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Aus den Odi Barbare

Giosuè Carducci: Aus den Odi Barbare - Kapitel 16
Quellenangabe
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typepoem
authorGiosuè Carducci
titleAus den Odi Barbare
publisherCoron-Verlag
seriesSammlung Nobelpreis für Literatur
volumeNobelpreis für Literatur 1906
editor
year1969
translatorFritz Sternberg
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090330
projectidcb077308
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Sirmio

Sieh', wie im schimmernden See das grünumwobene Sirmio –
Die Blume der Halbinseln – lacht!

Kosend blicket die Sonne auf Sirmio, der Benacus
Gleicht ringsum einer Silberschal',

Deren reinliche Ränder entlang der friedliche Ölbaum,
Mit ew'gem Lorbeer wechselnd, eilt.

Mutter Italien hebt zu den Göttern mit hohen Armen
Den lichtumkränzten Kelch empor;

Jene lassen hinein das Kleinod der Halbinseln sinken,
Aus Himmelshöhen: Sirmio.

Monte Baldo, von oben, beschützt, wie ein Vater, die Schöne
Mit seinen düstern Augenbrau'n.

Der Montegü gleicht einem, im Kampfe für Sirmio gefall'nen
Titanen, der noch, rücklings, droht.

Aber zur Linken streckt nach Sirmio die schneeigen Arme
Salò vom Halbmondbusen aus,

Wonnevoll wie ein Mädchen, das schreitend zum Tanze, den Schleier,
Das Haar den Lüften überläßt,

Lacht und streuet umher mit vollen Händen die Blumen,
Von Blumen jauchzt ihr junges Haupt.

Garda erhebt seine finstere Burg, dort im Hintergrund, über
Dem flüss'gen Spiegel hoch empor,

Eine Sage singend von alten begrabenen Städten
Und von Barbarenfürstinnen.

Aber, Lalage, hier, wo durchs fromme, freudige Blau du
Die Blicke sendest, seelenvoll,

Band an blinkende Felsen sein kleines Schiff aus Bithynien
Valerius Catullus fest;

Saß hier tagelang, sah in den zitternden Phosphorwogen
Die Augen seiner Lesbia

Und ihr treuloses Lächeln und ihre flüchtigen Gluten
In dem kristall'nen Wellenspiel.

Jene schwächte indes in dunklen Gäßchen die Lenden
Der Nachkommen des Romulus.

Aus den feuchten Tiefen des Sees klang das Lied der Nymphe:
»O komm, Quintus Valerius!

Auch auf unsere Grotten hinab die Sonne sich senket,
Doch blaß und mild wie Kynthia.

Eures Lebens Tumulte, die immer währenden, tönen:
Wie fernes Bienensummen hier

Und in dem kühlen Schweigen sich löset in sachtes Vergessen
Die bange Sorge und der Wahn.

Hier ist Kühle und Schlummer und leise Musik und die Chöre
Der himmelblauen Seejungfrau'n,

Während des Abendsterns Fackel im Wasser weithin erschimmert
Und an dem Strand die Woge klagt.«

Tückisch ist Amor! Er haßt die Musen, vernichtet mit Wollust
Die Dichter – tötet tragisch sie.

Aber vor deinen Augen, die lange Kämpfe erregen,
O Lalage, wer schützet uns?

Pflücke den reinen Musen drei Zweige von Lorbeer und Myrte
Und wink' der ew'gen Sonne zu.

Siehst du nicht, wie von Peschiera die Schwäne herunterschwimmen
Am silberhellen Mincio?

Hörest du nicht die Stimme Virgils von den grünenden Weiden,
Wo schlummernd ruht Bianore?

Anbetend wende dich, Lalage, nun! Auf dem Scaligerturme
Erscheint ein großer, ernster Mann.

»Hoch im schönen Italien« ... so murmelt er lächelnd und blicket
Auf Wasser, Erde, Lüfte hin.

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