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Aus Ketten und Banden

F. Bernard: Aus Ketten und Banden - Kapitel 4
Quellenangabe
authorF. Bernard
titleAus Ketten und Banden
publisherVerlag von Herrmann Starke
year1897
printrunErstes Tausend
translatorA. Rudolph und Richard Otto
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20171226
projectidff945610
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Demetrius Soter.

– 162 v. Chr. –

Demetrius war von seinem Vater Seleucus Philopater als Geisel nach Rom geschickt worden. Nachdem Seleucus von Antiochus ermordet worden war, und dieser sich zum König von Syrien gemacht hatte, bat Demetrius den Senat, ihm seine Freiheit wieder zu geben und den Thron seines Vaters einnehmen zu lassen. Aber die Senatoren, so erzählt Polybius, waren wohl von den Worten des Demetrius gerührt, hielten es aber für das Wohl des Staates für besser, den Prinzen in Rom zu behalten und den Sohn des Antiochus als Thronerben in Syrien anzuerkennen.

Einige Zeit darauf wollte Demetrius einen neuen Versuch beim Senate machen, und befragte deshalb Polybius. Dieser antwortete ihm: »Stoßt Euch nicht ein zweites mal an denselben Stein, vertraut nur auf Euch selbst und Eure Kühnheit, zeigt Euch des Thrones würdig.«

Der junge Mann wünschte ohne Zweifel einen Rat, der mit seiner Ansicht übereinstimmte und befolgte den von Polybius nicht. Als man aber sein Gesuch ein zweites mal abgewiesen hatte, fand er, daß Polybius recht hatte, und dachte nun ernstlich an seine Flucht. Diodorus, sein Erzieher, war gerade aus Syrien gekommen und versicherte ihn, daß, wenn er sich jetzt dem Volke zeige und auch nur einen Diener als Gefolge habe, man ihn doch sofort zum Könige ausrufen würde.

Polybius, Diodorus und einige andere Freunde des jungen Prinzen verpflichteten sich, ihm zu dienen. Ein karthagisches Schiff, welches gerade an der Tibermündung lag, wurde im Auftrage von Demetrius gemietet. Die Überwachung seitens der Obrigkeit scheint nicht sehr streng, gewesen zu sein, denn der Handel wurde offen abgeschlossen, und ohne Vorsichtsmaßregeln unterhielt man sich mit der Mannschaft und setzte den Abfahrtstag fest. An diesem Tage lud Demetrius seine sämtlichen Freunde zu einem Gelage in ein Wirtshaus ein. Nur einige davon waren in das Geheimnis eingeweiht, um sich zu einer bestimmten Zeit mit ihren Sklaven auf das Schiff zu begeben. Polybius, der durch Krankheit ans Bett gefesselt war, fürchtete, daß der junge Mann sich den Freuden der Tafel zu sehr ergeben möchte und daß der Wein, den er sehr liebte, ihm die Abfahrtsstunde versäumen ließe. Er sandte daher am Spätnachmittage einen Sklaven zu ihm, der Demetrius in einer dringenden Sache zu sprechen verlangte, um ihm ein Billet zuzustellen, welches ihn an sein Vorhaben erinnerte. Nachdem der Prinz es gelesen hatte, stellte er sich, als ob er das Unwohlsein habe, wegen welchem man in jener Zeit in Rom die Festlichkeiten beendete. Er ging mit seinen Vertrauten fort und schickte von seiner Wohnung aus seine Diener nach Anagnia (jetzt Anagni, 75 Kilometer von Rom) mit dem Befehle, ihm am zweitnächsten Tage bis zum Berge Circeji mit den Jagdhunden entgegenzukommen. Da pflegte er Wildschweine zu jagen, und bei einer solchen Jagd hatte er Polybius kennen gelernt. Seine Freunde gaben ihren Leuten den gleichen Auftrag und schickten sie nach demselben Sammelplatz. Dann kamen sie in Reisekleidern wieder zu ihm, und alle zusammen gingen nach Ostia. Man hatte dem Schiffsführer sagen lassen, Demetrius bliebe in Rom, aber er sende seinem Bruder junge Leute, um ihm seine Befehle zu überbringen. Der Schiffsführer, dem es nur um die festgesetzte Geldsumme zu thun war, kümmerte sich wenig um das übrige, und Demetrius und seine Gefährten schifften sich unbehelligt in der Nacht ein. Mit Tagesanbruch ließ der Kapitän die Anker lichten und stach in See.

(Polybius, lb. XXXI, S. 12 etc.)

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