Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > F. Bernard >

Aus Ketten und Banden

F. Bernard: Aus Ketten und Banden - Kapitel 14
Quellenangabe
authorF. Bernard
titleAus Ketten und Banden
publisherVerlag von Herrmann Starke
year1897
printrunErstes Tausend
translatorA. Rudolph und Richard Otto
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20171226
projectidff945610
Schließen

Navigation:

Caumont de la Force.

– 1572. –

Zur Zeit des Blutbades der Bartholomäusnacht, als die Mordbanden schon in die Seinestraße eindrangen, wollte der Edle de la Force, der in diesem Viertel wohnte und den sein Bruder drängte, mit ihm und anderen protestantischen Edelleuten zu fliehen, seinen ältesten Sohn nicht verlassen, der Konvalescent und außer stande war, ihm zu folgen. Er schloß sich mit seinen beiden Söhnen in sein Haus ein und sah sich bald von Soldaten umgeben, die sie töten wollten. Er bot dem Anführer dieser Elenden zweitausend Gulden Lösegeld, und man führte sie nun in ein Haus der Straße des Petits-Champs, wo man sie unter Bewachung von zwei Schweizern ließ. Vorher hatte Herr de la Force sein Ehrenwort geben müssen, daß weder er noch seine Kinder versuchen wollten zu fliehen. Sklave seines Wortes, widerstand der unglückliche Vater den Befreiungsanerbieten seiner beiden Wächter und wollte selbst nicht einwilligen, daß sein jüngster Sohn in Sicherheit gebracht würde.

Am nächsten Morgen, erzählt de la Force in seinen Memoiren, kam der Graf Coconas mit vierzig oder fünfzig Soldaten, Schweizern und Franzosen, in die Wohnung. Coconas sagte zum Herrn de la Force: »Ich komme, um Sie im Namen des Bruders des Königs abzuholen, den man benachrichtigt hat, daß Sie gefangen gehalten werden, und der Sie sprechen will.«

Seine Haltung und sein feindseliges Auftreten ließen aber seine Absicht deutlich erkennen. Als sie ihre Kleidung etwas in Ordnung bringen und ihre Mäntel umnehmen wollten, sagte er, so viel Umstände wären nicht nötig. Sie sollten sich nur beeilen, ihm zu folgen. Darauf nahm man ihnen Mäntel und Hüte wieder ab, so daß sie richtig vermuteten, man wolle sie zum Tode führen.

De la Force hielt ihnen vor, daß man sie nicht in den Louvre führe, sondern zur Schlachtbank; er beklagte sich, daß man das ihm gegebene Wort breche und versicherte, daß das Geld für ihren Loskauf bereit sei.

Coconas ließ sie aus dem Hause bringen, jeden zwischen zwei Soldaten ..., und man führte sie zum Tode.

Der Vater ging zuerst, sein älterer Sohn folgte, und der jüngere kam zuletzt. Als sie an das Ende der Straße der Petits-Champs gekommen waren, schrieen die Soldaten plötzlich: »Tötet sie, tötet sie!« Man versetzte zuerst dem ältesten Sohn mehrere Dolchstiche. Er sinkt zu Boden und spricht: »Ach Gott, ich sterbe!« Der Vater wendet sich nach seinem Sohne um und fällt ebenfalls, von Dolchstichen durchbohrt. Der jüngste Sohn war mit Blut bespritzt, aber durch ein Wunder nicht getroffen. Er rief auch, als wenn es ihm der Himmel eingegeben habe: »Ich sterbe«, und ließ sich zwischen Vater und Bruder niederfallen. Diese erhielten noch mehrere Dolchstiche, als sie schon auf der Erde lagen, während er nicht einmal die Haut verletzt hatte. Gott beschützte ihn augenscheinlich. Obgleich die Mörder sie ausplünderten und nackt ohne Hemd ließen, bemerkten sie nicht, daß er keine Wunden hatte.

Als die Mörder sie abgethan glaubten, gingen sie fort und sagten: »Die drei sind besorgt.«

Wenn auch der Körper des jungen Caumont nicht getroffen war, so war dagegen sein Gemüt furchtbar erregt ... Er erzählt, daß sein Vater lange im Todeskampfe lag und er ihn mehrere Male seufzen hörte. Welche Angst und Bestürzung, sich zwischen dem grausam gemordeten Vater und Bruder zu befinden, deren Seufzer wie Dolchstiche in sein Herz dringen! Wenn er an die Zukunft dachte, was konnte er erwarten? Welche Hoffnungen konnte er unter solchen Verhältnissen hegen? Denn wenn Gott ihn auch bis dahin bewahrt hatte, so sah er wohl, ohne ein ebenso augenscheinliches Wunder wie das erste kann er sich nicht retten und gegen die grimme Wut des empörten Volkes schützen.

So blieb er hilflos liegen, bis gegen vier Uhr nachmittags Leute aus den benachbarten Häusern kamen und an die auf dem Boden liegenden Körper herantraten. Teils trieb sie die Neugier, teils das Verlangen aufzulesen, was die Henker etwa nachgelassen haben mochten. Ein Marqueur vom Ballspiel der Verdelet-Straße wollte ihm einen Leinenstrumpf abreißen, der an einem Beine geblieben war und drehte ihn um, denn er lag mit dem Gesicht auf der Erde. Als er sah, wie jung er noch war, rief er aus: »Oh! Das ist ja noch ein Kind! Was konnte der wohl Böses gethan haben?«

Als der junge Caumout dies hörte, erhob er langsam den Kopf und sagte ganz leise: »Ich bin nicht tot; ich bitte Sie, retten Sie mir das Leben!«

Der Mann legte ihm aber schnell die Hand auf den Kopf und sagte: »Rührt Euch nicht, sie sind noch nicht fort.« Er verhielt sich denn auch ganz ruhig. Nach einiger Zeit kam derselbe Mann wieder vorbei und sagte: »Steht auf, denn sie sind fort.« Gleichzeitig warf er ihm einen alten Mantel über die Schultern. Er that, als schlüge er ihn, während er ihn vor sich hergehen ließ. »Wen bringt Ihr da?« fragten die Nachbarn. »Das ist mein kleiner Neffe, der betrunken ist, und den ich gehörig durchhauen werde«, antwortete der Marqueur. So führte er ihn an den Wachtposten vorbei, die noch an allen Ecken standen, nach seiner Wohnung, und brachte ihn nach dem obersten Stockwerke in ein kleines Zimmer, wo sich seine Frau und sein Neffe befanden, und versteckte ihn dort in das Stroh seines Bettes.

»Rührt Euch nicht, sie sind noch nicht fort!«(Caumont de la Force.)

Der Marqueur hatte bemerkt, daß er einige Ringe an den Fingern hatte und sagte ihm, er möge ihm doch die Ringe geben, denn er sei arm und habe nicht einmal etwas, um ihm zu essen zu geben. Der junge Caumont de la Force gab sie ihm alle, mit Ausnahme eines einzigen Diamantringes, der von seiner Mutter stammte. Dies hatte die Frau des Marqueurs gesehen und meinte, man habe ihm das Leben gerettet, es sei nicht mehr als recht und billig, daß er ihnen alles gebe. Es war unnütz, ihr zu erklären, daß er den Ring nicht seines Geldwertes halber, sondern nur darum behalten wolle, weil er ein Andenken seiner verstorbenen Mutter sei. Die Frau wollte ihn aber durchaus besitzen und drohte, wenn er ihn ihr nicht gebe, werde sie ihn wieder festnehmen lassen. Da gab er ihr auch den letzten Ring, und sie brachte ihm nun einen Bissen zu essen und einen Schoppen Wein. Darauf fragte ihn der Marqueur, was er beginnen wolle, er sei bereit, ihn überall hin zu führen, wohin er auch wolle. Er bat, ihn nach dem Louvre zu bringen, wo seine Schwester, Madame de Larchant, Hofdame bei der Königin sei. »Nein, mein Sohn«, antwortete der Marqueur, »dahin wage ich Sie nicht zu führen. Man kommt an zu vielen Wachtposten vorbei, es könnte Sie Jemand erkennen, und man würde uns beide umbringen.« Hierauf schlug der junge de la Force vor, ihn nach dem Arsenal zu geleiten, wo seine Tante Madame de Brisambourg wohne. Dazu erklärte sich der Marqueur bereit. »Das ist sehr weit«, meinte er, »aber dorthin komme ich gern mit, denn wir gehen längs der Wälle, und da begegnen wir niemandem.«

Sowie der Tag graute, gab er ihm alte, schmutzige Leinenstrümpfe, ein ähnliches Wamms und den Mantel, den er ihm am Abend geliehen hatte nebst einer häßlichen roten Kappe, auf welche er ein Bleikreuz gesteckt hatte. So bekleidet führte er ihn über die Wälle nach dem Arsenal. Sie kamen an das erste Thor, als der Tag eben angebrochen war. Da dieses weit von den Wohngebäuden liegt, sagte der junge de la Force zu dem Manne, der ihn so glücklich geführt hatte: »Bleiben Sie hier, ich schicke Ihnen die Kleider, die Sie mir geliehen mit den versprochenen dreißig Gulden heraus.«

Er blieb lange an der Thür und wagte nicht zu klopfen, da er fürchtete, man werde ihn nach seinem Namen fragen. Nach einiger Zeit kam Jemand heraus und ging ohne ihn anzusprechen vorbei. Darauf ging er durch den ersten unteren Hof und bis zu den Wohnungen. Er sah stets um sich, um ein bekanntes Gesicht zu entdecken, denn er wußte, daß man ihn in dieser schlechten Kleidung nicht eintreten lassen würde. Auch wagte er nicht, jemand seinen Namen zu sagen, da er fürchtete, auch hier einen Henkersknecht zu treffen wie die, denen er entschlüpft war.

Hier ist zu erwähnen, daß ein Page des Herrn de la Force sich bei Beginn der Metzelei gerettet hatte. Er hieß La Vigerie, aber im Hause nannte man ihn den »Auvergnat«, um ihn von seinem Bruder zu unterscheiden. Als Coconas Herrn de la Force und seine beiden Söhne aus dem Hause hatte führen lassen, wo die beiden Schweizer sie bewacht hatten, sagte einer derselben zu dem Pagen: »Rettet Euch, denn die da wird man abfertigen.« Er floh, wartete aber einige Schritte vom Hause, bis er schreien hörte: »Tötet sie, tötet sie!« und den Vater und seine beiden Söhne fallen sah. Er flüchtete noch in derselben Nacht nach dem Arsenal. Es wurde ihm um so leichter zu entkommen, als er eine ähnliche Livree trug wie die Diener des Grafen de la March, eines der Hauptanführer der Metzelei. Der Auvergnat sagte zu allen Wachtposten: »Ich bin ein Page des Grafen de la March, und muß den Marschall de Biron im Arsenal aufsuchen.« Als er dort angelangt war, begab er sich zu Frau de Brisambourg und erzählte ihr, er habe Herrn de la Force und seine beiden Söhne erdolchen sehen, worüber diese sehr betrübt und bestürzt war.

Wir haben den jungen de la Force in großer Verlegenheit gelassen, wie er in das Arsenal hineinkommen sollte. Aber Gott sandte ihm Hilfe. Als man wieder einmal die Thür öffnete, sah er den Auvergnat, den er bei seinem Namen rief, aber er bekam keine Antwort. Man öffnete ein zweites Mal die Thür, und da der Page noch da war, rief er ihn mehrmals: »Auvergnat, Auvergnat!« Jetzt kam der Page heraus und fragte: »Wer sind Sie?« Der junge de la Force antwortete: »Wie, erkennst Du mich nicht wieder?« Nachdem er ihn aufmerksam angesehen hatte, brach der Page aus: »Ach, gütiger Gott, Sie sind es, Herr, ich erkannte Sie nicht.« Darauf fragte dieser ihn, ob nicht vielleicht einer von seines Vaters Leuten im Arsenal sei. Der Page ließ ihn eintreten und führte ihn zu einem Beamten seines Hauses, namens Beauvilliers du Maine, der mit dem Hausmeister der Frau de Brisambourg auf und ab ging. Beide waren sehr überrascht und erfreut, ihn zu sehen, da sie ihn, nach dem Bericht des Pagen, tot glaubten. Sie führten ihn sofort in das Zimmer seiner Tante, die noch im Bette lag. Sie war sehr betrübt und niedergedrückt von so viel Unglück. Als er an ihr Bett trat und sie ihn erkannte, umarmte sie ihn unter Thränen. Sie hatte geglaubt, man habe alle umgebracht und dankte Gott, daß er wenigstens ihn erhalten. Befragt, wie er sich gerettet, erzählte er kurz, wie Gott ihm beigestanden habe; daß der arme Marqueur vom Ballspielhause ihn zu sich genommen und hierher geführt habe, daß er ihm für seine Mühe dreißig Gulden versprochen, wie auch ihm seine Kleider zurückzugeben und daß der Mann am Thore warte. Madame de Brisambourg ließ ihn sich in einem Nebenzimmer zu Bett legen und schickte dem Marqueur die dreißig Gulden und die Kleider. Zwei Stunden später brachte man ihm einen Pagenanzug in der Livree des Marschalls de Biron, der damals Großmeister der Artillerie war. Dann führte man ihn durch das Zimmer dieses Herrn nach dessen Schlafkabinet, damit er von niemand gesehen oder erkannt werde. Als Gesellschafter gab man ihm den Auvergnat

In diesem Verstecke blieb er zwei Tage. Da erhielt der Marschall Nachricht, daß man dem Könige berichtet habe, mehrere Hugenotten hätten sich ins Arsenal geflüchtet und Seine Majestät sei entschlossen, überall nachsuchen zu lassen. Dies brachte den Marschall so in Zorn, daß er sagte, er würde die wohl am Eintritt hindern, die seine Handlungen kontrollieren wollten, und er ließ sogar einige Kanonen am Eingang auffahren.

Trotz aller Vorsicht, die man anwandte, um den jungen de la Force zu verbergen, drang die Nachricht seiner Rettung doch in den Louvre. Dies veranlaßte die Königin-Mutter, auf Bitten des Herrn Larchant, Kapitän der Garden, einen Hofkavalier in das Arsenal zu senden, um ihrerseits den jungen de la Force zu verlangen. Man antwortete, er sei nicht da, und ließ ihn während der Unterhandlung aus dem Kabinett des Marschalls in das Zimmer seiner Töchter gehen, wo man ihn zwischen zwei kleinen Kinderbetten versteckte. Man deckte ihn mit Wattunterröcken, die damals in der Mode waren, zu, was späterhin Anlaß gab zu sagen, Madame de Brisambourg habe ihn unter ihrem Unterrock versteckt gehabt.

Nachdem der Kavalier alles durchsucht, berichtete er der Königin, er habe den nicht gefunden, welchen er suchte. Dies brachte den Herrn de Larchant zur Verzweiflung, denn er hatte großes Interesse am Tode des jungen de la Force, da er mit der Tochter erster Ehe seiner Mutter verheiratet war und nach dem Tode der Söhne Erbe der Güter der de la Force geworden wäre. Man sagte selbst ziemlich offen im Louvre und in Paris, man würde keinen Befehl gegeben haben, die beiden jungen Unschuldigen zu morden, ohne das Interesse, welches besagter Kapitän de Larchant daran gehabt habe.

Der junge de la Force blieb in seinem neuen Versteck ungefähr bis eine Stunde nach Mitternacht. Dann führte man ihn wieder in das Kabinett des Marschall. Madame de Brisambourg, die sich sehr um ihren Neffen sorgte, konnte keine Ruhe finden, bis sie ihn nicht sicher außerhalb des Arsenals untergebracht sah.

Der Herr de Born, Generallieutenant der Artillerie, holte am nächsten Morgen den angeblichen Pagen ab. Er ließ ihn an einem versteckten Ort frühstücken und sagte dann: »Folgt mir.« Dann ging er mit ihm aus dem Arsenal und führte ihn zu Herrn Guillon, Kontrolleur der Artillerie, der ein Freund von ihm war. Er instruierte den jungen Mann, daß, wenn man ihn frage, wer er sei, er zu antworten habe: Er heiße Beaupuy und sei ein Sohn des Lieutenant Beaupuy in der Gendarmerie-Kompagnie des Marschall de Biron. Er ermahnte ihn ausdrücklich, die Wohnung nicht zu verlassen und alles zu vermeiden, was zu seiner Erkennung beitragen könne. Um sich zu Herrn Guillon zu begeben, war Herr de Born geritten, da er wegen seines Stelzfußes nicht schnell vorwärts kommen konnte. Der junge de la Force folgte ihm in einiger Entfernung. Er war, wie er später gestanden hat, in fortwährender Angst, was man verstehen wird, wenn man bedenkt, welche Gefahren er durchgemacht hatte.

Als sie zu dem Kontrolleur kamen, sagte de Born: »Sie sind mein Freund, und als solchen bitte ich Sie, diesen jungen Mann, meinen Verwandten, hier zu behalten. Er ist ein Sohn eines Lieutenants de Beaupuy von der Gendarmen-Abteilung des Marschalls de Biron. Ich habe ihn hierher kommen lassen, um ihn als Pagen einzustellen, ich warte nur, bis die Unruhen vorbei sind.« Der Kontrolleur war gern bereit, ihn aufzunehmen, umsomehr, da er dadurch seinem Freunde einen Dienst erweisen konnte. Born fand es für gut, ihn nicht über die Verhältnisse des jungen Mannes aufzuklären, doch vermutete Guillon selbst richtig, daß er ihm nicht alles vertraue.

So war der junge de la Force ungefähr eine Woche in der Wohnung des Kontrolleurs. Dieser ging alle Tage in das Arsenal, um sich zu erkundigen, was zu thun sei, und kam regelmäßig zur Essensstunde nach Hause. Da geschah es, daß um die Zeit, wo er zu kommen pflegte, der junge Mann an die Thür klopfen hörte. Da er in der Nähe war, öffnete er in dem Glauben, es sei sein Wirt. Dieser war es aber nicht, sondern jemand, der ihn und seinen Namen kannte. Erschrocken wollte er die Thür schnell wieder zumachen, aber der andere sagte: »Lassen Sie mich hereinkommen, ich muß Sie sprechen.« Nach seinem Eintritte erklärte er, Frau von Brisambourg schicke ihn, um zu erfahren, wo er sei und wie es ihm gehe; dann ging er wieder fort. Als der Kontrolleur zu Tische kam, fragte er wie gewöhnlich, ob jemand da gewesen sei. La Force bejahte die Frage und erzählte ihm, was geschehen war. Dadurch wurde er so in Schrecken gebracht, daß er das Mittagsmahl stehen ließ und zu Pferde stieg, um Herrn de Born aufzusuchen und ihn von dem Vorgefallenen zu benachrichtigen. Dieser begab sich sofort zu Frau von Brisambourg, die sehr erstaunt war, da sie niemand geschickt hatte.

Frau de Brisambourg hatte vorausgesehen, daß ihr Neffe früher oder später erkannt werden würde. Sie hatte daher ihren Bruder, den Marschall, gebeten, daß er vom Könige einen Passierschein für seinen Haushofmeister und Pagen auswirke, die er nach Guyenne schicken wolle, um seine Equipage und Gendarmen-Kompagnie abzuholen. Man vertraute den jungen de la Force in der Stellung eines Pagen dem Kavalier an, welcher als Haushofmeister reiste. Herr de Born ließ sie ohne Schwierigkeiten die Thorwachen von Paris durchreiten, und sie schlugen dann den Weg nach ihrem Bestimmungsorte ein. Die Reise war nicht ganz ohne Hindernisse. Zwei Tagereisen von Paris findet der junge Mann den Hausrock seines Bruders auf den Schultern eines ihrer Henker wieder, der sich seiner Heldenthaten rühmt. Gleichzeitig erfuhr er, daß sein Onkel mit einigen hundert Edelleuten dem Blutbade entronnen ist. Ein anderes Mal hätte der Begleiter des jungen Flüchtlings sie beinahe in schlimme Händel gebracht, da er so unklug war, in einem Wirtshause die Mordthaten zu tadeln. Nachdem sie sich noch mehrere Male in Gefahr befunden hatten, kamen sie endlich am achten Tage ihrer Reise in Guyenne im Schlosse von Castelnau-des-Mirandes an, wohin sich Herr Caumont geflüchtet hatte. Der alte Herr war über alle Maßen erfreut und gerührt, seinen Neffen wiederzusehen. Er hatte ihn bis zur Stunde für tot gehalten und konnte Gott nicht genug danken, daß er ihn aus so großen Gefahren errettet.«

(Memoiren von Caumont de la Force.)

*

 << Kapitel 13  Kapitel 15 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.