Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Giosuè Carducci >

Aus den Odi Barbare

Giosuè Carducci: Aus den Odi Barbare - Kapitel 46
Quellenangabe
pfad/carducci/odibarba/odibarba.xml
typepoem
authorGiosuè Carducci
titleAus den Odi Barbare
publisherCoron-Verlag
seriesSammlung Nobelpreis für Literatur
volumeNobelpreis für Literatur 1906
editor
year1969
translatorFritz Sternberg
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090330
projectidcb077308
Schließen

Navigation:

Sommertraum

Unter den Schlachten, Homer, die dein Lied beständig durchtosen,
Überwand mich die heiße Stunde; am Ufer Skamandros'
Neigte mein Haupt sich zum Schlaf, zum Tyrrhenischen Meere jedoch mein
Herz enteilte. Ich träumte von meiner Jugendzeit friedlich.
Nicht mehr Bücher: das Zimmer, durchglüht von der Julisonne,
Von den, dröhnend über den Kies der Stadt hinrollenden Karren
Hallend, erweiterte sich; es umstanden mich rings meine Hügel,
Teuere, wilde Hügel, vom jungen Aprile umblühet.
Über den Abhang floß mit frischem Gemurmel ein Sprudel,
Welcher zum Flusse ward; am Flusse ging meine Mutter,
Noch in blühenden Jahren; sie zog ein Kind an der Hand nach,
Auf dessen weißen Schultern die goldigen Locken erglänzten.
Mit triumphierendem, kleinem Schritt, auf die Liebe der Mutter
Stolz, ging das Bübchen einher, im tiefsten Herzen ergriffen
Von dem unendlichen Fest, das Natur, die göttliche, anhob;
Denn vom Schlosse herab erklangen die Glocken, verkündend,
Christus kehre zurück in die Himmel am folgenden Tage
Und auf den Gipfeln, im Feld, durch die Lüfte, die Zweige, die Wellen
Eilte mit Geisterschwingen des Frühlings melodischer Sang hin.
Pfirsich- und Apfelbäume erblühten über und über,
Weiß und rot; übersät mit gelben und blauen Blumen
Lächelte unten das Gras; der Wiesen Hänge umhüllte
Rötlicher Klee; es schmückten sich weich die Hügel mit gold'nem
Ginster; ein lieblicher Hauch, vom Meer aufsteigend, bewegte
Jene Blumen und Düfte; im Meere kamen vier weiße
Segel gelinde gezogen und wiegten sich leis in der Sonne,
Welche leuchtend das Meer und die Erd' und den Himmel umstrahlte. Selig blickte die junge Mutter empor zu der Sonne,
Ich aber blickte zur Mutter und blickte sinnend zum Bruder –
Dieser ruhet nun fern auf dem blühenden Hügel am Arno,
Jene schlummert mir nah in der einsamen, hehren Certosa –
Sinnend und zweifelnd, ob sie die Lüfte noch atmeten, oder,
Von meinem Schmerze gerührt, aus einem Gefilde sich nahten,
Wo unter trauten Gestalten des Glückes Jahr' sich erneuen.
Es verzogen die teueren Bilder sich, leis mit dem Schlummer
Schwindend. Lauretta erfüllte mit fröhlichem Singen die Zimmer,
Bice, zum Rahmen gebückt, folgte still dem Werke der Nadel.

 << Kapitel 45  Kapitel 47 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.