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Aus den Odi Barbare

Giosuè Carducci: Aus den Odi Barbare - Kapitel 33
Quellenangabe
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typepoem
authorGiosuè Carducci
titleAus den Odi Barbare
publisherCoron-Verlag
seriesSammlung Nobelpreis für Literatur
volumeNobelpreis für Literatur 1906
editor
year1969
translatorFritz Sternberg
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090330
projectidcb077308
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Den Chiarone entlang, von Civitavecchia aus Marlowe lesend.

Kahl und triefend, gebeugt wie Totengräber am Grabe,
Spärliche Bäume stehn rings um den schmutzigen Rand.

Langhin strecket das bleierne Wasser sich aus und es zittert
Unter der düsteren Luft, zwischen dem wüsten Gehölz.

Aus dem Meere trinken die Wolken mit hängenden Trichtern;
Auf die Hügel herab trübe der Sonnenstrahl lacht.

Grindköpfe im Hospital die Hügel scheinen; der eine
Ekelt den anderen an aus dem benachbarten Bett.

Aus einem Busch, wie versagende Pfeile, schnellen zwei schwarze
Vögel: es senkt sich ein Falk träge in Kreisen herab.

Während ich Marlowe lese, die Sonne sinkt und der Regen
Brauset, eilt das Gespann magerer Stuten dahin.

Sieh'! Es verfinstert sich mählich der grauenerregende Wald, der
Bäume- und Geisterwald, Dante, wo seltsam Gestöhn'

Du unter seltsamen Pflanzen vernahmst und wo du den Zweig am
Dornbusch brachst, der die Seel' Pier de la Vignas umschloß.

Marlowe lese ich noch. Aus dem bösen und scheelen Verse,
Der dem Traum eines Manns gleicht, der in Bier sich bezecht,

Strömt ein stechender Dampf von gräßlicher Traurigkeit, welcher
Unter die Bilder von Haß, Blutschande, Morden sich schwingt,

Welcher emporschwebt und raucht und, gesellt zu der tückischen Luft mit
Ungeheuern, umher hängende Wolken besät;

Der im Grunde der Gräber krächzt, im Gestrüppe rostig
Grinst und ins müde Gebein tief mit dem Regen sich stiehlt.

Ich erzittere. Ach, jene Pinien, jahrelang schon vom
Wind und vom Meere gebeugt, scheinen mit traurigem Ruf

Mir zu sagen: Verlohnt dies Streben nach Hohem? Dies Kämpfen?
Frommt die Liebe? Das Los streift und erniedrigt. – Doch du,

Trauriger Kork, der, am Boden zerquetscht, das Haupt noch emporhebt,
Arger Buckliger, Gott lästernd, was streckst du zu mir

Drohend empor deine krummen Arme? Bin ich denn
An dem Verhängnisse schuld, das dich verurteilt? Und ihr,

Lange Zitterpappeln, inmitten des düstern Geheges,
Mit dem gesenkten Geäst silbrigem Haupthaare gleich,

Seid ihr auch Zitterpappeln, seid ihr die drei furchtbaren Schwestern,
Die auf dem Schicksalsweg Macbeth erwarteten einst?

Ich vernehm' euer grausiges Lied von Kröten und Schlangen,
Blutenden Herzen, das ihr murmelt im Chor mit dem Wind.

Wilhelm, König der Dichter, mit hoher und heiterer Stirne,
Warum sendest du mir düstere Botschaften her?

Ich ermordete nicht den Schlaf, nein andere brachen
Mir das Herz und kein Reich such' ich, ich will von der Welt

Nur Vergessen! Vergessen? Nein, Rache! Ihr alten Leichen,
Kummergedanken ihr, alle mit klaffender Wund',

Alle gemeuchelt! Empor! Empor! aus dem Friedhof des Busens,
Gebt euren Totenflor, gebt ihn den Sturmwinden preis.

Lasset uns hier in dem gräßlichen Raum, bei den lässigen Schatten,
Auf den Gewässern des Tods, hier uns versammeln zu Rat.

Zwischen den weißen und goldigen Blumen bläht sich die Erde
Hier von Schlangen, es lacht, strotzend von Giften, der Lenz.

Trunken kichert der Vers, in boshafter Freude, wie Schlange,
Welche heranschleicht, sich krümmt, und unter Zischen sich streckt.

Fliegt, o flieget dahin, ihr Vampirengesänge, und sucht die
Herzen, die wir geliebt! Blut sei vergolten mit Blut!

Aber wie? Es enthüllt sich der Argentaro von ferne –
Herrlich! Er neigt sich gemach in das tyrrhenische Blau.

Sonnig leuchten die Höh'n. Dort im Hintergrunde sind meine
Hügel mit heiterem Blick, heiligen Andenken; dort

Lächelte mir, dem Knaben, das göttliche Antlitz Homeros'.
Marlowe, ins Wasser mit dir! Ruchloser Wald, lebe wohl!

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