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Gutenberg > Hugo Marti >

Balder

Hugo Marti: Balder - Kapitel 15
Quellenangabe
typelegend
authorHugo Marti
year1923
firstpub1923
publisherRhein-Verlag
addressBasel / Leipzig
titleBalder
pages159
created20080818
sendergerd.bouillon@t-online.de
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131 Siebente Nacht

        132 Wie ein Silberband in weiten Schwingen
Schimmert aus den waldbewachsnen Hängen
Und den Triften mit den tausend Blumen
Blank der Weg im Licht der Abendsonne.
Erst bedächtig steigt er langsam nieder,
Rückwärts grüßend nach den stolzen Mauern,
Und ihm geben stumm die alten Eichen
Würdiges Geleite, aber fröhlich
Bricht er aus dem kühlen, stillen Schatten
In die farbenjubelnden und lauten
Matten, die von Sonnenküssen duften
Und in klaren Sprudelbächen murmeln
Und mit blau und roten Glocken läuten,
Wenn der Bergwind lachend blasse Wolken
Von den Jochen jagt wie scheue Vögel;
Und er tollt verwegen sichern Sprunges
An den steilen Wänden dunkler Schluchten,
Hoch an sonnige Felsen festgeklammert,
Unter sich der Wasserstürze Wirbel,
Die mit feuchtem Staube ihn besprühen,
Und er birgt sich in dem Tannenforste,
Wo die Stille seine Schritte dämpfet, –
Da gedenkt er einmal noch der Berge,
Einmal noch der Burg im Sonnenlichte,
Und er zaudert eine kurze Weile
Und er zittert in dem tiefen Schweigen,
Das wie Mauern drohend ihn umraget,
133 Dann enteilt er schnell dem dunkeln Tore,
Atemlos, und weit vor seinen Füßen
Liegt der Menschen Erde, fremd und lieblich,
Und es winken bleiche, schlanke Birken
Und sie lächeln und sie flüstern leise:
»Kommt er heute, Balder, aller Liebling?«

Und die Eschen und die Haselbüsche,
Wilde Blumen unter magern Halmen,
Grau Gestein und blasse Heckenrosen,
Alle drängen sich heran zum Wege,
Wollen gierig seiner Kunde lauschen.
Und geschwätzig ruht er eine Weile
Und vertraulich redet er zu ihnen:
»Vieles hört ich droben vor dem Schlosse
Und nicht alles kann ich euch erzählen,
Aber dieses mögt ihr gern vernehmen:
Nimmer wird der blonde Liebling kommen,
Nimmer läßt ihn Odin von sich ziehen,
Seinen jüngsten Sohn, ins Land der Tiefe,
Will ihn fesseln mit den stärksten Banden,
Will ihn bannen mit dem letzten Spruche,
Will ihn töten mit der eignen Waffe.
Alle Asen hat sein Wort versammelt
Vor der Burg zum heiligen Frühlingsopfer,
Jeder soll die eigne Hand erheben
Gegen ihn, den alle, alle lieben, –
Also wollen sie dem Tod ihn geben
Für die Spanne eines kurzen Tages,
Wollen ihm die kranke Sehnsucht töten,
134 Daß er wieder lebe mit den andern,
Daß der Asensohn auf Asgard weile.«

Traurig schütteln alle wilden Blumen
Ihre windzerzausten Köpfe, traurig
Neigen tief die Halme ihre Nacken,
Und die Heckenrosen flüstern leise:
»Als die Ersten wollten wir ihn grüßen,
Als die Ersten seinen Einzug segnen
Oder doch, wenn er uns nicht beachtet,
Uns erfreun an seinen klaren Augen.
Aber weh, umsonst war unser Blühen,
Und wie Tausende von unsern Schwestern
Liegen morgen wir im grauen Staube,
Nicht einmal von seinem Fuß zertreten,
Nicht gestreift von seinem weißen Mantel.«

Aber lachend rufen laut die Eschen
Und sie schütteln ihre schwanken Zweige:
»Reise weiter, Weg, mit deinen Mären!
Andre mögen deine Weisheit glauben,
Die du wie ein Krämer feilgeboten,
Tand und Flitter preisend als Geschmeide.
Wisse du: aus edlem Eschenstamme
Ward einst Odins schneller Speer geschnitten,
Und es dorren eher auf der Erde
Alle Eschen hin in einer Stunde,
Als daß jenes Holz die Spitze bohre
In den Leib des blonden Asensohnes;
Jäh im Wurfe wird die Waffe stocken,
135 Wenn nach jenem Ziel ihr Herr sie sendet.
Also trägt, wer vor den Toren lauschet,
Die erstohlne Kunde in die Ferne,
Er hat schlecht gehört und falsch verstanden!«

Und die Steine poltern plumpes Lachen
Aus den grauen, furchigen Gesichtern:
»Alter Schwätzer, troll dich deines Weges!
Deinem Staube magst du solches bieten
Und dem Sand am Meer, dem windgescheuchten,
Welcher jedem Lüftchen lauscht und folget,
Aber keinem ehrlich harten Felsblock!
Aus des Berges Herz hat seinen Hammer
Tor geschnitzt, und eher stürzen alle
Die Gebirge schwach in Staub zusammen,
Als daß jene Waffe Wunden schlage
In die Stirn des blondgelockten Jünglings.
Andre Kunde ist uns heut geworden
Als die Trauermär aus deinem Munde,
Und du bist es nimmer wert, daß Balder
Je auf deinen staubigen Spuren schreite.
Troll dich weiter nur, du loser Schwätzer!«

Und der Weg in stolzer Stille schreitet
Gradeaus und mitten durchs Gefilde,
Schaut nicht um und blinzelt nicht zur Seite,
Aber murmelt leise vor sich nieder:
»Also leben die armseligen Wesen,
Diese Blumen, diese Haselhecken,
Diese groben Steine und die Halme, –
Leben bettelhaft ihr ganzes Leben
Auf dem gleichen Fleck und von der einen,
Blassen Hoffnung. Wag es, in die Ferne
Sie zu locken oder zu belehren!
Für das eine zahlen sie mit schnödem
Undank und verkümmern dir vor Sehnsucht,
Für das andre lohnen sie mit Schmähen
Und verstocken sich in ihren Träumen.
Armes Volk, das nie die Welt gesehen,
Armes Pack, – wie eng ist solch ein Dasein!«

Doch die Birken und die Heckenrosen
Recken wieder sich und spähen aufwärts
Nach dem dunkeln Tannenforst, aus dem er
Groß und strahlend schreiten wird zu ihnen,
Er, den alle lieben und erharren,
Er, vor dem sie alles Leid verschweigen,
Alle Not und Pein verhüllen wollen,
Er, den Wasser nicht und Stein und Eisen
Und kein Holz verletzen wird am Leibe. –

Langsam pflügt das Sonnenschiff die Wellen
Des erblassend blauen Himmelmeeres,
Und von seinen stolzen Masten schimmern
Feuerrote Wimpel, und vom Decke
Leuchtet greller Glanz als wie von Schilden,
Leuchtet weit hinaus und färbt die Wogen,
Daß sie dampfen wie von warmem Blute;
Doch das Schiff mit breiten Segeln gleitet
Ruhig vorwärts zu den weißen Küsten,
137 Die vom Widerschein gerötet glühen,
Und gewinnt mit sicherm Kiel die stille,
Tiefe Bucht der starren, fernen Berge.

Und das Asenvolk, auf grüner Heide
Vor der Burg versammelt, schaut das Schauspiel.
Schon geschichtet zu dem letzten Brande
Ragen von den sieben Felsen dunkel
In die Luft die hochgetürmten Stöße.
Und sie harren auf das Wort des Königs
Und sie spähen nach den Toren Asgards.

Nieder auf der breiten Treppe steigen
In den Burghof Odin mit dem Speere
Und gebeugt der greise Wane Mimir.
Odins Auge mißt des Volkes Menge
Und er sucht den Sohn, den Letztgebornen,
Den er senden soll in weite Ferne,
Den ihm rauben will das dunkle Schicksal,
Und er hebt auf steilem Nacken trotzig
Sein gefurchtes, weißes Haupt und lächelt.
Aber Mimir plötzlich hemmt die Schritte,
Legt die Hand auf Odins Arm und murmelt:
»Hörst du nicht das Traben ferner Rosse,
Raschen Hufschlag, schlachtfeldlüstern Schnauben?
Schon zum drittenmal am heutigen Tage
Ist mein Herz vor diesem Laut erschrocken,
Und mein Auge starrt in tiefes Dunkel.
In des Frühlingsfestes sechs versunknen
Tagen hab ich Asgards Ruhm gesungen,
138 Doch die siebente der heiligen Nächte,
Welche drohend aus der Tiefe steiget,
Wird aus ihrem finstern Schoß gebären
Eine Tat, die du und ich nicht ahnen
Und die du und ich nicht künden werden.
Harter Huf erklirrt, und Rossesnüstern
Schnauben gierig, und der Himmel blutet, –
Doch mein Auge starrt in tiefes Dunkel,
Meine Hände tasten Todesstille –.«

Aber Odin, langsam weiterschreitend,
Murmelt leise aus den harten Lippen:
»Schicksals Hufschlag dröhnt dir in die Ohren,
Aber schneller als sein plumper Fausthieb,
Der mir meinen Liebling will entführen,
Soll der flinke Pfeil die Luft durchschwirren,
Welchen Asenlist dem Unhold sendet.
Und ob diesem Klang und diesem Sange
Soll dein altes Herz in Jubel zittern,
Und von dieser Tat, die Odin schmiedet,
Der des Schicksals Macht mit List bezwinget,
Sollst du manchen Frühling noch uns singen!«

Und sie schreiten durch die breite Gasse,
Die das Volk dem Herrn und König öffnet,
Und sie treten zu der breiten Eiche
In den Schatten der gewaltigen Aeste,
Und nachdem das Volk den Ring geschlossen,
Hebet Odin hoch die speerbewehrte
Rechte und gebietet allen Ruhe:

139 »Letzter Tag des heiligen Frühlingsfestes
Neigt sich müde in den Schoß des Abends,
Letzte Nacht der sieben Asennächte
Wird erstrahlen von den Freudenfackeln.
Und die Flammen, die zum Himmel brennen,
Weisen weit hinaus den Weg dem Wandrer,
Welchen Asgard in die Ferne sendet.
Eignen Pfad hat sich sein Stolz bemessen,
Eigne Wehr hat sich sein Mut erkoren:
Pfad der Sehnsucht, Wehr des reinen Willens.
Balder, du mein Sohn und aller Liebling,
Tritt hervor aus der Gefährten Kreise,
Der sich flehend um dich schlingen möchte,
Tritt hervor, daß dich dein Vater weihe
Zu dem Werk und daß wir alle schenken
Deinem Schritt den starken Wandersegen!«

Und aus Lokis Freundesarmen löst sich
Balder und durchbricht die engen Reihen,
Tritt vor seinen Herrn und Vater Odin, –
Aber sieh, vor seinen Füßen hebt sich
Aus der Erde eine schlanke Blume,
Leuchtend mit den goldnen, zarten Blüten
Wie im Wind ein steiles, schwankes Flämmlein.
Und er beugt die Kniee, senkt sich nieder,
Legt die beiden Hände schützend auf sie
Und er spricht zu ihr mit lauten Lippen:
»Ja, ich komme, ja, ich hör euch rufen,
Ihr Geringsten unter allen Schwachen,
Ja, ich will auf meinen eignen Schultern
140 Eure Lasten vor den Großen schleppen,
Will auf meinen Lippen eure Klagen
Und in meinen Augen eure Aengste
Vor ihn tragen, der euch hieß zu leben.
Weilen will ich dort, wo Sicheln singen,
Lauschen, wo die Bäume ächzend fallen,
Wo der Schnee das kalte Grabmal türmet,
Wo der Hunger wirkt und Seuche mordet,
Lauschen will ich jedem Sterbelaute,
Jedem Tiergestöhn und Menschenweinen
Und der stummen Klage in der Stille,
Und ich will, des Lebens Knecht und Bote,
Als ein Schrei zu ihm, dem Schöpfer, dringen.«

Und er hebt sich langsam von der Erde
Und er blickt aus seinen klaren Augen
Auf den Vater, aber Odin mächtig
Spricht zu ihm und allem Volk die Worte:
»Nicht als Knecht und als Geringster ziehet
Asgards jüngster Sohn ins weite Leben, –
Du bist Herr, und wo dein Antlitz strahlet,
Neigt sich alles, – neigt sich Odins Waffe
Selber, der sich alle Dinge beugen.«
Und mit weitem Sprunge rückwärts tretend
In den Ring des Volkes, schwingt er federnd
In der Faust den Speer, das Ziel bemessend,
Und entsendet ihn, – die Luft erklirret
Von dem schrillen Sausen des Geschosses –,
Aber jäh vor Balders Brust erzittert
Der beschwingte Schaft und bebt die giere
141 Eisenspitze und die Wucht erstarret –,
Nieder sinkt der Speer und rollt im Grase
Weich vor Balders Fuß, noch leise klagend,
Wie ein Hund. der seinem Herren schmeichelt.

Jubelschrei entbricht dem Ring des Volkes:
»Balder lebt! Ihn rühret keine Waffe!
Odins Spruch ist seinem Leibe Panzer,
Jedes Ding ist seinem Leben dienstbar!«
Und sie brechen Zweige von den Bäumen,
Brechen Blumen auf der farbigen Heide,
Werfen sie aus schwachen Mädchenhänden,
Schleudern sie aus derben Knabenfäusten;
Männer spannen lachend ihre Bogen,
Pfeile schwirren jauchzend von den Sehnen,
Wuchtig wirbelt Thors gewaltiger Hammer
Durch die Luft – und stockt – und torkelt nieder,
Handbreit vor der blondgelockten Stirne,
Knickt im plumpen Fall die matten Pfeile,
Bettet faul sich in dem dichten Grase.
Aber jede Blume ist ein Jubel
Durch die froh bewegte Luft des Abends,
Legt sich kosend auf des Jünglings Schulter,
Schmiegt sich an die Wangen, in die Locken,
Rundet um die Stirne sich zum Kranze.

Also steht im Ring des Volkes Balder,
Blütenübersät, zerbrochne Waffen
Vor den Füßen, und die Eiche recket
Weithin über ihn die alten Arme, –
Aber Trauer füllt die klaren Augen,
Und die Lippen beben wehen Schmerzes.

Odin lachend ruft mit lauter Stimme:
»Auf! Nun laßt die Freudenfeuer lodern!
Laßt sie weit hinaus die Kunde tragen
Von der Asen ungebrochnem Willen,
Von der unbesiegten Herrschaft Odins.
Denn gefeit vor allem Leid und Sterben
Wandert Balder auf des Lebens Pfaden,
Und kein dunkles Schicksal wird die Hände
Je, die tückischen, nach seinem Scheitel
Gierig recken, allsolang auf Asgard
Meiner Faust der Wille nicht entgleitet.«

Da entringt sich Balders Mund ein Stöhnen
Und, die Arme auf der Brust verschränkend,
Spricht er laut zu Odin und den Asen:
»König, daß du deine Helden schonest,
Wenn sie ziehn in deinem Herrendienste,
Wenn sie reiten gegen deine Feinde,
Dieses ist dein Recht, und List ist Stärke.
Aber Vater, daß du zauberkräftig
Deinen Sohn in Waffen zwingst der Schande,
Mit dem Schild der Schmach den Leib ihm deckest,
Vor ihm sendest Boten des Betruges,
Hinter ihm von Feigheit ein Gefolge –,
Also zog noch nie aus Asgards Mauern
In die Ferne tatenfroh ein Ase.
Welch ein königlich und hehr Geleite!
143 Seiner wird in späten Frühlingsfesten
Sich der Sänger lachend noch erinnern
Und von Balder singen vor den Kriegern,
Wenn sie aus dem Rausch nach Kurzweil brüllen! –
O ihr Blumen, die ich also liebe,
Wollt ihr stumm mit Lüge mich bekränzen?
Nimmer hör ich eure stille Sprache,
Eure klaren Augen sind geschlossen,
Euer Duft erlosch, und eure Blätter
Sperren mir wie zarte Hände wehrend
Jeden Weg zu eures Lebens Herzschlag.
Ausgestoßen bin ich wie ein Fremdling,
Der im Abendlicht die Stadt betreten
Und durch unbekannte, finstre Gassen
Einsam irrt und dessen Faust vergeblich
An die harten Mauern pocht, und keine
Pforte öffnet sich, ihn einzulassen.
Also fühl ich, wie mein Blut erkaltet,
Fremd und fremder wird mir alles Leben,
Ewig lächelnde und tote Fratze.
Brüder, Freunde, hasset ihr mich alle?
Ist da keiner, dem das Herz erbebet,
Der den Zauber brechen kann, den starren?
Loki, du, Vertrauter meiner Sehnsucht,
Asenfeind, in dem die Rache brütet,
Hebe deine Hand und reiß die finstre
Binde mir von meinen armen Augen!
Danken will ich dirs, dem einzigen Freunde.«

Und der schwarzgelockte Wane schreitet
144 Zaudernd aus des Volkes Ring, doch Odins
Laute Stimme gellt: »Versuch es, Knabe,
Wenn du willst, daß deine Hand verdorre!
Laß uns schauen, ob sich etwas finde,
Das den Zauber Odins bricht, den starken!«

Aus dem Gürtel zerren Lokis Finger
Zitternd eine Flocke grau Gewölle,
Und er hebt auf hohler Hand sie wiegend
In die stille Luft: »Erkennst dus, Balder?
Schicksal spinnt daraus den Lebensfaden,
Webt das Totenhemd der Menschenseele.
Selber hast dus aus der dunkeln Tiefe
In der Asen stolze Burg getragen,
In das Frühlingsfest der Weltenherrscher, –
Nimm es wieder, daß es deinem Sehnen
Die geheimsten, stillen Wege weise.
Schau die Hand, o Balder –: nun ist alles
Zage Zittern von ihr abgefallen,
Und sie öffnet weit und hoch dem Freunde
Das verschlossne, schwarze Tor des Todes.«

Und er wirft die Flocke, und sie flattert
Wie ein grauer Vogel durch die Dämmrung,
Taumelt blind auf Balders Herz hernieder.
Und der blonde Ase hebt die Arme,
Und die Augen leuchten auf wie Sonnen,
Seine Lippen rufen laut: »Ich schaue –,
Schaue weite Wege und die Freiheit!«
Und nun brechen seine jungen Kniee –.

145 Windgeheul durchkreischt die Todesstille,
Tief im Marke stöhnt die graue Eiche,
Schreiend aus den aufgepeitschten Aesten
Heben sich die Adler und entfliehen
Wilden Flügelschlages in die Weite.
Sieben Feuer fahren prasselnd aufwärts,
Gluten speiend in das Sturmgewölke,
Dumpf erdröhnt die Luft von Rosseshufen,
Und es ducken sich die dunkeln Wälder.

Gell ein Ruf: »Wer sind die schwarzen Reiter,
Rasend auf der Regenbogenbrücke?«
Jauchzend gibt und lachend Loki Antwort:
»Wanen sind es, meine starken Brüder,
Brausend über die geschwungne Brücke!
Höret ihr der schnellen Rosse Schnauben?
Unter ihren silberblanken Hufen
Beuget sich der schwanke Strahlenbogen
Und zerbirst und bröckelt hinter ihnen.
Fackeln schwingen sie in ihren Fäusten –
Asgard brennt! – O herrlich Frühlingsfeuer –
Hierher Wanen, hierher, meine Brüder!
Loki ruft euch. Dieses ist die Stunde –«

Sausend bricht ihn Thors ergrimmter Hammer,
Und sein Mund verstummt. – Geheul der Schwerter,
Prall der Schilde, Pfeilgeklirr und Stöhnen,
Schlachtruf würgt sich wild aus wunder Kehle,
Weißer Scheitel klafft und färbt sich blutrot,
Roßhuf stampft auf matt gereckte Arme,
146 Feuer springen gierig auf und stürzen
Jäh zusammen, – aber groß und schweigend
Steht die Nacht vor sternelosem Himmel,
Beugt sich lauschend nieder zu dem letzten
Wimmern und erwürgts mit kalten Händen.

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