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Ballade am Strom

Roland Betsch: Ballade am Strom - Kapitel 54
Quellenangabe
typefiction
booktitleBallade am Strom
authorRoland Betsch
year1939
firstpub1939
publisherG. Grote'sche Verlagsbuchhandlung
addressBerlin
titleBallade am Strom
pages651
created20160906
sendergerd.bouillon@t-online.de
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9

Der kleine General hatte in der berühmten ›Zylindersitzung‹ eine entscheidende Niederlage erlebt. Nachdem am 23. Oktober ein Reichstagsabgeordneter, ein Bürgermeister und ein Rechtsanwalt als angebliche Vertreter des Pfälzischen Kreistages bei ihm gewesen waren und erklärt hatten, angesichts der verworrenen Verhältnisse in Bayern hätten sie beschlossen, aus der Pfalz einen selbständigen Staat im Rahmen des Reiches zu bilden, hielt er seine große Stunde für gekommen. Einem Regierungsvertreter gegenüber erklärte er sofort, Frankreich könne, nachdem die Kreisregierung zu existieren aufgehört habe, auch die bayrische Oberhoheit in der Pfalz nicht mehr anerkennen, außerdem habe ihm die einflußreichste Partei die Bildung eines 541 gouvernement provisoire angetragen. Dieses Gouvernement übernehme heute noch sämtliche Vollzugsgewalten. Irgendwelche Widersetzlichkeiten hätten zur Folge, daß er den Separatisten endgültig in der Pfalz freie Hand ließe.

Am andern Tag fand eine Kreistagssitzung statt, worin der Vertreter des kleinen Generals eine Erklärung vorlas, wonach die Pfalz fortan ein autonomer Staat sei. Den Passus ›im Rahmen des Reiches‹ hatte der schlaue General fortgelassen. Bei der Verlesung stand der Führer der Freien Bauernschaft, Josef Heinz aus dem Dorfe Orbis, im Hintergrund und rührte sich nicht. Er sah endlich seinen Stern aufgehen, seine ehrgeizigen Pläne standen vor der Erfüllung, er war stark und skrupellos genug, dem ausbrechenden Kampf und der Entrüstung mit kaltem Herzen und kalten Augen gegenüberzutreten.

Die Enttäuschung war groß, der Antrag wurde abgelehnt, der Artikel 18 der Reichsverfassung untersagte jede Zuständigkeit des Kreistages, der erste Angriff war abgeschlagen.

Eine Stunde später überschwemmten Hunderttausende von Flugblättern die ganze Pfalz. Mit hexenmäßiger Geschwindigkeit verbreitete sich die Kunde.

Der General war stark nervös geworden, ihm fehlte die Entschlußkraft, er besaß nicht die eisige Stärke seines Henkers Heinz. Er kam in Schweiß, er lief wie ein Tier in seinem Zimmer auf und ab, das Herz spielte ihm wieder einen Streich. Er brauchte die Kognakflasche. Dieser Tag vielleicht entschied über ihn selbst. Dies war die Stunde seiner großen Talentprobe.

Er trat vor den Spiegel und las in seinen eigenen, unruhigen Augen. Da stand er im schwarzen Anzug, Zylinder und Handschuhe unruhig zwischen den Fingern drehend. Die Brust war mit Orden geschmückt, er war feierlich bis in die Haarwurzeln, denn er war im Begriff, seinen Staat zu bilden, seine persönliche pfälzische Republik aufzurichten und Frankreich das vor die Füße zu legen, was seinem Vorgänger mit der Madagaskarmethode mißglückt war. Gleichzeitig mit diesem entscheidenden Schlag sollte eine pfälzische Währungsbank gegründet werden, das waren zwei Taten, mit denen er in die Weltgeschichte eingehen konnte. Sein Vorgänger war daran gescheitert, würde auch er scheitern, lauerte der blaue Brief schon im Hintergrund?! Er betrachtete mit einem ahnungsvollen Grauen den Zylinder. Besaß dieses entsetzliche Möbel eine symbolische Bedeutung?!

542 Entschlossenes Handeln war jetzt von höchster Wichtigkeit, am 21. Oktober hatten sie in Aachen bereits die Rheinische Republik ausgerufen. Am 22. Oktober hatten Kämpfe in Wiesbaden, Trier, Mainz und Koblenz stattgefunden. Ein Bataillon von Dortens Rheinarmee stand an der hessischen Grenze, ein Wink des kleinen Generals, und sie würden unter dem geheimen Schutze Frankreichs marschieren.

Das Telephon rasselte. Die Herren von der abgeblasenen Kreistagssitzung warteten befehlsgemäß im Konferenzzimmer. Der General zauderte immer noch, alle Möglichkeiten durchflog sein fieberndes Hirn. Welch ein Glück, daß es Kognak gab. Wo war dieser Heinz Orbis, er hätte den Mann gerne vorher noch einmal gesprochen, es ging eine brutale Kälte und Entschlossenheit von ihm aus.

Marcel Foreste. Verständigung. Abrüstung der Idee, Aufrüstung des Herzens, ha ha. Wie hatte der Narr noch gesagt? Die Verständigung muß nicht mit dem Fordern beginnen, sondern mit dem Verzichten. Verzichten, jetzt, wo das große Finale der tausendjährigen Rheinpolitik einsetzte, jetzt, wo der alte Rhein, der sagenhafte Strom, sich endlich und endgültig ergab?

»Hier steht Frankreich!« sprach der General, schaute zum Bild des Kardinals hinauf und ging tänzelnd in den Sitzungssaal, wo Vertreter der Industrie und Landwirtschaft, des Handels, der Gewerkschaften und Städte vertreten waren und der feierliche Ledersessel für den künftigen Präsidenten der Pfalzrepublik bereitstand.

Die historische Zylindersitzung schlug fehl. Ein Fetzen Weltgeschichte war vorüber.

Der General sah sich einer geschlossenen Mauer deutscher Einmütigkeit gegenüber. Der Präsidentensessel blieb leer, die Sitzung mußte abgebrochen werden. Deutschland lebte immer noch. Kaum faßbar, es zu denken, aber es lebte noch, der General wollte ihm den Fangstoß geben.

Noch hoffte der General. Er stellte eine Frist von zwei Tagen. Er verlor auch die zweite Schlacht.

»Jetzt sein der Politik für mich erledigt«, schrie er in die Stille der Versammlung hinein. »Aber für die Pfalz werden kommen furchtbare Stunden!«

Er wankte hinaus, geschlagen und gebrochen, naß vom Schweiß der Erregung, ein Soldat mit schwachen Nerven, ein Politiker ohne Format. Was blieb denn noch von ihm? Vielleicht doch ein Rest von 543 Mensch, der abseits von Machthunger und Ehrgeiz eine verschüttete Straße ging und an die Abrüstung der unseligen Rheinidee glaubte!?

Jetzt aber war er von Haß erfüllt und von einer irrsinnigen Sucht nach Rache.

Im Hintergrund lauerte der Mann, der kälteres Blut und stärkere Nerven hatte. Es war keine Kleinigkeit, seine Heimat zu verraten, ein seltenes Talent gehörte dazu.

Im Hintergrund stand der Mann, starr und entschlossen, ohne eigentlichen Ehrbegriff und ohne Herz. Von den besonnenen Bauern schon verlassen.

Franz Josef Heinz aus dem Dorfe Orbis. Le Marquis d'Orbis. Und einige aus seiner traurigen Armee trafen an diesem Abend noch in Speyer ein.

Tirards schwarze Raben schickten ihre erste Vorhut in das geschändete Land. –

Um diese Zeit gab es in des Generals petit Palatinat hundertzwanzigtausend Erwerbslose und jeder dritte Betrieb stand still. Mitten im sogenannten Frieden gab es im Herzen Europas Menschen, die sich kein warmes Essen mehr bereiten konnten, viele Hunderte saßen hinter den Gefängnismauern, viele Tausende waren vertrieben.

Ihr Hab und Gut war beschlagnahmt, zerschlagen, ausgeplündert und leergeraubt. Um diese Zeit legten in den einsamen und geschändeten Wasgauwäldern die Holzfäller die Arbeit nieder, weil sie am Tag 40 Milliarden verdienten, während ein Pfund Salz 125 Milliarden kostete.

Tirards schwarze Raben kamen. Über die hessische Grenze brach die unheilvolle Lumpenbrigade in die Pfalz ein. Die Legionäre der Dortenschen Revolverrepublik, eine Soldateska aus Schnapphähnen und Marodeuren, Freibeutern und Zuchthäuslern, eine Schar von gestrandeten Existenzen, Desperados und Berufsrevolutionären, entlassenen Verbrechern aus Luxemburg und Elsaß-Lothringen, phantastisch uniformiert mit alten Reithosen, Militärröcken, französischen Gamaschenstiefeln, Matrosenmützen und Khakiblusen, kamen in Lastautos mit wehenden grünweißroten Fahnen, Revolvern, Pistolen und alten französischen Waffen, mit Jagdgewehren, Säbeln und Reitpeitschen, in die entwaffnete, gedemütigte und durch die Franzosen wehrlos gemachte Pfalz und schickten sich an, ihren schauerlichen Teufelstanz aufzuführen. Unter ihnen fehlten auch die Polacken nicht; wie überall, wo es revolutionäre Umtriebe gab, waren sie 544 zur Stelle und marschierten mit im Abschaum des Menschenmaterials aus den Elendsvierteln der großen Städte. Ein irrer, wirrer Menschenspuk, sonst nichts.

Horden kleiner Teufel, die nur gefährlich wurden, weil der Franzose hinter ihnen stand und ihre feigen Raubzüge mit den Besatzungstruppen deckte.

Diese verkommenen Bataillone halb raublustiger, halb verelendeter Menschen waren die bewaffnete Macht, mit deren Hilfe der Marquis d'Orbis sich auf den Präsidentenstuhl der Autonomen Pfalz zu setzen gedachte. Dieser schlaue Fuchs, der von dem mittelmäßigen Scharlatan Dorten zum Generalkommissar für die ›Republik Süd‹ ernannt worden war, hatte sich im geheimen schon wieder von seinem hohen Gönner losgesagt und ging seine eigenen Wege. Stark im Ehrgeiz, aber schwach im Charakter, war es ihm schon mehrmals leicht gefallen, die Farbe zu wechseln. Von einem Teil seiner Anhänger verlassen, verriet er im Stillen jetzt schon alle jene, die ihn auf den Sockel gehoben hatten und wartete die günstigste Stunde ab, um sich zum König der Pfalz aufzuschwingen.

Die ersten Separatistenschwärme wurden von Dorten selbst geführt, sie besetzten unter französischem Schutz nacheinander die Städte Kirchheimbolanden, Kaiserslautern, Neustadt und Bergzabern. Es ging nicht ohne Kämpfe ab, denn es gab noch zu viele Männer in der Pfalz, die eine solche Lausbubokratie nicht ohne Widerstand hinnahmen. Immer in schwersten Stunden standen Männer auf, sie wuchsen aus dem Unsichtbaren, die Erde öffnete sich, und sie waren da.

Und sie würden auch aus der Erde wachsen, wenn die Not am höchsten steigen sollte. Die letzte Tat blieb vorbehalten. Aber es stand schlimm um des Generals petit Palatinat. Nach harten Kämpfen fielen die Städte Landau, Germersheim und Bad-Dürkheim, auf den Rathäusern und öffentlichen Gebäuden wehten die grünweißroten Fahnen. Der Mob raubte und plünderte, das zerrissene Volk war ohne Gesetz, die Hungernden zertrümmerten Scheiben und Ladentüren, das Gespenst der Zerstörung ging um, Bruder stand gegen Bruder, Blut wurde vergossen und den Erschlagenen blieben noch offene Augen, mit denen sie das Gewissen der Menschheit anklagten.

Unter Androhung der Todesstrafe mußten alle Waffen der Bürgerschaft an die Franzosen abgeliefert werden. Die französischen Offiziere liefen mit Farrenschwänzen durch die Straßen, die Polizei war kaltgestellt und stand unter französischem Oberbefehl. Kompanien 545 Marokkaner, Senegalneger und berittene Spahis in weißen Mänteln mit leuchtend roten Turbans und Umhängen ritten rücksichtslos und mit dem Kriegsgeheul der Wilden unter Menschenansammlungen, die sich zur Abwehr zusammengerottet hatten. Die abgelieferten Waffen wurden an die Sepas verteilt, Menschen wurden verhaftet, geprügelt und erschlagen, schwangere Mütter mußten mit ihren Kindern fliehen, verluderte Weiber aus den französischen Bordellen schlossen sich dem Gespensterheerzug an, sie wurden bewaffnet und auf das verhaßte Bürgertum losgelassen.

Ein irrer, wirrer Menschenspuk.

Das letzte niederträchtige Mittel des kleinen Generals.

Die schauerlichen Wegbereiter des Marquis d'Orbis.

Noch war Speyer nicht gefallen. Um Mitternacht des 10. November brachte die französische Regiebahn 250 Separatisten nach der pfälzischen Kreishauptstadt. –

Wie war das mit der »Fliegenden Ems«?

Wie war das mit dem »Kapitän«?

Die »Fliegende Ems« war eine mobile Verbrecherkolonne aus dem Verband der fliegenden Rheinarmee. Diese Meute der Brutalität setzte sich aus abgekochten Kriminellen zusammen, die selbst vor den grauenhaftesten Taten nicht zurückschreckten. Bei der »Fliegenden Ems« befand sich ein ausgesuchtes Menschenmaterial. Männer dieser bewaffneten Bande mußten den letzten Rest von Zivilisation aufgegeben haben, ihre Bedeutung war, überall dort blitzschnell eingesetzt zu werden, wo es hart auf hart ging und ein Widerstand der Bevölkerung zu befürchten war. Mit grauenhaften Mitteln mußte dieser Widerstand gebrochen werden.

Die »Fliegende Ems« wurde mit Lastautos eingesetzt, sie war ein fürchterliches Rollkommando, bis an die Zähne bewaffnet mit Gewehren, Revolvern, französischen Maschinengewehren und französischen Eierhandgranaten. Für die Mitglieder der »Fliegenden Ems« war ein Mord nur ein nebensächliches Zwischenspiel, sie hatten großartigere Methoden. Ihre Art, unter Verhafteten und Wehrlosen Gericht zu üben, gestaltete sich zu amüsanteren Schauspielen des Entsetzens. Sie waren mittelalterlich eingerichtet, sie beschworen mit teuflischer Lust die Zeiten der Hexenprozesse und der Folterkammern. Ihre Foltern waren moderner, aber nicht weniger grauenhaft, was sie vollbrachten war so, daß es die Abgrenzung des Menschlichen überschritt. Und überall, wohin sie kamen, gab es einige Schattengestalten, 546 die sich ihnen anschlossen, weil sie ähnlich vom Satan geimpft waren und nur noch in der nackten Brutalität einen Ausgleich fanden für das, was ihnen das Leben vorenthalten hatte.

Auch in der Pfalz lebten Geschöpfe, die dieser Herde und Horde sich düster verschwistert fühlten. Es waren Menschen, die irgendwie Schiffbruch gelitten hatten, deren Erbitterung den letzten Rest von Würde überwuchert hatte, die nur noch in blinder Raserei eine satte Rache fanden, die gänzlich verkommen waren und für solche Verkommenheit ihre Mitmenschen verantwortlich machten.

Wie war das mit der »Fliegenden Ems«?

Sie erschien in den schicksalschweren Novembertagen auch in der Pfalz, sie war der Sendbote letzter Erniedrigung. Als sie mit wehender Sepafahne über die Grenze rollte, war sie wie die Todverkünderin für ein Land, das sich bis zum letzten Blutstropfen gewehrt hatte.

Wie war das mit dem »Kapitän«?

Der »Kapitän« – niemand kannte seinen Namen – war Anführer der »Fliegenden Ems«. Er war von gedrungener Gestalt, hatte einen kurzen Hals und ein farblos fahles Gesicht. Die Haare waren schwarz, die Augen mit dem schielenden Blick glänzten dunkel in den tiefen Höhlen, der brutale breite Mund war schief und eingefallen. Dieses Gesicht machte den Eindruck, als hätte es die Gefängniszelle so geformt, es schien jedem natürlichen Leben abgewandt. Dieses Gesicht hatte seine eigene Welt, jenseits der Gesetze, es war furchtlos fremd und atmete eine unbeschreibliche Kälte aus.

Der »Kapitän« trug eine französische Infanterieuniform ohne Abzeichen, eine braune Lederjacke mit grünweißroter Armbinde, hohe französische Gamaschenstiefel und eine Kapitänsmütze. Bewaffnet war er mit Karabiner, Säbel und Mauserpistolen. Der Marquis d'Orbis bewirtete die »Fliegende Ems«.

Er fragte nach einem gewissen »Oberleutnant« Bratek, denn dieser Mann sei ihm als besonders stoßkräftig genannt worden. Bratek sei unterwegs, antwortete ihm der »Kapitän«, aber wenn es verstattet sei, bringe er seine eigene Person in empfehlende Erinnerung. Und ob er, Franz Josef Heinz, der König der Pfalz, etwa glaube, der Mann, so vor ihm stehe, sei eine Nippfigur.

»Ich kenne Sie nicht, Kapitän, aber ich sehe Ihr Gesicht.«

»Sie dürfen mir jede Schmeichelei sagen, ich höre sie nicht ohne Wohlgefallen, ich bin manchmal wie ein Backfisch.«

»Woher kommen Sie, Kapitän?«

547 »Mein Leumund ist international, Herr Präsident. Ich bin kein Deutscher, ich bin französischer Untertan polnischer Geburt. Jawohl, ich bin ein Pole und Bandenführer von Beruf. Ich habe den oberschlesischen Rummel organisiert, ich war in Litauen, ich habe in Brasilien und Mexiko mir einen Namen gemacht. Verlangen Sie alles von mir, nur nicht, daß ich in Politik mache, ich sehe im allgemeinen lieber Blut als Tinte. Ich bin noch nie zimperlich gewesen, glauben Sie mir, ich habe zuverlässige Methoden. Mein Weg ist schnurgerade, ich habe den Ehrgeiz, in die Geschichte einzugehen.«

»Wenn, dann nur als des Teufels Gevatter«, sprach lachend der Marquis. »Ich kann übrigens mit einem Kameraden aufwarten. Ich habe ihn gestern beauftragt, Lambrecht zu besetzen, er hat dort auf seine eigene Mutter geschossen, wenn ich mich recht erinnere. Monströse Zeiten fordern monströse Menschen.«

Der Kapitän blieb die Nacht zum 9. November Gast des Franz Josef Heinz.

Er verschmähte Zimmer und Bett.

Er betrank sich und schlief mit einer belgischen Hure im Heu. – –

Am andern Tag wurde nach heftigen Kämpfen die Kreishauptstadt Speyer genommen. Die »Fliegende Ems«sollte eingesetzt werden, aber sie kam zu spät, auf der Fahrt von Neustadt nach Speyer traf sie die Meldung, daß auf dem Regierungsgebäude schon die grünweißrote Flagge wehte, die Kolonialtruppen hielten das erbitterte Volk in Schach. Die »Fliegende Ems« kehrte um, auf dem Rückweg kam ihnen ein Lastwagen mit blauweißer Fahne entgegen und stellte sie zum Kampf. Es waren Mitglieder der freiwilligen Bürgerwehr aus Neustadt und Umgebung.

Die »Fliegende Ems« sah sich entschlossenen Männern gegenüber, sie verlor den Kampf. Es blieben einige Tote liegen, die übrigen flohen in den Wald.

Es war aber ein Judas da, der ging hin und verriet die Teilnehmer der Schlacht von Hanhofen.

Er verriet sie an einen neuen Unterführer der »Fliegenden Ems«, der als Ausländer sich rasch besonderes Ansehen verschafft und erklärt hatte, seine Methoden könnten mit denen des Polenkapitäns ohne weiteres wetteifern, er sei bei den weißen Indianern des Matto Grosso gewesen, er sei durchaus kein Waisenknabe.

Nein, er sei ein Brasilianer, man nenne ihn Don José. 548

 

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