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Aus den Odi Barbare

Giosuè Carducci: Aus den Odi Barbare - Kapitel 13
Quellenangabe
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typepoem
authorGiosuè Carducci
titleAus den Odi Barbare
publisherCoron-Verlag
seriesSammlung Nobelpreis für Literatur
volumeNobelpreis für Literatur 1906
editor
year1969
translatorFritz Sternberg
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090330
projectidcb077308
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Vor der Certosa von Bologna

Wer die weißen und schweigsamen Häuser der Toten verläßt, o
Sonne, grüßt dich beglückt, wie einen göttlichen Kuß.

Flutend küsset das Licht die Erde, in Höhen und Tiefen
Singen das Erntelied zirpende Grillen im Chor.

Einem stolzen Meere mit bebenden Wogen das Feld gleicht:
Dorf und Stadt und Schloß hebt sich wie Eiland empor.

Weit zwischen staubigem Grün und den Pappeln ziehen die Straßen,
Schlank überbrücken den Fluß Bogen in eilender Flucht.

Alles ist flammend und blau. Dort, über Veronas Alpen,
Blicken vereinsamt zwei schneeige Wölkchen herab.

Delia, dir rauschet Zephir vom frommen Guardiahügel,
Der sich gekrönet senkt vom Apennin zu dem Plan,

Er bewegt dir den weißen Schleier, die wallenden Haare,
Die um die stolze Stirn schwarzgelockt fließen herab.

Während dein Wink, o Edle, die Trotzigen zähmt und dein Aug' sich
Neiget, aus dem umsonst Seligkeit Amor verspricht,

Höre (dir redet der Geist der Musen im Herzen), o höre,
Was in der Erde Grund redet der Toten Geschlecht.

Apennin! Zu Füßen des Hügels schlummern die Umbrer,
Die deine heilige Ruh' brachen, zuerst, mit der Axt;

Die Etrusker – sie kamen mit Krummstab und Speer; zu den grünen
Rätselumhüllten Höh'n wandte ihr Blick sich empor –

Große, rötliche Celten – sie eilten zum eisigen Bergstrom,
Den sie Reno genannt, wuschen vom Blute sich rein –

Romas hohe Geschlechter, die langbehaarten Lombarden,
Die zuletzt hier gewohnt auf den bewaldeten Höh'n;

Schlummern mit unseren Toten. Es flammt auf dem Hügel der Mittag;
Höre Delia hör', höre der Toten Gespräch.

Also sprechen die Toten: »O selig ihr Wandrer des Hügels,
Von dem wärmenden Strahl goldiger Sonne umschwärmt.

Frisch erklingt euch der Quell, der vom blühenden Hügel herabfließt,
Euch singt der Vogel im Grün – windbewegt singt euch das Laub.

Euch lächeln auf der Erde die immer sich neuernden Blumen,
Sterne lächeln euch zu: Blumen, die niemals verblüh'n.

Pflücket die Blumen, auch sie vergehen – so sprechen die Toten –
Und die Sterne verehrt! Nimmer vergeht ihre Pracht!

Morsch verstäubet der Kranz um unsere feuchten Stirnen,
Kränzt mit dem Rosenkranz blondes und schwarzes Gelock!

Kalt ist es hier, wir sind allein. Oh, liebt euch im Lichte!
Kurzes Leben verklär' Liebe mit ewigem Glanz.«

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