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Aus Jurte und Kraal

Gisela Etzel: Aus Jurte und Kraal - Kapitel 14
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authorGisela Etzel
titleAus Jurte und Kraal
publisherDie Lese-Verlag G.m.b.H.
editorGisela Etzel
year1911
illustratorBerthold Körting
correctorreuters@abc.de
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Der Spiegel

Annamitisch

Hoch in einem Gebirgsdorf lebte ein recht einfältiges Ehepaar. Eines Tages, als die Frau vom Markt heimkehrte, erzählte sie ihrem Gatten, daß sie ein hübsches Weib mit einem wunderbaren Haarkamm gesehen habe, und so einen möchte sie auch haben. Da sie aber das Wort »Kamm« nicht kannte, so sagte sie, es sei ein glitzernder Gegenstand von der Form des Mondes.

Da er seiner Frau gern eine Freude machen wollte, begab sich der Mann in die Stadt, um jenen Gegenstand zu taufen. Da aber auch er das Ding nicht zu nennen wußte, so verlangte er eine Sache, die dem Monde gliche; und der Kaufmann gab ihm einen Spiegel, den er kaufte und heimtrug. Als die Frau erfreut den Gegenstand ergriff, um ihn zu betrachten, gewahrte sie darin ein Antlitz, das ihr zulächelte. Da sie nicht begriff, daß es ihr eigenes Bild sei, glaubte sie an einen schlechten Scherz ihres Mannes und sagte zu ihm:

»Warum hast du diese Frau hierhergebracht? Willst du sie etwa zu deiner Geliebten machen?«

Und sie begann zu weinen und rief ihre Mutter, damit diese Zeuge sei von der Kränkung, die ihr Gatte ihr zufügte.

Die Mutter lief herbei, sah ihr Bild im Spiegel und schrie auf: »Wenn er noch eine junge Frau hergebracht hätte! Aber das ist ja eine Beleidigung für uns alle, dies runzlige Gesicht einer alten Vettel ins Haus zu bringen!«

Die beiden Frauen fielen über den Mann her und prügelten ihn durch. Der arme Mann konnte mit knapper Not entrinnen und lief zum Mandarin, um sich zu beklagen. Der ließ die beiden Frauen mitsamt dem Spiegel von seinen Soldaten ergreifen.

Die Soldaten, die in dem Spiegel andere Soldaten erblickten, glaubten, man wolle mit ihnen Spaß treiben, und schleppten alle Welt vor den Richter.

Dieser, der auch nicht gescheiter war als seine Leute und nie einen Spiegel gesehen hatte, nahm den Gegenstand des Streites, und als er sein Bild darin erblickte, glaubte er, es sei der von dem Beklagten herbeigebrachte Verteidiger, der ihm da so frech ins Antlitz sehe. Diese Unschicklichkeit empörte ihn; er schmetterte den Spiegel zur Erde, ließ dem Ehemann die Bastonade geben und warf alle zum Hause hinaus.

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