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Autobiographische Schriften

Fjodr Michailowitsch Dostojewski: Autobiographische Schriften - Kapitel 17
Quellenangabe
typeautobio
authorFjodr Michailowitsch Dostojewski
titleAutobiographische Schriften
publisherR. Piper & Co. Verlag
year1919
translatorE. K. Rahsin
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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»Tagebuch eines Schriftstellers.«

Aus der Zeitschrift »Der Bürger« vom Jahre 1873.

Einführung.

Erster Beitrag Dostojewskis in Nr. 1 der Wochenschrift »Der Bürger«, Januar 1873. Siehe Vorwort. E. K. R.

Am zwanzigsten Dezember erfuhr ich, daß alles schon entschieden und ich nunmehr Redakteur des »Bürger« war.Fürst W. Meschtscherski (geb. 1845), der Gründer und Herausgeber der Petersburger konservativen Wochenschrift »Der Bürger«, hatte Ende des Jahres 1872 Dostojewski zur Mitarbeiterschaft aufgefordert und dessen Bestätigung als Schriftleiter am 20. Dezember ohne Schwierigkeiten erlangt, da man Dostojewskis politische Richtung nun anders beurteilte, als in den vierziger Jahren und nach seiner Rückkehr aus Sibirien. – Von Dostojewskis ersten Werken waren »Arme Leute« im »Petersburger Almanach« erschienen, den Njekrassoff, der Proletarier und Dichter des Proletariats, 1846 herausgab; die übrigen Werke Dostojewskis bis zu seiner Verhaftung 1849 erschienen in Krajewskis liberalen »Vaterländischen Annalen«, deren Kritiker und Zugstück der »gefährliche« Bjelinski war. Auch 1859, nach seiner Rückkehr aus Sibirien, veröffentlichte Dostojewski die kleineren Romane »Der kleine Held« und »Das Gut Stepantschikowo« in den »Vaterländischen Annalen«. Von 1861–63 erschien alles, was er schrieb, in seiner Zeitschrift »Die Zeit«, so auch die »Winteraufzeichnungen über Sommereindrücke«, die, geschrieben nach seinem Besuch bei Herzen in London, deutlich Herzens Einfluß verraten. Die Herausgeber und Mitarbeiter der »Zeit« (der amtlich allein bestätigte Herausgeber war Dostojewskis Bruder, gegen den politisch nichts vorlag), Dostojewski, Apollon Grigorjeff und Strachoff, nannten sich »die Bodenständigen« (»Poischwenniki«), und namentlich der konservative Hegelianer Strachoff polemisierte in der »Zeit« aufs schärfste gegen Njekrassoffs »Zeitgenossen«, das Organ der Radikalen (oder der sog. »Nihilisten«), doch gleichzeitig wurde von Grigorjeff – der neben Strachoff von entscheidendem Einfluß auf Dostojewskis politisches Denken war – trotz seiner Beziehung zu den Slawophilen und seiner Mitarbeiterschaft an Pogodins »Moskowiter«, der ultranationale Katkoff verspottet (die Literatur sei für Katkoff Heluba, er habe nur ihre politische Macht erkannt und suche diese auszunutzen). Jedenfalls waren die Zensoren sich noch nicht darüber klar, ob sie die »Zeit« oder die Bodenständigen als linksstehend oder rechtsstehend betrachten sollten, und auf Katkoffs Denunziation hin wurde die Zeitschrift 1863 sistiert (vgl. S. 160 Anm.). Der Aufstand der Polen wurde damals zum Anlaß einer Prüfung und Scheidung der Geister in Rußland. Herzens Aufruf für die Polen (vgl. S. 175 Anm.) entzog ihm mit einem Schlage die ganze große Liebe der fortschrittlich, aber national gesinnten russischen Intelligenz und trieb diese seinem Gegner Katkoff zu, der nun in den »Moskauer Nachrichten« (1863 von neuem von ihm übernommen) einen leidenschaftlichen Feldzug gegen Herzen begann. Herzens in London erscheinendes Blatt »Die Glocke« (mit dem Epitaph »viros voco«), das bis dahin die führende Stimme der nicht reaktionären Mehrheit der Intelligenz gewesen war, verlor in kürzester Zeit vier Fünftel seiner Abonnenten und ging 1865 ein. 1864–65 arbeitete Dostojewski nach dem frühen Tode Grigorjeffs (1864) mit Strachoff in konservativ-nationalem Sinne an der Herausgabe der »Epoche« (die Fortsetzung der sistierten »Zeit«), die aus finanziellen Gründen im Frühjahr 1865 einging, 1866 erschien sein erster großer Roman »Rodion Raskolnikoff« in Katkoffs konservativem »Russischen Boten«, 1868 »Der Idiot« und 1871–72 »Die Dämonen« in demselben Blatt, das inzwischen zum Organ der geistigen Elite geworden war. Danach wurde er 1872 ohne Bedenken von seiten der Polizei als Redakteur bestätigt. E. K. R. Dieses außergewöhnliche Ereignis, d. h. außergewöhnlich nur für mich (ich will niemanden beleidigen) – vollzog sich indes auf eine ganz einfache Weise. Und an demselben zwanzigsten Dezember las ich in den »Moskauer Nachrichten« einen Bericht über die Hochzeit des Kaisers von China, der einen mächtigen Eindruck in mir hinterließ. Dieses großartige und allem Anscheine nach überaus komplizierte Ereignis hat sich nämlich gleichfalls auf eine erstaunlich einfache Weise abgespielt: es war da alles schon seit tausend Jahren vorgesehen und festgesetzt, alles bis in die kleinste Einzelheit, in fast zweihundert Bänden des Zeremoniells. Als ich nun die ganze Größe dieses chinesischen Ereignisses mit meiner Ernennung zum Redakteur verglich, – empfand ich plötzlich eine gewisse Undankbarkeit für unsere vaterländischen Einrichtungen, ungeachtet dessen, daß man mich so leicht bestätigt hatte, und ich dachte bei mir, daß es für uns, d. h. für mich und den Fürsten Meschtscherski, in China ganz unvergleichlich leichter wäre als hier, den »Bürger« herauszugeben. Dort ist alles so klar ... Wir würden uns beide an dem bestimmten Tage auf dem dortigen Hauptamt für die Presseangelegenheiten einfinden und vertreten. Nachdem wir mit der Stirn auf den Fußboden gestoßen und diesen mit der Zunge geleckt, würden wir aufstehen, die Zeigefinger vor uns in die Höhe heben und zugleich ehrfurchtsvoll die Köpfe neigen. Der Hauptgewalthaber in Sachen der Presse würde natürlich keine Miene verziehen und tun, als schenke er uns nicht die geringste Beachtung, wie irgendwelchen hereingeflogenen zwei Fliegen. Doch der dritte Gehilfe seines dritten Sekretärs würde sich hierauf erheben und, das Diplom meiner Ernennung zum Redakteur in der Hand, mit eindringlicher, jedoch freundlicher Stimme die von den Gesetzen des Zeremoniells hierfür bestimmte Belehrung aufsagen, – eine an sich so klare und so verständliche Belehrung, daß uns beiden das Anhören derselben unsagbar angenehm wäre. Und im Falle ich in China so dumm und so reinen Herzens wäre, daß ich, der Schwäche meiner Fähigkeiten mir wohl bewußt, nun, wo ich mich zur Übernahme einer Schriftleitung anschickte, Angst und Gewissensbisse verspürte, so würde mir sofort bewiesen werden, daß ich doppelt dumm sei, wenn ich solche Empfindungen hegte. Daß ich vielmehr von eben diesem Augenblicke an überhaupt keinen Verstand brauchte, selbst wenn ich einen hätte! Ja, es sei sogar, im Gegenteil, unvergleichlich zuverlässiger, wenn gar keiner vorhanden sei. So etwas aber wäre doch – ohne Zweifel – wirklich höchst angenehm zu hören. Und nachdem der dritte Gehilfe des dritten Sekretärs mit den schönen Worten die Rede geschlossen: »Gehe hin, Redakteur, von nun an kannst du mit neuer Gewissensruhe Reis essen und Tee trinken,« würde er mir ein schönes Diplom, das auf rotem Atlas mit goldenen Lettern gedruckt ist, überreichen. Fürst Meschtscherski würde eine schwerwiegende Sportel aus seiner Hand gleiten lassen, und dann würden wir beide, nach Hause zurückgekehrt, sogleich die prachtvollste Nummer des »Bürger« herausgeben, eine, wie wir sie hier niemals herausgeben werden. In China würde es uns vortrefflich gelingen.

Allein ich argwöhne, daß in China Fürst Meschtscherski mich unbedingt mit einem Hintergedanken aufgefordert haben würde, Redakteur zu werden, nämlich hauptsächlich zu dem Zweck, um sich von mir auf dem Hauptamt der Presseangelegenheiten stets dann vertreten zu lassen, wenn er ersucht wird, sich dort einzufinden, um Schläge mit Bambusstäben auf die Fußsohlen in Empfang zu nehmen. Doch ich würde ihn dort schnell überlisten: ich würde sofort aufhören, den »Bismarck«Gemeint ist einer der zahlreichen Romane des Fürsten Meschtscherski »Einer von unseren Bismarcks«, der damals im »Bürger« erschien und die Petersburger höhere Gesellschaft nicht ohne satirischen Beigeschmack schildert. E. K. R. weiter zu drucken, dafür aber selbst vorzügliche Artikel schreiben, – so daß man mich höchstens nach jeder zweiten Nummer zu den besagten Bambusstäbchcn rufen würde. Dafür würde ich aber lernen, Artikel zu schreiben.

Dort in China würde ich vorzüglich schreiben; hier ist das bedeutend schwieriger. Dort ist alles vorgesehen und alles vorausberechnet schon auf tausend Jahre; hier dagegen geht alles drunter und drüber noch auf tausend Jahre. Dort würde ich sogar unwillkürlich verständlich schreiben; so daß ich eigentlich nicht weiß, wer meine Artikel überhaupt lesen würde. Hier dagegen ist es, wenn man gelesen werden will, sogar weit ratsamer, unverständlich zu schreiben. Nur in den »Moskauer Nachrichten« werden die Leitartikel anderthalb Spalten lang geschrieben und sind – sonderbar! – dennoch verständlich; allerdings nur, wenn sie von der bekannten Feder herrühren.Gemeint sind die Artikel des reaktionären Publizisten Katkoff (1820–87), der seit 1863 eine so führende Rolle spielte, daß Herzen von ihm sagen konnte, er habe dem Zarismus den Journalismus aufgezwungen. 1877 setzte er gegen den ursprünglichen Willen der Regierung den Krieg für die Balkanslawen durch, für den auch Dostojewski mit aller Überzeugung eintrat. Seit 1881 unter Alexander III. persona grata. E. K. R. In der »Stimme« dagegen werden sie in einer Länge von acht, von neun, von zwölf und selbst von dreizehn Spalten geschrieben. Daraus sieht man, wieviel Spalten man hier verschwenden muß, um es durchzusetzen, daß man geachtet wird.

Mit anderen zu sprechen, – das ist bei uns eine ganze Wissenschaft. D. h., auf den ersten Blick mag es ja scheinen, daß es hier dasselbe sei wie in China: ganz wie dort gibt es auch bei uns einzelne sehr vereinfachte und rein wissenschaftliche Bräuche. Früher, zum Beispiel, bedeuteten die Worte »ich verstehe nichts davon« nur, daß der Betreffende, der sie aussprach, dumm war; hingegen jetzt – jetzt bringen sie einem die größte Ehre ein. Man braucht neuerdings nur mit offener Miene und stolz zu sagen: »Ich verstehe nicht die Religion, ich verstehe nichts von Rußland, ich verstehe so gut wie nichts von der Kunst« – und Sie stellen sich damit sogleich auf eine ganz außergewöhnliche Höhe. Und das ist besonders vorteilhaft, wenn Sie tatsächlich nichts verstehen.

Doch diese vereinfachte Manier beweist nichts. Im Grunde verdächtigt bei uns ein jeder den anderen der Dummheit, ohne jedes Nachdenken und ohne die Frage auch an sich selbst zu richten: »Oder sollte, in der Tat, nicht gerade ich dumm sein?« Also ein alle befriedigender Zustand, wie man meinen sollte, und doch, siehe da, ist niemand mit ihm zufrieden, sondern alle ärgern sich. Aber Nachdenken in unserer Zeit ist ja auch fast unmöglich: kostet zuviel. Man kauft lieber fertige Ideen. Die werden überall verkauft, sogar unentgeltlich; doch gerade unentgeltlich kommen sie noch teurer zu stehen, und das beginnt man schon zu ahnen. Das Ergebnis ist also: überhaupt kein Gewinn sondern die Unordnung herrscht nach wie vor.

Freilich, wir sind ein ebensolches China, bloß ohne seine Ordnung. Wir fangen kaum erst mit dem an, was in China schon beendet wird. Zweifellos werden wir einmal zu demselben Ende kommen, aber wann? Um tausend Bände »Zeremonien« anzunehmen, zwecks endgültiger Erwerbung des Rechts, über nichts mehr nachdenken zu müssen, – dazu müssen wir noch mindestens ein Jahrtausend des Nachdenkens durchleben. Und was sehen wir? – niemand will den Ablauf der Frist beschleunigen, denn niemand will nachdenken.

Hinwiederum: wenn niemand nachdenken will, so muß doch, sollte man meinen, der russische Schriftsteller es um so leichter haben. Ja, das ist allerdings der Fall; und wehe dem Schriftsteller und dem Herausgeber, der in unserer Zeit nachdenkt! Noch schlimmer erginge es dem, der selber lernen und begreifen wollte; doch am schlimmsten ist der daran, der das aufrichtig eingesteht; und wenn er dann gar erklärt, daß er manches schon ein wenig begriffen habe und seinen Gedanken nun aussprechen wolle, so wird er im Handumdrehen von allen verlassen. Ihm bleibt dann nichts anderes übrig, als sich irgendein passendes Menschlein herauszusuchen oder ein solches womöglich zu mieten und sich nur mit diesem Menschen zu unterhalten; vielleicht nur für ihn allein die Zeitschrift herauszugeben.

Eine höchst widerwärtige Lage, denn das ist doch ebensogut wie mit sich selbst sprechen und die Zeitschrift nur zum eigenen Vergnügen herausgeben. Ich vermute stark, daß der »Bürger« noch lange mit sich allein zum eigenen Vergnügen wird sprechen müssen. Und da bedenke man meinetwegen nur dies Eine, daß nach der medizinischen Wissenschaft Gespräche mit sich selbst Anlage zum Irrsinn bedeuten. Der »Bürger« muß aber doch unbedingt mit Bürgern sprechen und eben darin besteht sein ganzes Unglück!

Nun wohl, einem solchen Unternehmen habe ich mich jetzt angeschlossen. Meine Lage ist eine im höchsten Maße unbestimmte. Ich werde also mit mir selbst sprechen und nur zu meinem Vergnügen, – in der Form dieses »Tagebuchs«, gleichviel was dabei herauskommt. Wovon ich sprechen werde? Von allem, was mir auffällt oder was mich zum Nachdenken zwingt. Sollte ich aber einen Leser finden und – Gott behüte! – gar einen Opponenten, so weiß ich doch, daß man eine Unterhaltung zu führen verstehen und stets wissen muß, mit wem man und wie man spricht. Das zu erlernen werde ich mir Mühe geben, denn bei uns ist das ja am schwersten, ich meine: in der Literatur. Zudem gibt es ja auch verschiedene Opponenten: nicht mit jedem kann man ein Gespräch anfangen. Ich will hierzu eine Fabel erzählen, die ich vor ein paar Tagen hörte. Man sagte mir, es sei eine uralte Fabel, womöglich indischen Ursprungs, was überaus beruhigend ist.

Einmal geriet ein Schwein mit einem Löwen in Streit und forderte ihn zum Duell. Nach Hause zurück gekehrt, besann es sich und bekam Angst. Die ganze Herde versammelte sich, man dachte nach und beschloß also:

»Sieh', Schwein, hier in der Nähe ist eine Grube; geh' hin, wälze dich gründlich in ihr herum und erscheine dann so auf dem Kampfplatz. Du wirst sehen.«

Das Schwein tat wie ihm geheißen. Der Löwe kam, schnupperte, zog die Nase kraus und ging weg. Noch lange nachher rühmte sich das Schwein, daß der Löwe Angst bekommen habe und vom Kampfplatz weggelaufen sei.

Dies die Fabel. Natürlich, Löwen gibt es bei uns nicht, – das Klima ist nicht danach; und es wäre auch gar zu großartig. Doch setzen Sie an die Stelle des Löwen einen anständigen Menschen, der zu sein eines jeden Pflicht ist, und die Moral ist dieselbe. übrigens, ich will hier noch ein kleines Erlebnis erzählen.

Einmal, während eines Gesprächs mit dem seligen Herzen,Im Sommer 1862 in London. Das erwähnte Buch ist eine erste Abrechnung Herzens mit seinen revolutionären Illusionen. äußerte ich mich mit größtem Beifall über eines seiner Werke, – über das Buch »Vom anderen Ufer«. Über dieses Buch hat sich zu meiner aufrichtigen Freude auch M. P. PogodinHistoriker (1800–75), reaktionärer Chauvinist, gab die slawophile Zeitschrift »Der Moskowiter« heraus, zu deren Mitarbeitern früher auch Apollon Grigorjeff gehört hatte. Pogodin war ein Kollege und Freund von Schewyreff (vgl. S. 84), 1835 wurde er vom Grafen Uwaroff (Unterrichtsminister von 1833–49) zum Professor der Geschichte an der Moskauer Universität ernannt, damit er die Orthodoxie im imperialistischen Sinne verteidige. Uwaroff hatte das offizielle Programm der Reaktion folgendermaßen formuliert: »Unsere gemeinsame Aufgabe besteht darin, dahin zu wirken, daß die Bildung der Nation in dem vereinten Geiste der Orthodoxie, Autokratie und Rationalität vor sich gehe ...« und »... Inmitten des schnellen Verfalls der religiösen und bürgerlichen Institutionen in Europa, bei der Verbreitung der revolutionären Ideen allerorts, ist es Pflicht, das Vaterland auf einem unerschütterlichen Boden zu befestigen ...« Auf diesem Boden der Formel Uwaroffs »Orthodoxie, Autokratie, Nationalität« stand dann auch das Zarenwort an den Unterrichtsmittel: »Schränke die Bildung ein«, und gegen diesen »Prometeus (Uwaroff«), der das Feuer nicht Jupiter, sondern den Menschen stahl«, lichtete Herzen seine geistreichsten Angriffe. E. K. R. – in einem ausgezeichneten und interessanten Artikel über seine Zusammenkunft mit Herzen im Auslande – durchaus lobend geäußert. Dieses Buch ist in der Form eines Gesprächs zwischen dem Autor und seinem Widerpart geschrieben.

»Und besonders gefällt mir daran,« bemerkte ich unter anderem, »daß Ihr Opponent gleichfalls sehr klug ist. Sie müssen doch zugeben, daß er Sie in vielen Fällen an die Wand drückt.«

»Ja, eben darin liegt ja der ganze Witz,« sagte Herzen lachend. »Warten Sie, ich werde Ihnen eine Anekdote erzählen. Einmal, als ich in Petersburg war, schleppte mich Bjelinski zu sich, ich mußte mich hinsetzen und einen Artikel anhören, an dem er gerade mit Eifer schrieb: ,Ein Gespräch zwischen Herrn A. und Herrn B/.' (Der Artikel ist später in die Gesamtausgabe seiner Werke aufgenommen worden.) In diesem Artikel ist Herr A., natürlich Bjelinski selbst, als ein sehr kluger Mensch gezeichnet, Herr B. dagegen, sein Opponent, als etwas weniger klug. Als er geendet hatte, fragte er mich in fieberhafter Erwartung:

»Nun, was, wie findest du's?«

»Tja, gut, ganz gut, und man sieht, daß du sehr klug bist, nur – was macht dir denn das für einen Spaß, mit einem solchen Dummkopf deine Zeit zu vergeuden?«

Bjelinski warf sich auf den Diwan, mit dem Gesicht aufs Kissen, und schrie, fast erstickend vor Lachen:

»Erschlagen! Erschlagen!«

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