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Aus den Odi Barbare

Giosuè Carducci: Aus den Odi Barbare - Kapitel 14
Quellenangabe
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typepoem
authorGiosuè Carducci
titleAus den Odi Barbare
publisherCoron-Verlag
seriesSammlung Nobelpreis für Literatur
volumeNobelpreis für Literatur 1906
editor
year1969
translatorFritz Sternberg
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090330
projectidcb077308
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Auf der Adda

Blaue Adda, enteil' unter dem rosigen
Abendschimmern, enteil'! Lydia segelt auf
Stillen Wellen mit Amor
Zu der scheidenden Sonne hin.

Der verflossenen Zeit Zeugin, die Brücke, weicht
In die Ferne und ihr luftiger Bogenschwung
Nähert sich dem Gewässer,
Welches murmelnd das Weite sucht.

Lodis Mauern entflieh'n, schwarz und ruinenhaft;
An dem grünenden Hang winden sie sich empor
Und am schmiegsamen Hügel.
Weltgeschichte, sei mir gegrüßt!

Als der römische Mars mit dem barbarischen
Hier mit wildem Gebrüll ehern zusammenstieß,
Als italische Brände
Mailands rächende Wut entflammt,

Zogst vom Larius du zum Eridanus, wie
Heute, Adda, mit friedlichem Sehnsuchtswunsch;
Zogst mit ernstem Gemurmel
Unter schweigsamen Triften hin.

Als, von Blitzen umzuckt, auf der umstrittenen
Brücke, bleich zog einher Korsikas Sohn, das Los
Zweier Zeitalter tragend
In der schmächtigen, jungen Hand,

Adda, spültest du weg das hier vergossene
Deutsch-französische Blut; auf den erzitternden
Wasserwogen verzog sich
Der erstickende Pulverdampf.

Und das letzte Gedröhn' fränkischer Blitze schwand
In den Buchten des Stroms: aus den kristallenen
Fluten drehte das weiße
Rind sich um mit erstauntem Blick.

Wo ist nunmehr der Aar, der vor Pompejus zog?
Wo der Adler des rauh'n, schwäbischen Fürsten, des
Blassen korsischen Mannes?
Weiter fließt du, o blauer Fluß.

Blaue Adda, enteil' unter dem rosigen
Abendschimmern, enteil'! Lydia segelt auf
Stillen Wellen mit Amor
Zu der scheidenden Sonne hin.

Göttlich lächelt die Luft, unter dem Lächeln bebt
Mutter Erde, ringsum flammen die Wogen all
Und sie heben sich zitternd,
Von der leuchtenden Liebe voll.

Weich wallt blühender Au'n atmender Duft empor
Zu dem feuchten Gefild, während am Uferrand,
Unter Seufzen und Lächeln,
Das Gewässer sich leise bricht.

Leichthin gleitet das Schiff; zwischen den fruchtbaren
Ufern streckt sich der Fluß, wunderbar leuchtend, aus;
Winkend ziehen der Felder
Große Bäume an uns vorbei.

Von den Bäumen herab und an den blühenden
Hecken, hoch durch das Gold und durch das Rot der Luft,
Jagen fröhlich die Vögel
Heiter mengend der Liebe Spiel.

Blaue Adda, enteil' unter dem rosigen
Abendschimmern, enteil'! Lydia segelt auf
Stillen Wellen und Amor
Würzt die Luft mit Ambrosia!

Unter fruchtbarer Trift, unter der Sonne Gold
Eilst du zum Eridan, paarst deinen Lauf mit ihm;
Fern im Westen zur Rüste
Geht die Sonne, die niemals ruht.

Sonne! Adda! Euch nach, durch ein Elysium
Schwebt die Seele. Wohin wird sich die Seele wohl,
Wird sich unsere Liebe
Einst verlieren, o Lydia ?

Ich errate es nicht. Doch ich verlier' mich jetzt
In den schmachtenden Blick Lydias, fern der Welt,
Gerne: Wünsche und Rätsel
Birgt er, tief und geheimnisvoll.

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