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Aus Ketten und Banden

F. Bernard: Aus Ketten und Banden - Kapitel 2
Quellenangabe
authorF. Bernard
titleAus Ketten und Banden
publisherVerlag von Herrmann Starke
year1897
printrunErstes Tausend
translatorA. Rudolph und Richard Otto
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20171226
projectidff945610
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Aristomenes gelangte an eine Öffnung.

Aristomenes, Feldherr der Messenier.

– 684 v. Chr. –

Der Feldherr der Messenier, Aristomenes, wurde in einer mörderischen Schlacht von den an Zahl bedeutend überlegenen und von ihren Königen angeführten Spartanern, trotz verzweifelter Verteidigung, besiegt. Er erhielt mehrere Wunden und darunter einen Steinwurf am Kopfe. Bewußtlos war er zu Boden gefallen und die Spartaner schleppten ihn mit fünfzig anderen Gefangenen nach Sparta, wo man beschloß, sie alle zusammen in die Cäada zu werfen. Dies war eine tiefe Schlucht, in welche man die zum Tode Verurteilten hinabzustürzen pflegte. So geschah es denn auch mit Aristomenes und seinen Waffengenossen. Sie kamen alle durch den Sturz ums Leben, nur Aristomenes wurde auch diesmal, wie so oft vor- und nachher, durch die Götter errettet. Diejenigen, welche von seinen Thaten mit besonderer Begeisterung berichten, erzählen, daß plötzlich ein Adler erschienen sei, der ihn auf seinen ausgebreiteten Schwingen unversehrt nach dem Grunde der Schlucht getragen habe, und daß dann irgend ein Zufall ihm den Ausgang aus der schauerlichen Höhle offenbarte.

In Wirklichkeit blieb er nach dem Sturze, in seine Kleider gehüllt, lang ausgestreckt am Boden liegen und glaubte, daß sein letztes Stündlein gekommen sei. Schon drei Tage waren so vergangen, als er ein Geräusch hörte. Aufmerksam blickte er nach der Richtung, von der es herkam, und entdeckte im Halbdunkel einen Fuchs, der sich an die Leichname heranschlich. Es war ihm sofort klar, daß das Tier nur durch irgend eine Öffnung in die Höhle hatte gelangen können. Er wartete ruhig, bis der Fuchs an ihn herangekommen war, ergriff ihn dann schnell mit der einen Hand am Felle, während er dem wütend um sich beißenden Tiere mit der andern seinen Chlamys (Mantel) entgegen hielt. So gelangte er durch die Windungen der Schlucht in die Nähe einer etwas höher gelegenen Öffnung, die groß genug war, um den Fuchs durchzulassen, und durch welche etwas Tageslicht eindrang. Aristomenes ließ nun das Tier los, welches sofort durch die Öffnung sprang und verschwand. Nun machte er sich daran, mit den Händen das Loch zu erweitern, bis er hindurchkriechen konnte. So gelangte er denn wieder zu seinen Mitbürgern zurück.

Diese Flucht aus der Cäada wurde als ein deutlicher Beweis des Schutzes der Götter angesehen.

(Pausanias, Beschreibung Griechenlands 9. Buch, Kap. 18.)

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