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Gutenberg > Hugo Marti >

Balder

Hugo Marti: Balder - Kapitel 2
Quellenangabe
typelegend
authorHugo Marti
year1923
firstpub1923
publisherRhein-Verlag
addressBasel / Leipzig
titleBalder
pages159
created20080818
sendergerd.bouillon@t-online.de
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5 Einklang

        6 Langsam durch die Abendschatten reitet
Hoch auf weißem Roß ein schlanker Jüngling,
Reitet leisen Hufes durch die Wälder
Aufwärts nach der birkenhellen Lichtung.
Dort, im letzten Flammenschein der Sonne,
Springt er nieder von des Rosses Rücken
In den Rasen bei dem schmalen Bache,
Und mit seinen Händen streift er leise
Ueber die noch toten Birkenzweige,
Ueber die noch winterstarre Rinde,
Beugt sich nieder dann zum blassen Boden,
In die Knie sinkend und mit warmem
Hauche flüsternd zu den schwanken Halmen:
»Wachet auf aus eurem langen Schlafe!
Frühling segnet neu die alte Erde,
Und die Stunde kam des lichten Wunders.«
Aber wie er langsam weiterreitet
Hoch und hell im schattenstillen Walde,
Heben leis die Zweige an zu zittern,
Recken sich empor die schwachen Gräser,
Und es wird ein Flüstern und ein Fragen
Und es wird ein tausendfaches Singen,
Wo er immer streift mit seinen Händen;
Und wo seines Rosses Huf getreten,
Schwebt an schwankem Halm ein Silberglöcklein,
Schwingt im Wind und sendet sein Geläute
Durch den Abend über Hang und Hügel. –

7 Frühlingsnacht entsteigt den schmalen Tälern,
Erste Nacht von sieben heiligen Nächten,
Und ihr weicher, faltenreicher Mantel
Decket schon das weite Land der Tiefe,
Löschet leis der Flüsse glühend Funkeln,
Bauschet sich empor an allen Halden,
Mächtig wachsend Meer der grauen Stille, –
Aber hoch wie brennende Gemäuer
Aus dem Dunkel ragen die Gebirge;
Feuer flutet über alle Joche
Und ergießet sich in breiten Strömen
Lautlos nieder in die Schattenwogen,
Und auf jedem Turme lodern Fackeln,
Lodern aufwärts in den lichten Himmel,
Weit verstreuend ihre Saat von Gluten.

Aus dem hohen Felsentore schreitet
Graugewandet, bleichen Haares, Wala;
Und sie hebt die dürren, müden Arme,
Legt die Hände sich vor ihre Stirne,
Spähend in die Ferne mit den Augen,
Und sie schüttelt ihre weißen Haare:
»Freudenfeuer flammen weit um Asgard,
Freudenfeuer über allen Bergen,
Und der Jüngling reitet durch die Wälder
Mit dem Botenruf des neuen Frühlings.
Droben in der Burg zu frohem Feste
Scharen die Gewaltigen sich und feiern
Ihrer Sippe Macht und Heldentaten.
Niemals hab ich solche Glut gesehen,
8 Niemals fachten sie ein solches Feuer, –
Aber siehe, aus der Tiefe wallen
Ungestüm der Schatten breite Wogen,
Und sie werden alles überfluten
Und ertränken mit dem stillen Dunkel
Auch der lohen Freudenfeuer höchstes,
Und ihr Schweigen wird auf Asgard thronen
Und der Stolzen Lippen blaß versiegeln. –
Heldentaten künden eure Lieder,
Macht und Lachen strahlen eure Stirnen,
Frühlingsfeuer fachen eure Hände,
Freudenfeuer, siebenmal geschüret,
Doch die letzte Nacht zum Opferbrande
Und zur eignen, stummen Totenfeier.«

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