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Aus Ketten und Banden

F. Bernard: Aus Ketten und Banden - Kapitel 26
Quellenangabe
authorF. Bernard
titleAus Ketten und Banden
publisherVerlag von Herrmann Starke
year1897
printrunErstes Tausend
translatorA. Rudolph und Richard Otto
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20171226
projectidff945610
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Forster, Mac-Intosh, Robert von Keith, Nithisdale und andere Führer des jakobitischen Aufstandes.

– 1715. –

Während des jakobitischen Aufstandes von 1715 wurde eine große Anzahl Anhänger des Ritters Sankt Georg in Preston zu Gefangenen gemacht, dann nach London gebracht und in Newgate und anderen Gefängnissen der Hauptstadt verwahrt.

Unter diesen Gefangenen befanden sich: Thomas Forster aus Bamborough, Sprosse einer hochangesehenen Familie, Parlamentsmitglied für die Grafschaft Northumberland, Anführer des Aufstandes im Norden von England; Mac-Intosh, gewöhnlich Brigadier Mac-Intosh genannt, ein Hochlands-Edelmann, der die Kriegsführung in französischen Diensten gelernt; Robert Hegburn von Keith, einer der Lairds, die zuerst das Banner des Ritters Sankt Georg aufpflanzten; Karl Radcliff, Bruder des Grafen von Derwentwater, einer der Anführer des Aufstandes in England, und die Grafen von Nithisdale und von Winton, die eine gleiche Rolle in Schottland gespielt hatten.

Wie fast alle ihre Unglücksgefährten hegten sie die Hoffnung, daß ihre bedingungslose Unterwerfung ihnen das Leben retten würde. Als sie aber sahen, wie sich Anklage auf Anklage aufeinander häufte, faßten sie den Entschluß, zu fliehen. Das ihnen zur Verfügung stehende Geld, die Freunde, die sie außerhalb besaßen, wie die Einrichtung der Gefängnisse, worin man sie festhielt, gaben ihren Fluchtversuchen mehr Aussicht auf Erfolg, als man hätte glauben sollen.

So hatte sich Thomas Forster Nachschlüssel verschafft, öffnete damit ganz kaltblütig die Gefängnisthüren von Newgate und entwich so in der Nacht zum 10. April 1716 auf diese einfache, wenig dramatische Weise. Ihm schien dieses Verfahren zweifellos ausgezeichnet, da es vollkommen glückte. Alles war zu seiner Flucht vorbereitet, und er entkam glücklich nach Frankreich.

Am 10. Mai darauf gelang es dem Brigadier Mac-Intosh, sich seiner Fesseln zu entledigen und gegen elf Uhr abends nach der Hausflur des Gefängnisses zu gelangen. Er stellte sich in die Nähe der Thür, und in dem Augenblick, als man öffnete, um einen Diener zu dieser späten Stunde einzulassen, was nicht sehr für die Ordnung im Gefängnisse spricht, warf er den Wärter nieder und entfloh mit vierzehn seiner Gefährten. Einige wurden in den Straßen wieder festgenommen, da sie keinen Zufluchtsort wußten, aber Mac-Intosh gelang es, sich in Sicherheit zu bringen.

Unter den Gefangenen, die zu gleicher Zeit entwichen, befand sich Robert von Keith. Bei seiner außergewöhnlichen Körperstärke gelang es ihm, den Schließer zu überwältigen und ihm die Hände zu binden. Dann war er auf die Straße geflohen, ohne verfolgt zu werden. Er wußte, daß seine Frau und die meisten der Seinen sich in London befanden und bereit waren, ihm zu Hilfe zu kommen, wie sollte er sie aber in einer so großen Stadt wie London und, vermutlich unter einem angenommenen Namen, entdecken? Während er, von dieser Ungewißheit beunruhigt, umherirrte und fürchten mußte, durch die geringste Frage entdeckt zu werden, bemerkte er zu seinem nicht geringen Erstaunen an einem Fenster ein altes Silbergerät, das seit langer Zeit der Familie Keith gehörte, und welches man die Trinkkanne der Keith nannte. Ohne weiter zu fragen, trat der Flüchtling erfreut in das Haus, wo er seine Frau und Kinder vermutete, und wurde auch wirklich von ihnen mit offenen Armen empfangen. Als sie von seinem Fluchtplan erfuhren, hatten sie sich so nahe wie möglich am Gefängnisse eingemietet, um ihm eine sichere Zufluchtsstätte zu bieten; sie hatten aber nicht gewagt, ihm ihren Aufenthaltsort mitzuteilen, und daher nur das seltene Silbergefäß ans Fenster gesetzt in der richtigen Erwartung, daß es ihm in die Augen fallen werde. – Es gelang Keith später, nach Frankreich zu entkommen.

Auch die zum Tode verurteilten Charles Radcliff und Lord Winton fanden ungefähr um dieselbe Zeit Mittel, aus dem Gefängnis zu entweichen, sei es, daß ihre Wächter nicht sehr wachsam waren, oder daß es leicht war, durch Bestechung ihre Überwachung weniger streng zu machen.

Den größten Eindruck auf das Volk machte aber die Entweichung des Grafen Nithisdale, der ebenso wie die meisten seiner Unglücksgefährten zum Tode verurteilt war.

Man hatte die größten Anstrengungen gemacht, um das Leben dieser unglücklichen Edlen zu retten, aber alles war unnütz. Lady Nithisdale, die Gattin des verurteilten Lord, eine ebenso schöne wie mutige Frau, die sich vergeblich dem König Georg zu Füßen geworfen hatte, um seine Gnade anzuflehen, entschloß sich, der Strenge des barbarischen Gesetzes Trotz zu bieten und ihren Mann zu retten. Sie hatte die Erlaubnis erhalten, ihn am Vorabend des zur Hinrichtung festgesetzten Tages besuchen zu dürfen und begab sich in Begleitung von zwei Frauen, die sie ins Geheimnis gezogen, in den Turm. Eine dieser Frauen trug doppelte Kleider und verließ, nachdem sie das Überkleid in der Zelle des Grafen Nithisdale gelassen hatte, sofort das Gefängnis. Die andere Frau gab dem Grafen ihre Kleider und zog selbst die an, welche die erste zurückgelassen hatte. In einen großen Mantel gehüllt und mit einem Taschentuch vor dem Gesicht, wie eine vom Kummer bedrückte Person, durchschritt der Graf unbeanstandet die Wachen, kam glücklich zum Turme hinaus, durch London hindurch und rettete sich nach Frankreich. Lady Nithisdale sollte nach dem Gesetze den heroischen Akt, welchen sie vollbracht hatte, mit dem Leben bezahlen, aber es gelang auch ihr zu entfliehen.

Was den Ritter Sankt Georg anlangt, der mit seinem Heere zur Brücke von Montrose gekommen war, so schiffte er sich heimlich ein, ebenso wie der Graf von Mar, sein Oberbefehlshaber, und einige andere Edelleute und überließ die getreuen Hochländer der Strenge der erzürnten Regierung. Er war besorgter für seine Person wie für die Unglücklichen, die ihr Leben und Vermögen für ihn gewagt hatten. So war seine Abreise eine wenig ehrenvolle Flucht, die übrigens durch nichts behindert wurde und die kein Interesse bietet. Das Gleiche kann man aber nicht von der Flucht seines Sohnes, des Prinzen Karl Eduard, sagen.

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