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Aus Jurte und Kraal

Gisela Etzel: Aus Jurte und Kraal - Kapitel 29
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authorGisela Etzel
titleAus Jurte und Kraal
publisherDie Lese-Verlag G.m.b.H.
editorGisela Etzel
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illustratorBerthold Körting
correctorreuters@abc.de
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Der Leopard und der Widder

Hottentotten

Als Leopard einst von der Jagd heimkehrte, kam er zufällig an den Kraal eines Widders. Nun hatte der Leopard nie zuvor einen Widder gesehen und näherte sich ihm demzufolge in sehr unterwürfiger Weise, wobei er sagte: »Guten Tag, mein Freund! Wie magst du wohl heißen?« Der Widder erwiderte mit rauher Stimme, indem er sich mit dem Vorderfuß auf die Brust schlug: »Ich bin ein Widder; und wer bist denn du?« – »Ein Leopard,« versetzte der andre, mehr tot als lebendig; dann nahm er Abschied und eilte heim, so schnell er laufen konnte.

Nun lebte mit dem Leoparden zusammen ein Schakal, und zu dem ging der Leopard hin und sprach: »Freund Schakal! Ich bin ganz außer Atem und halbtot vor Schrecken, denn ich habe soeben einen fürchterlichen Burschen mit großem, dickem Kopfe gesehen, der mir auf die Frage nach seinem Namen ganz grob erwiderte: Ich bin ein Widder.«

»Was bist du doch für ein närrischer Kerl von Leoparden,« rief der Schakal, »daß du solch ein schönes Stück Fleisch fahren läßt! Wie kannst du nur das tun? Aber wir wollen uns morgen auf den Weg machen und es in Gemeinschaft verzehren.«

Am folgenden Tage machten sich die beiden nach dem Kraale des Widders auf; als sie nun auf diesen von der Höhe eines Hügels hinabsahen, erblickte sie der Widder, der ausgegangen war, um frische Luft zu schöpfen, und der eben überlegte, wo er wohl heut' den zartesten Salat sich suchen könnte. Da eilte er denn sofort zu seiner Frau und rief ihr zu: »Ich fürchte, daß unser letztes Stündlein geschlagen hat! Der Schakal und Leopard kommen beide auf uns zu. Was sollen wir anfangen?« »Sei nur nicht bange,« meinte sein Weib, »sondern nimm das Kind hier auf den Arm, gehe damit hinaus und kneife es recht tüchtig, sodaß es schreit, als sei es hungrig.«

Der Widder gehorchte und ging so den Verbündeten entgegen. Sobald der Leopard den Widder erblickte, bemächtigte Furcht sich abermals seiner, und er wollte wieder umkehren. Der Schakal hatte für diesen Fall schon Vorsorge getroffen, er hatte nämlich den Leoparden mit einem ledernen Riemen an sich festgebunden. So sagte er nun: »So komm doch!« Da kniff der Widder sein Kind recht tüchtig und rief dabei laut: »Das ist recht, Freund Schakal, daß du uns den Leoparden zum Essen bringst; hörst du, wie mein Kind nach Nahrung schreit?«

Als der Leopard diese schrecklichen Worte hörte, stürzte er, trotz der Bitten des Schakals, ihn doch los zu lassen, in der größten Angst davon, indem er zugleich den Schakal über Berg und Tal, durch Büsche und über Felsen mit sich fortschleppte und erst dann still hielt und scheu um sich blickte, als er sich selbst und den halbtoten Schakal wieder nach Hause gebracht hatte.

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