäuerische Mensch hat mich behandelt wie ein Kind,« klagte er. »Ob mir das Christkindchen die hübschen Sachen beschert habe, – frug der Dumme. Baron Valfort sollte keinen so groben Bengel zum Kammerdiener haben.«

»Urteilen Sie nicht zu strenge, Emil!« begütigte sie. »Nicht mit Absicht, aus Unwissenheit geschah dies. Der Bursch hat ja ein so gutmütiges Gesicht, daß an böswillige Gesinnung gar nicht zu denken ist. Vorhin stand er vor der Türe, schaute herein und hielt einen Monolog, von dem ich leider nichts verstand. Er betrachtete mich mit außerordentlichem Interesse, in der Meinung, eine sitzende Statue aus weißem Marmor zu sehen. Ich hielt mich unbeweglich und hatte eine geheime Freude an seinem Staunen. – Wäre es von mir nicht töricht, dem schuldlos Irrenden zu grollen, weil er mich für eine Marmorstatue hielt? Deshalb seien auch Sie ihm gut.«

»Wenn er mir Satisfaktion gibt!« antwortete der kindliche Oberst, die Hand am Degengriff.

»Satisfaktion? Nicht möglich, gnädiger Herr Oberst! Bedenken Sie Ihren hohen Rang! Pierre ist höriger Knecht, ganz und gar unfähig zur Satisfaktion.«

»Das ist wahr!« gestand Emil. »Wissen Sie schon, Isabella; daß sich gestern wieder fünf Offiziere mit fünf Edelleuten in Limoges geschlagen haben? Ein Baron und ein Marquis haben das Leben dabei verloren und ein Offizier hat seine Nase eingebüßt, und ein Hund, der auch dabei war, hat die abgehauene Nase gefressen.«

»Gräulich!« sprach sie schauernd. »Mit diesem ewigen Duellieren! Die Zweikämpfe sollten abgeschafft werden.«

»Nein, – durchaus nicht!« widersprach der kleine Offizier. »Herr Pichat sagt, Duelle seien notwendig, um gekränkte Ehre wieder herzustellen und Beleidigungen zu sühnen.«

»Ich trete unverweilt den Rückzug an und erlaube mir nicht, in diesem delikaten Punkte anderer Meinung zu sein als Oberst Rovere.«

Er verbeugte sich gnädig.

»Wie gefällt Ihnen Baron Valfort?« frug sie.

»Gut, – sehr gut! Ein hübscher, ein sehr hübscher Mann, – sagte Herr Pichat. Er hat so schön gelocktes, rötliches Haar und keinen Zopf. Mir gefallen die Zöpfe gar nicht. Gehen die Kavaliere in der Vendee alle ohne Zöpfe?«

»Wahrscheinlich! Wir müssen einmal nach der Vendee reisen und ein Land kennen lernen, wo es so hübsche Männer gibt.«

»Ich werde Sie mit Vergnügen begleiten.«

»Gefällt Ihnen an Valfort nichts als die Lockenhaare?«

»Er hat auch ein schönes Gesicht und darin ein gutes, liebes Lächeln,« antwortete Emil. »Nur seine blauen Augen gefallen mir nicht.«

»Warum nicht? Blau ist ja Himmelsfarbe?«

»Ja, – aber die Augen Valfort's sind so scharf und feurig, daß man sich fürchtet, hineinzusehen. – Ah, – sehen Sie, dort kommt der einfältige Mensch wieder und hinter ihm wahrhaftig der Baron!«

Sie schnellte vom Sitze, überzeugte sich vom Herannahen des Rätselhaften und ihre Hand fuhr ordnend um den lichten Anzug.

Emil stand hinter den grünen Ranken des Fensters und spähte nach dem Manne mit den feurigen Augen.

»Sie kommen schnurstracks hierher,« meldete er. »Soll ich die Türe schließen?«

Dazu war es jedoch zu spät. Pierre trat unter den Eingang, gewahrte die Gräfin und blieb festgewurzelt stehen. – Das weiße Bild von Stein bewegte sich lebendig durch den Raum. Es war keine Täuschung, – es war augenscheinliche Wirklichkeit, – ein Wunder, das Pierre's Mund und Augen weit öffnete und ihn selber in ein Bild von Stein verwandelte.

»Was wünschen Sie, mein Freund?« frug Isabella.

Es folgte keine Antwort. Pierre hatte die Sprache verloren. – Hinter ihm tauchte Valfort's hochragende Gestalt auf. Er sah Isabella's weiße Erscheinung und erriet augenblicklich den Zusammenhang der Dinge. Ohne einzutreten verbeugte er sich grüßend.

»Um Vergebung, gnädiges Fräulein! Ich wollte die Sehenswürdigkeiten des Gartens betrachten und vermutete Sie nicht hier.«

»Mich freut der Zufall, unserem verehrten Gaste zu begegnen,« erwiderte sie. »Auch dieses Gartenhaus birgt Sehenswertes. Wollen Sie gefälligst eintreten!«

Pierre taumelte zurück wie ein Trunkener. Dann lehnte er außen an der Wand, einem Menschen ähnlich, der sich aus schwerer Betäubung nicht losringen kann.

Der Baron sprach einige Worte der Anerkennung über die zierliche Ausstattung des Raumes und bewunderte die vollendete Schönheit der Gräfin, – letzteres jedoch nicht in Worten, sondern in Gedanken. Gestern hatte er sie gesehen in entstellender Verhüllung modischen Putzes. Gegenwärtig ließ der einfache weiße Anzug dem feinen Ebenmaß ihrer Gestalt die volle Wirkung. Und ihr natürliches Wesen, fern von aller spröden oder koketten Ziererei, kleidete sie in seinen Augen reizend. Hiebei ahnte er nicht, daß keine Schönheit stolzer und geringschätzender auf männliche Huldigungen herabsah, als Isabella, und daß er die einzige Ausnahme dieser Regel bildete. Niemals hatten ihre Augen einen Mann so glänzend angestrahlt und ihr Mund so lieblich gelächelt, wie es gegenwärtig dem Gaste geschah. Selbst der Knabe Emil bemerkte die erstaunliche Veränderung im Benehmen der Schwester. Er betrachtete sie verwundert und horchte auf die wechselnden Reden.

Sie verließen das Haus und gingen langsam durch den Garten. Isabella machte den Cicerone.

Einige Schritte hinter ihnen folgte Pierre, niedergedrückt von lebhaftem Schuldbewußtsein; denn zwei Vergehen belasteten seine Seele. Er hatte einen wirklichen Obristen wie ein kindisches Spielwerk behandelt und gar die gnädige Gräfin als Steinbild betrachtet. Es drängte den Redlichen, Abbitte zu leisten, die Frevel zu sühnen, aber einen schicklichen Weg zu diesem echt christlichen Ziele fand er nicht.

»Mein Liebling!« sprach Isabella, auf Herkules deutend.

Das Löwenfell um die Schultern, die Keule in der Rechten, erhob sich auf breitem Sockel die Heldengestalt aus weißem Sandstein. Mit der Linken hielt er den Verwüster Arkadiens, den schrecklichen Eber, beim Ohr.

»Träger einer tiefsinnigen Mythe ist Herkules,« fuhr die Gräfin fort. »Den Sprößling eines Gottes und einer sterblichen Mutter verfolgt von früher Kindheit Hera's unversöhnlicher Haß. Unheil in Menge findet er auf seiner Lebensbahn. So harte Schläge treffen ihn, daß er dem Wahnsinn verfällt und die eigenen Kinder mordet. Wieder genesen, unterwirft er sich gehorsam Gottes Gebot, zwölf Riesenarbeiten zu übernehmen. Er befreit die Welt von Ungeheuern und erlöst die Menschheit aus schweren Drangsalen. Auch die schwierigste Aufgabe löst er in der Selbstüberwindung; denn es gehorcht der Halbgott einem schwachen Menschen. Nach langem, mühevollem Ringen befreit ihn endlich der Tod aus irdischem Jammer. Gereinigt von jeglichem Makel wird ihm der Preis seiner Mannhaftigkeit und Tugend: – ewiges Glück und ewige Jugend auf den himmlischen Höhen des Olympos.«

Beim Rühmen des Helden leuchteten ihre Augen und das Mienenspiel des feinen Antlitzes belebte tiefes Empfinden für eine erhabene Idee. Ihn freute diese Äußerung ihres Wesens, eine Bürgschaft für hohen Sinn. – Jetzt überraschte ihn die Anwendung.

»Typus für jeden strebenden Menschen ist Herkules,« sprach sie weitergehend. »Wer sich heißem Kampfe mit Ungeheuern und Schlangen nicht unterzieht, – wer feige den Streit flieht und träge schwimmt mit dem faulen Strome der Zeit, – verderben wird er, ein Opfer schmählicher Niederlagen!«

Er fand im Tone ihrer Stimme den Widerhall bestandener Kämpfe und las in ihren Zügen ungewöhnlichen Ernst.

»Wie Mißfallen an der Gegenwart klingen Ihre Worte, gnädiges Fräulein!« sprach er forschend.

Sie blieb einen Augenblick stehen und sah ihn scharf an.

»Sie befremdet dies, Baron Valfort?«

Die starke Betonung auf das »Sie« fiel ihm auf.

»Das verdient meine Bewunderung,« entgegnete er.

»Sie ist unverdient! Bewunderung dem wirklichen Verdienste, – der natürlichen Anlage nicht,« fuhr sie mit gleichem Ernst fort. »Die Katze meidet den Schmutz, weil derselbe ihrem Reinlichkeitssinn widerstrebt, – mir widerstrebt aus natürlichem Drang das Pfützentum der Zeit. Sie sehen, Verdienst ist gar nicht dabei.«

»Vielleicht doch!« entgegnete er. »In jeder Menschenbrust schlummert ein Zug zur Tiefe, – Neigungen zum Bösen, zum Niedrigen. Daher liegen auf der Lebensbahn eines jeden Menschen die Arbeiten des Herkules. Natürliches Widerstreben gegen Zeitgeistiges wäre ein zerbrechliches Stäblein im Kämpfen und Ringen mit Unholden, sobald der Unhold in verlockender Gestalt des Versuchers naht.«

»Sehr wahr!« bestätigte sie kopfnickend. »Ohne Selbstüberwindung gäbe es keinen siegenden Herkules, ohne Versuchung keine Selbstüberwindung. Verbindet sich mit dem Versucher die natürliche Neigung, – wird der deckende Schild persönlicher Anlagen zur Schwere, die nach unten zieht, – wo Halt, – Stütze, – Rettung?«

»In der Selbstüberwindung!« antwortete er.

»Wie kann sich das verkehrte Ich selbst überwinden?« hielt sie entgegen. »Ohne Beistand seines göttlichen Vaters Zeus und der Göttin Athene würde Herkules die Riesenarbeit der Selbstüberwindung niemals vollbracht haben.«

»Einverstanden, gnädige Gräfin! Finden Sie nicht, daß Zeus und Athene den göttlichen Weinstock des Christentums vorgebildet haben?«

Sie blickte ihn verwundert an.

»Ich verstehe Sie nicht, mein Herr!«

»Die Gleichnisrede Jesu vom Weinstock, meine ich.«

»Darf ich um deren Inhalt bitten?«

»Mit Vergnügen, mein Fräulein!« versetzte er gefällig. »Bei jener göttlich erhabenen und wunderbar tiefsinnigen Belehrung seiner Apostel, wie solche der Evangelist Johannes im vierzehnten und fünfzehnten Kapitel der Nachwelt überlieferte, sprach Jesus Christus folgende Worte: »Ich bin der Weinstock, ihr seid die Rebzweige. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viele Früchte; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.« Mithin hat der Weltheiland zuerst bildlich, dann wörtlich die Tatsache ausgesprochen, daß Menschenkraft ohne seinen Gnadenbeistand unfähig sei, irgend eine sittliche Großtat zu vollbringen. Zur Großtat rechnet der Herr die Selbstüberwindung. »Wer mein Jünger sein will, der verläugne sich selbst,« – lehrt er. So mochte der göttliche Beistand des Zeus die Gnadenhilfe des Christentums vorbilden. Nie würde Herkules die Zwölfarbeit vollbracht und durch Selbstüberwindung die Krone erstritten haben aus eigener Kraft. In gleicher Lage sind wir, – ohne Christus abgeschnittene Rebzweige, die fruchtlos verdorren. Mit dem göttlichen Helfer vereinigt trägt jeder von uns eine Heldenstärke in sich, die alles überwindet, sogar sich selbst.«

Sie war aufmerksam den Worten gefolgt; freudiges Staunen malte sich in ihren Zügen und jetzt nickte sie ihm lächelnd zu.

»Der Vergleich stimmt, – mir zur Genugtuung! Das Christentum ist nicht so arm und ausgelebt, wie man behauptet, – dies habe ich immer bestritten. Eine Religion, die in schlichten Formen erhabene Ideen birgt, kann sich nie ausleben und ist fähig, durch alle Entwicklungsstufen die Menschheit weiter und höher zu führen. – Wie geläufig Ihnen dies ist!«

»Ergebnisse christlichen Schulunterrichtes.«

»Den ich niemals genoß,« gestand sie beschämt. »In der Mythologie bin ich zwar bewandert, – alle Götter und Göttinnen Griechenlands kenne ich, sowie deren Eigenschaften, Wohltaten und Bosheiten. An christlichem Wissen aber bin ich sehr arm.«

Das Geständnis überraschte ihn nicht. Er kannte das Irrsal modischer Bildung und wußte, daß gerade die gebildeten Stände in religiösen Dingen überaus beschränkt seien. Dennoch kam eine wehmütige Stimmung über die Verbildung eines geistig und körperlich so ausgezeichneten Wesens über ihn. – Isabella las in seinen Zügen.

»Mit Recht befremdet Sie meine Unwissenheit, Herr Baron! Man sollte zunächst im eigenen Hause heimisch sein, das sich noch ein christliches nennt. Mehr oder weniger sind wir die Werke unserer Erzieher, unserer Umgebung. Wäre ich in der religiösen Vendee aufgewachsen, unter der frommen Hut einer zärtlichen Mutter, – deren Dasein ich nur aus alten Büchern kenne,« fügte sie mit unterdrücktem Seufzen bei, »auch mich würden christliche Kenntnisse schmücken. Was ich aber sah, hörte und lernte, nichts durfte Sympathie für das Christentum erwecken.«

Er tat einige gedehnte, heftige Schritte; ein flüchtiges Feuer loderte in seinen Augen.

»Ich kenne den modischen Spott philosophischen Unglaubens gegen die Religion,« sprach er. »Wie Mehltau vergiftend wirkt auf die Pflanzenwelt, so verdirbt und verkrüppelt die Seele unter den Ausgüssen irreligiösen Hohnes. – Vergebung, gnädige Gräfin! Der Böswilligkeit berechnender Verführer gilt meine Entrüstung, – nicht deren Opfer.«

»Mir gefällt das Aufflammen eines edlen Zornes,« entgegnete sie. »Zorn gegen Bosheit, – Teilnahme für das Opfer. Doppelt und dreifach beklagenswert aber ein Opfer, das sein trauriges Schicksal empfindet. Geht das Sehnen eines Menschen nach dem Lichte, wie kann er freudig atmen in dumpfer Nacht und wüster Finsternis?«

Ihre Worte klangen vertrauensvoll und klagend. Sie blickte ihn an wie eine Hilfesuchende.

Sie standen am Ausgange des Gartens.

»Dürfte ich eine allzu kurze Frist benützen, welche das Glück zu meiner Belehrung bietet?« sprach sie leise, im Tone der Bitte.

»Mein ganzes Vermögen steht Ihnen zu Gebote,« antwortete mit einer Verbeugung der junge Mann.

Pierre hatte auf einen günstigen Augenblick gelauert. Jetzt sah er die Abschiedsförmlichkeiten und trat vor den Knaben.

»Gnädiger Herr Oberst!« begann er, den Hut in der Hand und Zerknirschung in den biederen Zügen. »Vorhin hab' ich vor Eurer Gnaden mich recht tölpelhaft benommen. Verzeihen Sie einem dummen Menschen, der nicht einmal wußte, daß es geborene Generäle, Oberste und Äbte gibt.«

Den kindlichen Offizier versöhnte Pierre's Rede und demütige Haltung.

»Gräfin Isabella hat schon gesagt, daß Sie aus Unwissenheit frevelten, sonst aber ein respektabler Mensch seien. Deshalb verzeihe ich Ihnen, guter Pierre!«

Der Mann in der Bluse unternahm eine sehr tiefe Verbeugung des Dankes, begleitet von unverständlichem Gemurmel. Jetzt wandte er sich nach dem lächelnden Edelfräulein.

»Auch vor Ihnen, gnädige Gräfin, hab' ich eine große Abbitte zu leisten! Nämlich, – da Sie in dem Gartenhaus saßen und ich vor der Glastüre stand und hineinguckte, da hielt ich Eure Gnaden für ein Bild von weißem Stein, das ich meinem edlen Herrn zeigen wollte. Wenn's nun schon ein Vergehen ist, einen wirklichen Oberst für einen Knaben zu halten, so ist's noch ein viel größeres Vergehen, eine gnädige Gräfin für einen gemeißelten Stein auszugeben. Darum bitte ich Eure Gnaden recht demütig um Verzeihung!«

»O du heilige Einfalt!« rief in heiterer Laune Isabella. »Ich bin die Schuldige, nicht Sie; denn wer ein Vergehen veranlaßt, der ist der eigentliche Bösewicht. Hat meine Unbeweglichkeit Sie getäuscht, guter Pierre, so vergeben Sie mir! Aber danken muß ich Ihnen für das Vergnügen, Ihren Herrn mir zugeführt zu haben.«

Sie verbeugte sich und kehrte mit Emil in das Schloß zurück.

Pierre stand noch eine Weile, den Hut in der Hand und der leicht dahin schwebenden Frauengestalt nachsehend. Dann folgte er dem Baron, den er sinnend vor einem Blumenbeete fand.

»Gottlob, das wäre überstanden, Eure Gnaden! Das Versehen hatte mich einigermaßen gedrückt. Mein Lebtag will ich keinen Offizier mehr für einen Knaben halten, und auch kein Mädchen für eine Göttin aus Stein ansehen.«

»Bezeichnet man mit dem Begriffe »Göttin« eine unvergleichliche Schönheit, so war Dein Versehen natürlich sogar berechtigt,« entgegnete Paul von Valfort. »Gräfin Isabella ist wirklich von ganz ergreifender Schönheit.«

Pierre warf einen forschenden Blick auf seinen Herrn.

»Da haben Eure Gnaden Recht, – von ergreifender Schönheit!« bestätigte er. »Die Schönheit der Gräfin ergreift alles, was in ihre Nähe kommt. Sogar mich hat sie ergriffen, – erobert, – verzaubert.«

Er schielte prüfend nach seinem Herrn, der ungewöhnlich ernst ihm zur Seite ging.

»Das Ergriffenwerden hat übrigens seine Unbehaglichkeiten,« fuhr der getreue und kluge Pierre fort. »Wer oder was ergriffen wurde, das hat seine Freiheit verloren. Wurde ein Vogel ergriffen von den Krallen eines Falken, – o armes Vöglein! Du singst keine Lieder mehr, – wirst nimmer froh und frei; denn du bist und bleibst ergriffen. Wurde ein Mäuslein ergriffen von den Klauen einer Katze, – o armes Mäuslein, kommst nimmer los, bist das gequälte Spielzeug einer schmeichelnden Katze! Hat die ergreifende Schönheit eines Mädchens ein junges Mannesherz ergriffen, – o du armes Menschenherz, – dein Frohmut ist fort, deine Lustigkeit und Freiheit dahin! Denn ergriffen bist du und in Gefangenschaft.«

Paul verstand den Wink seines Getreuen.

»Du bist ein kluger Mensch!« lobte er. »Mit Recht nannte Dich mein Oheim ›Telemach's Mentor‹.«

»Der kluge Mensch meines Gnädigen ist ein wohltuendes Pflaster auf den tölpelhaften Menschen des kleinen Obersten,« sagte Pierre. »Da Sie den hochwürdigen Pater Oheim nannten, so fällt mir ein, daß wir heute noch mit der geistlichen Lesung im Rückstande sind. »Mein Sohn,« hat der hochwürdige Pater Oheim gesagt, »diene Deinem Herrn auf der Reise mit gewohnter Treue und Klugheit. Sei ihm ein christlicher Kammerdiener. Wehre von ihm ab, was schadet. Halte genau an der Tagesordnung, vergiß nicht die geistliche Lesung.« – Wenn's Euer Gnaden gefällt, so hören wir jetzt den frommen Thomas von Kempis. Sein Reden wird sich freilich gar wunderlich unter diesem Heidenvolk von Göttern und Göttinnen ausnehmen.«

Sie gingen nach den Gemächern des Barons. Pierre ließ sich auf einen Schemel nieder, die Nachfolge Christi auf den Knieen. Valfort saß ihm gegenüber. Der Kammerdiener öffnete das Buch und begann die Fortsetzung der täglichen Lektüre. Er las sehr langsam und machte bei Absätzen Pausen, zur Betrachtung des Vernommenen.

Der junge Edelmann saß unbeweglich und hörte zu. Aber die Unterweisungen des frommen Mönches von Kempen fanden heute nicht ungeteilte Aufmerksamkeit. Isabella's Reden klangen dazwischen und ihre reizende Erscheinung verdrängte zuweilen vollständig den betrachtenden Ordensmann.

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