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Aus Jurte und Kraal

Gisela Etzel: Aus Jurte und Kraal - Kapitel 43
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authorGisela Etzel
titleAus Jurte und Kraal
publisherDie Lese-Verlag G.m.b.H.
editorGisela Etzel
year1911
illustratorBerthold Körting
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Vom Hasen. Elefanten und Walfisch

Aus Mauritius

Vetter Hase ging eines Tags spazieren. Er kommt an den Meeresstrand, und wie er sich so das große Wasser ansieht, sieht er den Walfisch daherschwimmen. Hase, wie er ist, kann er nicht anders, als sich über die Größe dieses Tieres verwundern: »Mama! Welch ungeheures Tier!«

Er ruft den Walfisch: »He! He du! Komm ein wenig näher. Ich hab dir ein Wörtchen zu sagen.« Der Walfisch schwimmt ans Ufer, und der Hase sagt zu ihm:

»Gewiß, du bist groß und dick, aber nicht die Figur gibt die Kraft, die Sehnen und Muskeln sind es, die Kraft geben. Ich bin ganz klein, nicht wahr? Nun, willst du wetten, daß ich stärker bin als du?«

Der Walfisch sieht ihn an und beginnt zu lachen. Der Hase fährt fort:

»Hör zu. Ich werde eine große, dicke Leine holen; das eine Ende wirst du um deinen Schwanz befestigen, und das andere Ende schlinge ich mir um die Rippen. Jeder zieht an seiner Seite. Wetten wir, daß ich dich ans Trockene setze!«

»Geh und suche dein Seil, mein Kleiner; wir werden sehen.«

Der Hase verläßt den Walfisch, er geht in den Wald, sucht den Elefanten und sagt zu ihm:

»Riesiger Kopf, ganz kleines Schwänzchen! Niemals haben Leute von solcher Gestalt wirklich Kraft besessen. Ich bin ganz klein, aber wenn wir uns miteinander messen würden, so wette ich, daß ich Sieger bliebe!«

Der Elefant besieht sich den Hasen und beginnt zu lachen. Der Hase sagt zu ihm:

»Hör zu, ich werde eine große, dicke Leine holen. Du bindest das eine Ende an deine Rippen und ich das andere um die meinigen. Jeder zieht von seiner Seite, und was gilt die Wette, daß ich dich wie einen kleinen Fisch bis an den Meeresstrand ziehe!«

»Geh und hole dein Seil, Kamerad; wir werden sehen.«

Der Hase geht und holt ein riesiges Seil. Das eine Ende gibt er dem Walfisch und sagt zu ihm:

»Binde es gut fest. Wenn ich dir zurufe, ich bin bereit, dann zieh los! So fangen wir beide gleichzeitig an zu ziehen.«

Der Walfisch bindet das Seil um seinen Schwanz und wartet.

Der Hase bringt das andere Ende des Seiles zum Elefanten und sagt:

»Binde es gut fest. Gleich werde ich dir zurufen, daß ich bereit bin, und dann muß jeder von seiner Seite ziehen.«

Der Elefant bindet sich das Seil um die Rippen und wartet.

Der Hase geht und versteckt sich in den Dornen. Dann ruft er plötzlich:

»Ich bin bereit, zieh!«

Der Walfisch zieht von hier, der Elefant zieht von dort. Das Seil spannt sich an wie eine Saite auf der Geige. Sie legen beide ihre ganze Kraft hinein; keiner von beiden kann den andern in Bewegung setzen. Sie ziehen! sie ziehen! Plack!!! das Seil reißt. Der Elefant streckt alle Viere in die Luft; der Walfisch gerät ins Korallenriff und verwundet sich.

Der Hase läuft zum Elefanten:

»Ah, Kamerad! hast du dir weh getan? Warum spielst du aber auch mit einem, der stärker ist als du!«

Der Elefant findet kein Wort der Entgegnung.

Der Hase läuft zum Walfisch an den Meeresstrand, sieht das vom Blut gerötete Wasser und ruft:

»Es tut mir leid, daß du verwundet bist; du hast dir weh getan, und ich bedaure das wirklich. Aber warum rühmst du dich auch, daß du so stark seiest wie ein Hase. Es ist dumm, so stolz zu sein!«

Der Walfisch bleibt stumm. Was hätte er auch antworten sollen?

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