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Aus Ketten und Banden

F. Bernard: Aus Ketten und Banden - Kapitel 33
Quellenangabe
authorF. Bernard
titleAus Ketten und Banden
publisherVerlag von Herrmann Starke
year1897
printrunErstes Tausend
translatorA. Rudolph und Richard Otto
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20171226
projectidff945610
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Chateaubrun.

– 1794. –

Herr de Vaublanc berichtet in seinen Memoiren folgenden Fall:

»Ein Edelmann namens Chateaubrun war von dem Revolutionstribunal zum Tode verurteilt worden und man hatte ihn auf dem verhängnisvollen Karren nach dem Revolutionsplatze gebracht. Nach der Schreckensherrschaft trifft aber denselben Edelmann einer seiner Freunde, der bei seinem Anblick außer sich vor Staunen gerät und seinen Augen nicht zu trauen glaubt. Er bittet Chateaubrun um Erklärung und erfährt da folgendes.

Der Verurteilte wurde mit zwanzig anderen unglücklichen Opfern zum Tode geführt. Aber nach fünfzehn Hinrichtungen bricht ein Teil der schrecklichen Maschine und es wird ein Arbeiter geholt, um sie wieder in Stand zu setzen. Der Verurteilte stand mit den anderen Opfern beim Schaffot, die Hände auf dem Rücken gebunden. Die Ausbesserung dauerte sehr lange und der Tag ging zu Ende. Die sehr zahlreiche Zuschauermenge wendet ihre Aufmerksamkeit mehr den Arbeiten an der Guillotine zu als auf die den Tod erwartenden Opfer. Alle, selbst die Gendarmen hatten die Augen unausgesetzt nach dem Schaffot gerichtet. Resigniert oder entkräftet lehnte unser Verurteilter sich auf die hinter ihm stehenden Personen zurück. Diese machen, durch das Gewicht seines Körpers belästigt, unwillkürlich Platz; andere, deren Aufmerksamkeit ebenfalls mit dem Schauspiele vor ihnen beschäftigt war, thaten dasselbe. So kam er nach und nach in die letzten Reihen der Menge, ohne daß man ihn gesucht, noch überhaupt an ihn gedacht hätte.

Der Arbeiter durchschnitt den Strick. (Chateaubrun.)

Als die Maschine wieder hergestellt war, fuhr man mit den Hinrichtungen fort; man beeilte sich, fertig zu werden und bei eingetretener Finsternis gingen Henker und Zuschauer auseinander. Von der nachdrängenden Menge mit fortgeschoben, war Chateaubrun zuerst über seine Lage erstaunt und verwirrt, aber bald schien es ihm möglich, entkommen zu können. Er schlich nach den Champs-Elysées und wandte sich da an einen Mann, der ein Arbeiter zu sein schien. Er erzählte ihm lachend, daß Kameraden, mit denen er im Gehölz spazieren gegangen sei, ihm zum Scherze die Hände auf dem Rücken zusammengebunden, seinen Hut weggenommen und ihn dann allein gelassen hätten. Er bitte ihn, den Strick durchschneiden zu wollen. Der Arbeiter, der ein Messer bei sich trug, zerschnitt den Strick und freute sich dabei unbändig über den gelungenen Streich. Chateaubrun bat ihn dann, in einer der Wirtschaften bei den Elyséeischen Feldern etwas mit ihm zu genießen. Er stellte sich bei dem kleinen Mahle noch immer, als ob er jeden Augenblick erwartete, daß seine Freunde ihm den Hut zurückbrächten. Als natürlich niemand kam, bat er aufgebracht seinen Tischgenossen, ein Billet zu einem seiner Freunde zu besorgen, um ihm einen Hut zu bringen, da er doch unmöglich in bloßem Kopfe über die Straße gehen könne. Der Arbeiter, der nicht der klügste Kopf gewesen zu sein scheint, glaubte alles, bestellte das Billet und kam eine halbe Stunde darauf richtig mit dem herbeigerufenen Freunde zurück.

(Litterarische Korrespondenz, Dezember 1857. Auszug aus den Memoiren des Herrn de Vaublanc.)

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