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Aus Ketten und Banden

F. Bernard: Aus Ketten und Banden - Kapitel 17
Quellenangabe
authorF. Bernard
titleAus Ketten und Banden
publisherVerlag von Herrmann Starke
year1897
printrunErstes Tausend
translatorA. Rudolph und Richard Otto
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20171226
projectidff945610
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Maria von Medicis.

– 1619. –

Als Marie von Medicis, nach der Ermordung ihres Günstlings de Concini, sich durch die Intriguen von Luynes von den Staatsgeschäften ausgeschlossen fand, erbat und erlangte sie die Erlaubnis, sich nach Blois zurückzuziehen (Mai 1617), wo sie aber bald als Gefangene behandelt wurde. Luynes umgab sie mit Spionen und legte Reiterabteilungen in die benachbarten Dörfer, um ihre geringsten Bewegungen zu überwachen. Aber der Herzog von Epernon und andere unzufriedene Herren, die sich vom Hofe zurückgezogen, suchten ihrer Partei mehr Bedeutung dadurch zu geben, daß sie die Königin-Mutter befreiten, um sie an ihre Spitze zu stellen.

Derjenige, welcher d'Epernon zu diesem Unternehmen bewog, war Ruccellai, der nur daran dachte, der Königin-Mutter zu dienen und besonders ihr die Freiheit wieder zu verschaffen. Zur Mitwirkung hielt er niemand für geeigneter, wie den Ritter de Bouillon, sowohl wegen seines Rufes und Einflusses, den er unter den Hugenotten hatte, deren man sich würde bedienen müssen, wie auch wegen der Festung Sedan, deren Kommandant er war, und wo er ihr Schutz gewähren konnte. Bei einem Besuche, den er der Königin unter großen Schwierigkeiten nachts und verkleidet machte, sprach er ihr davon und erhielt die Erlaubnis, mit de Bouillon zu unterhandeln und ihm alles zu versprechen, was zur Erlangung seiner Unterstützung dienen könne. Bouillon entschuldigte sich aber: er sei zu alt, stehe sich ziemlich gut mit dem König, wolle die Gnade genießen, die man ihm nach dem Tode des Marschall d'Ancre erwiesen habe und seine Tage in Ruhe beschließen. Aber da sei ja Herr d'Epernon, der kürzlich nach Metz gekommen und recht unzufrieden mit dem Minister de Luynes sei. Dieser sei gesund und jung und sei viel geeigneter zu helfen wie er.

Ruccellai schrieb dies der Königin-Mutter, und da er ihre Einwilligung fand, ließ er Vorschläge an d'Epernon ergehen, die dieser anfangs mit ziemlichem Mißtrauen aufnahm, sich aber schließlich überreden ließ. Er ließ Ruccellai zu sich kommen und behielt ihn, um alles in Ruhe besprechen zu können, einige Tage bei sich. Dann sandte er ihn zur Königin zurück und ließ ihr sagen, daß, wenn sie aus dem Schlosse von Blois heraus und nur über die Loire-Brücke kommen könne, so würde er sich am andern Ufer mit solchem Gefolge einfinden, daß trotz der Kavallerie-Besatzung von Blois und allem, was sich ihm vielleicht entgegenstelle, er sie nach Angoulême und dann überall hin, wo es nötig sei, führen würde. Die Königin ließ Ruccellai sagen, daß das sehr leicht wäre, und dieser drängte nun d'Epernon, die Ausführung des Planes zu beeilen, aber d'Epernon wollte die Ausführung des Unternehmens durchaus auf den Monat Februar des nächsten Jahres verschoben wissen.

Als zu dieser Zeit d'Epernon alle Vorbereitungen getroffen hatte, begab er sich nach Confolens, wo ihn der Erzbischof von Toulouse mit zweihundert seiner Ritter erwartete. Aber er fand, wie er erwartet, keine Nachrichten von der Königin-Mutter vor. Er ging daher weiter nach Loches und sandte gleichzeitig den Edlen du Plessis an die Königin-Mutter, um sie zu benachrichtigen, daß er bereit sei, und sich zu erkundigen, was sie zu thun gedenke. Sie ihrerseits war ebenfalls nicht ohne Unruhe, da sie keine Briefe erhielt und nicht wußte, was vorging. Als aber endlich du Plessis ankam und ihr mitteilte, daß Herr d'Epernon in Loches und alles so gut vorbereitet sei, daß sie ganz nach Belieben aufzubrechen brauche, entschloß sie sich kurz noch in derselben Nacht dazu. Und jetzt erst entdeckte sie sich dem Grafen von Brennes, ihrem Stallmeister, ihren Dienern und ihrer ersten Kammerfrau. Sie befahl dem Grafen von Brennes, sich um fünf Uhr morgens einzufinden und ihren Wagen mit sechs Pferden jenseits der Brücke bereit zu halten. Die anderen behielt sie bei sich, um mit ihnen ihre Juwelen und anderen Sachen einzupacken.

Mit diesen Vertrauten und der Kammerfrau stieg sie dann am 22. Februar sechs Uhr morgens aus dem Fenster des Saales auf die Terrasse hinaus, von wo man durch ein Stück eingefallener Mauer mit Leichtigkeit nach unten und zur Brücke gelangen konnte, ohne das Schloßthor oder die Stadt zu berühren. Darauf gingen sie über die Brücke, auf der sie zwei Männern begegneten. Einer davon äußerte, als er sie zu so ungewöhnlicher Stunde in Begleitung von zwei Männern kommen sah, sich sehr mißfällig darüber, der andere aber schien sie zu erkennen und zu vermuten, daß sie fliehe, denn er wünschte leise glückliche Reise. –

Am anderen Ende der Brücke fand sie ihren Wagen und stieg schnell mit ihrer Begleitung ein. Sie fuhren sofort nach Montrichard, wo Herr de Toulouse, der sich nicht für verpflichtet hielt, weiter vorzugehen, sie erwartete, um den Übergang des Cher-Flusses zu sichern. Epernon kam ihr bis eine Meile vor Loches entgegen. In Loches blieb sie zwei Tage, um sich auszuruhen und dem Könige zu schreiben, und begab sich dann nach Angoulême.

Nach langen Verhandlungen und zahllosen Intriguen, bei denen de Luynes und Richelieu, der damals noch Bischof von Lucon war, all ihre Geschicklichkeit entfalteten, und nachdem ihre Anhänger sich untereinander veruneinigt und sie zum größten Teil verlassen hatten, reiste Marie von Medicis von Angoulême nach Tours, wo Ludwig XIII. und Anna von Österreich sie erwarteten ...

(Memoiren von Fontenay-Mareuil.)

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