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Aus Jurte und Kraal

Gisela Etzel: Aus Jurte und Kraal - Kapitel 38
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authorGisela Etzel
titleAus Jurte und Kraal
publisherDie Lese-Verlag G.m.b.H.
editorGisela Etzel
year1911
illustratorBerthold Körting
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Der Affe und die Schildkröte

Aus Mauritius

Es waren einmal ein Affe und eine Schildkröte. Die Schildkröte hatte elf Kinder. Der Affe war ein Vagabund. Die Schildkröte ging arbeiten, und als ihre Arbeit getan war, bekam sie ihren Lohn und ging und kaufte einen Ballen Reis.

Auf dem Heimweg ließ sie sich am Wegrand nieder, setzte den Ballen Reis auf die Erde und ging Holz sammeln. Bei ihrer Rückkehr fand sie den Affen auf ihrem Reisballen sitzen.

Der Affe sagte zu ihr: »He, Gevatterin, seht, ich habe hier einen Ballen Reis gefunden!«

»Dieser Reis ist nicht Euer, Gevatter, das ist Reis, den ich für meine Kinder gekauft habe. Ich habe ihn am Wegrand niedergelegt, um Holz zu sammeln. Aber dieser Reis ist mein, gebt ihn mir zurück!«

Der Affe will nichts hören und sagt:

»Was gut zu nehmen ist, ist auch gut zu behalten! Ich gebe ihn nicht zurück.«

Die Schildkröte ist verzweifelt, aber was tun? Sie sagt zum Affen:

»Also, Gevatter, verkauft mir ein Pfund!«

»Unmöglich, Gevatterin, mein Reis ist nicht zu verkaufen. Geht zum Chinesen!«

»Schön, Gevatter, eines Tages sprechen wir uns wieder.«

Eines Tages saß der Affe auf einem Baum, und sein Schwanz hing auf die Erde herab. Die Schildkröte kommt vorbei, sieht den Schwanz, ergreift ihn und ruft:

»Ha, was für einen schönen Affenschwanz Hab' ich da gefunden! Was gut zu nehmen ist, ist auch gut zu behalten! Ich gebe ihn nicht zurück.«

»He, Gevatterin, Ihr spaßt, nicht wahr? Das da ist mein Schwanz.«

»Der Reis am Wege gehört dem, der den Reis nimmt, der Schwanz am Wege dem, der den Schwanz nimmt.«

Der Affe ärgert sich. Er zerrt an seinem Schwanz. Die Schildkröte läßt nicht los und folgt dem Schwanz. Der Affe zerrt, die Schildkröte geht mit, und der Affe bringt alle beide vor Gericht.

Der Richter saß auf seinem Sitz. Der Affe sagte zu ihm:

»Mein Herr Richter, befehlt der Schildkröte, daß sie mir meinen Schwanz wiedergibt.«

Die Schildkröte sagte zum Richter:

»Mein Herr Richter, befehlt dem Affen, daß er mir meinen Reis wiedergibt.«

Der Richter läßt sie erzählen. Als er die ganze Geschichte vernommen, sagte er zu dem Affen:

»Wo ist der Reis?«

Der Affe lachte, schlug sich auf den Wanst und sagte:

»Da drin, mein Herr Richter.«

Der Richter ruft einen Diener und befiehlt ihm, einen Klotz herbeizubringen. Der Klotz wird gebracht. Der Richter befiehlt dem Diener, den Schwanz des Affen auf den Klotz zu legen und abzuschlagen.

Darauf fällte der Richter sein Urteil:

»Was gut zu nehmen ist, ist auch gut zu behalten. Der Affe hat einen Ballen Reis vom Wege genommen, der Ballen Reis gehört ihm. Die Schildkröte hat ein Stück Schwanzende vom Wege mitgenommen, das Schwanzende gehört ihr. Wenn aber der Affe das Schwanzende kaufen will, um es seiner andern Schwanzhälfte wieder anzukleben, so befehle ich der Schildkröte, dem Affen dieses Schwanzende für einen Ballen Reis von Balam zu verlaufen.

Ich habe gesprochen, geht!«

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