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Aus dem Siebenjährigen Kriege

Johann Wilhelm von Archenholz: Aus dem Siebenjährigen Kriege - Kapitel 6
Quellenangabe
typereport
authorJohann Wilhelm von Archenholz
titleAus dem Siebenjährigen Kriege
publisherHermann Schaffstein
printrun5te Auflage
editorv. Duvernoy
yearo.J.
illustratorAdolph von Menzel
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150326
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Vierter Teil: 1759

Bei Beginn des neuen Feldzuges blickte Friedrich mit schwerer Sorge in die Zukunft. Zahlreiche Schlachten waren bisher geschlagen, ohne daß sie eine Entscheidung herbeigeführt hätten. Seine Feinde machten von allen Seiten gewaltige Anstrengungen und Rüstungen, und die Kräfte seines kleinen Staates waren durch den langen Krieg aufs äußerste erschöpft. Die englischen Hilfsgelder deckten den Bedarf nicht; die Prägung minderwertiger Geldsorten von geringerer Legierung (der verrufenen Ephraimsgulden) war eine geringe und bedenkliche Aushilfe. Da sah er sich genötigt, die in seinen Händen befindlichen Länder seiner Gegner, namentlich Sachsen, Thüringen und Mecklenburg, durch harte Kriegssteuern zu belasten. Ohne Sachsen hätte Friedrich den langen Krieg nie führen können, da er sonst seine Heere nicht genügend hätte ergänzen können. Seine Gegner konnten es leichter, da sie 90 Millionen Menschen beherrschten, während die Anzahl aller seiner Untertanen kaum 5 Millionen betrug. Sachsen war für den König die ergiebigste Quelle, die ihm immerfort Geld, Proviant und Soldaten verschaffte. So z. B. mußten im Jahre 1760 Zwickau 80 000, Chemnitz 215 000, Leipzig 1 100 000 Reichstaler erlegen. Die Kontribution des Leipziger Kreisen betrug 2 000 000 Taler an Geld, 10 000 Rekruten, einige hunderttausend Scheffel Getreide, und viele tausend Pferde, nebst einer großen Menge Schlachtvieh. Dabei wurden die besten Wälder umgehauen und das Holz an unternehmende Kapitalisten verkauft.

Der Feldzug wurde, wie im vorhergehenden Jahre, von dem Herzog Ferdinand von Braunschweig eröffnet, der es auf die Befreiung Frankfurts a. M. von den Franzosen abgesehen hatte. (Er erlitt aber bei dem Dorfe Bergen, in der Nähe Frankfurts, im April eine empfindliche Niederlage und mußte sich nach Westfalen zurückziehen, wohin ihm die Franzosen folgten. Bei Minden trug er aber am 1. August einen glänzenden Sieg über die Franzosen davon, die nun schnell an den Main zurückwichen.

Die Russen bedrohten indessen die preußischen Staaten mit einem neuen Einfall. Das Oberkommando hatte an Stelle Fermors der jüngere Feldmarschall Ssaltykow übernommen. Um eine Vereinigung der Russen und Österreicher möglichst zu verhindern, sandte Friedrich jenen den General Wedel entgegen, der aber am 23. Juli bei dem Dorfe Kay, unweit Züllichaus, geschlagen wurde und sich zurückziehen mußte. Nun kam die gefürchtete Vereinigung doch zustande; Daun entsandte Loudon, der mit 19 000 Mann bei Frankfurt a. O. zur russischen Armee stieß. Alle Bemühungen Wedels waren jetzt dahin gerichtet, den Feinden den Übergang auf das linke Oderufer zu erschweren. Währenddes eilte der König selbst nach seinen brandenburgischen Staaten und langte am 7. August in der Nähe Frankfurts an. Der Feind stand jenseits der Oder bei Kunersdorf. Daher überschritt das preußische Heer in der Nacht zum 11. unterhalb Frankfurts die Oder und lagerte dann östlich des Ortes Bischofsee.

Friedrich hatte den 79 000 Mann starken Verbündeten nur 48 000 Mann entgegenzustellen; dennoch war er keinen Augenblick im Zweifel, daß er angriffsweise verfahren müsse, weil ihm nur mit einer schnellen Entscheidung gedient sein konnte. Er erkundete noch am Nachmittage des 11. das feindliche Lager. Während dieses aber die Front nach Süden hatte, glaubte der König, dem die vorliegenden Waldstücke teilweise die Aussicht versperrten, die Front sei nach Nordosten, also seinem Lager zugekehrt. Dies mußte ihm auch als das wahrscheinlichste erscheinen. Kunersdorf hatte Ssaltykow auf den Rat Loudons anzünden lassen. Das Gelände südlich und westlich des Ortes war überhaupt nicht zu sehen. Geradezu verhängnisvoll aber wurde es für Friedrich, daß er ganz falsche Auskunft über das Gelände erhielt, das er selbst nicht sehen konnte, obgleich er zwei Förster und einen Major aus Frankfurt befragte. So blieb er in völliger Unkenntnis über die Unwegsamkeit einer südlich Kunersdorf sich erstreckenden Seenkette, deren sumpfige Umgebung ein Überschreiten nur an einzelnen schmalen Stellen ermöglichte; ebenso erfuhr er nicht, daß die Hochfläche, die er anzugreifen im Begriffe stand, von mehreren schluchtartigen Einschnitten quer durchzogen wurde, deren steile Ränder einem von Osten her geführten Angriffe außerordentliche Schwierigkeiten entgegenstellen mußten. Die Förster verneinten auch die Frage, ob Loudon, den der König noch jenseits des Bruches wußte, von da unmittelbar zur Unterstützung der Russen vorgehen könne. Sie konnten allerdings nicht wissen, daß die Russen eigens für diesen Zweck einen Knüppeldamm hergestellt hatten. So mußte Friedrich annehmen, Loudon müsse durch die Dammvorstadt von Frankfurt marschieren und werde dabei durch die dort befindliche russische Bagage aufgehalten, also vermutlich zu spät kommen. Da ihm nun ein Angriff von Norden her, in den vermeintlichen Rücken des Gegners, nicht ausführbar erschien, so entschloß er sich zu einer Umgehung der feindlichen Stellung und zu einem Angriffe von Südosten.

Am 12. August, einem Sonntage, marschierte das preußische Heer um 2 Uhr früh in aller Stille ab, um den Gegner zu umgehen; diese Umgehung betrug 10-12 km auf tiefsandigen Waldwegen. Die Generale Finck und Schorlemer sollten mit 8 Bataillonen und 21 Eskadrons auf den Höhen bei Trettin von Tagesanbruch an möglichst viel Lärm machen, um den Feind irrezuführen, von 6 Uhr an diese höhen mit Infanterie und schwerer Artillerie besetzen, aber »nicht eher attackieren«, als bis die Armee zu feuern beginnen würde. Durch Husarenpatrouillen erfuhr Friedrich jetzt, daß die Seenkette südlich Kunersdorf ein Überschreiten mit aufmarschierter Infanterie nicht gestatte. Gleichzeitig erkannte er bei einem Erkundigungsritt vorteilhafte Aufstellungen für drei schwere Batterien, und diese eröffneten kurz nach 11 Uhr ihr Feuer, gleich darauf auch die Batterien Fincks von den Trettiner höhen her, so daß 60 schwere preußische Kanonen ihr Feuer gegen die Verschanzungen des auf dem linken feindlichen Flügel liegenden Mühlberges richteten, hiergegen gingen etwa eine halbe Stunde später nach und nach 9 Bataillone preußischer Grenadiere vor, erkletterten die Brustwehr der Verschanzungen und trieben den Feind mit dem Bajonett heraus. Kurz darauf überschritten Finck und Schorlemer das tiefeingeschnittene Hünerfließ, das sie von der Stellung des linken feindlichen Flügels trennte, und vereinigten ihre Truppen mit den 9 Grenadier-Bataillonen. So gelang es den vereinten Kräften der 17 Bataillone auch, eine zweite Höhe zu nehmen. Ssaltykow hatte erkannt, daß Friedrich seine Stellung vom linken Flügel her aufrollen wollte. Er befahl eine Frontveränderung nach Osten, bei der der rechte Flügel sich an den bastionsartig vorspringenden großen Spitzberg anlehnen sollte.

Etwa um 2 Uhr stand somit die Schlacht für die Preußen so günstig wie möglich. Es war mit verhältnismäßig geringen Kräften gelungen, den Feind aus starker Stellung zu vertreiben und ihn zu zwingen, seine Front zu verändern, so daß er von seiner Übermacht nur beschränkten Gebrauch machen konnte; außerdem waren gegen 70 Kanonen erobert. König Friedrich glaubte bereits so sicher an einen Sieg, daß er um diese Zeit einen reitenden Boten nach Berlin abfertigte, um die Kunde von einer bei Frankfurt gewonnenen Schlacht dorthin zu bringen. Aber wie die preußische Infanterie nun einen tiefen Grund überschreitet, schlägt ihr ein solch vernichtender Kartätschenhagel entgegen, daß der Angriff ins Stocken gerät. Sie muß sich zu hinhaltendem Gefecht entschließen.

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Hingegen gelingt es der Brigade Knobloch, Kunersdorf und die östlich liegenden Schanzen zu erobern; die dort stehenden Österreicher werden mit beträchtlichen Verlusten zurückgeworfen. Aber Loudon führt 12 frische Bataillone und Geschütze vor; diesem Ansturm ist die brave Brigade nicht mehr gewachsen. Der König bemerkt noch rechtzeitig die Gefahr; er rafft alles zusammen, was er noch an Infanterie hat. Drei Stunden lang ringen hier die Preußen um den Sieg; sechs Generale brechen hier nacheinander verwundet zusammen; endlich, der meisten Führer beraubt, geraten die stark gelichteten Bataillone in Auflösung und wenden sich zum Rückzuge.

Friedrich erkennt vom Mühlberge aus, daß der Infanterieangriff keine Fortschritte mehr macht. Soll die Schlacht noch gewonnen werden, so kann dies nur durch Kavallerie geschehen. Die Erinnerung an Zorndorf erwacht in seinen Sinnen: dieselben Reiter unter demselben Führer stehen bereit! Er schickt an Seydlitz den Befehl zu attackieren. Dieser hat lange auf dem äußersten linken Flügel gestanden und das Gelände als höchst ungünstig für seine Waffe erkannt. Er weigert sich dem den Befehl überbringenden Adjutanten gegenüber, diesen auszuführen, und reitet selbst zum Könige. Dort wird ihm durch eine Kartätschenkugel der Degengriff in die Hand hineingetrieben, und er muß den Kampfplatz verlassen. General Platen übernimmt an seiner Stelle die Führung der Attacke. Die Regimenter, die vereinzelt durch die Engen zwischen den Seen aufmarschieren, finden jenseits keine Deckung; einzeln müssen sie anreiten, stoßen auf Wolfsgruben und andere Hindernisse vor den Schanzen, geraten ins Strichfeuer der Artillerie, erleiden schwere Verluste und vermögen daher nichts auszurichten. Sie müssen durch die See-Engen zurück. Aber 1000 tote und verwundete Reiter bleiben auf dem Platze.

Aus dem rechten Flügel führt Prinz Eugen von Württemberg seine Dragoner den steilen Mühlberg hinan. Als er sich nach ihnen umwendet, ist er allein mit seinem Stabe; die Dragoner haben kehrtgemacht. In diesem Augenblicke wird der Prinz verwundet, und nur die Schnelligkeit seines vortrefflichen Pferdes bewahrt ihn vor Gefangenschaft. General Puttkamer führt sein Husarenregiment vor. Auch dieser Angriff scheitert; Puttkamer selbst fällt. Nun führt Loudon seine Reiter gegen die Infanterie Fincks. Diese, seit den Morgenstunden im Gefechte, hat nicht mehr die Widerstandskraft, den neuen Stoß auszuhalten, sie wird in den sumpfigen Elsbusch hineingetrieben, wo viele jämmerlich umkommen.

Friedrich hat sich längst in die vorderste Linie seiner Infanterie begeben. Er hat die Fahne eines Regiments ergriffen und sucht durch den Ruf: »Wer ein braver Soldat ist, der folge mir!« die Mannschaften nochmals vorwärts zu bringen. Zwei Pferde werden ihm unterm Leibe erschossen. Der Adjutant springt von dem seinigen ab, um es dem Könige anzubieten. Eine Musketenkugel ist an einem goldenen Etui, das dieser in der Brusttasche getragen hat, abgeprallt. Vergebens bestürmt ihn seine Umgebung, sich dem rasenden Kugelregen zu entziehen; er hat nur die eine Antwort: »Wir müssen hier alles versuchen, um die Bataille zu gewinnen, und ich muß hier wie jeder andere meine Schuldigkeit tun.« Aber auch dieses Beispiel ist vergebens; die Leute sind 15 Stunden auf den Beinen, durch Hitze, Sonnenbrand und Durst zum Tode erschöpft. Der König wendet sich wieder den Mühlbergen zu. Hier leistet alles, was noch fähig ist, den letzten Widerstand. Aber von Kunersdorf her nahen nochmals frische feindliche Kräfte, die auch diese letzten Anstrengungen vergeblich machen. Nun hört jede Gefechtsleitung auf; die über das Hünerfließ führenden Brücken sind bald gänzlich verstopft, die allenthalben nachdrängenden österreichischen Reiter erbeuten fast sämtliche Geschütze.

Der König verläßt als einer der letzten den Mühlberg, wie in Betäubung versunken, starren Blickes. Hinter ihm kommen Kasaken angesprengt, »Prittwitz, ich bin verloren!«, ruft er dem Rittmeister von den Zietenhusaren zu, der die Stabswache kommandiert. »Nein, Eure Majestät, das soll nicht geschehen, so lange noch Atem in uns ist«, antwortet dieser und macht wiederholt gegen die an Zahl weit überlegenen Feinde so entschieden Front, daß sie sich nicht herantrauen.

Eine bei Erettin (auf dem dortigen Spitzberge) wieder Front machende Batterie genügte, die Verfolgung zum Stehen zu bringen; Ssaltykow war trotz eifrigen Zuredens Loudons nicht zu bewegen, alles, was noch Atem hatte, einzusetzen. So gelang es, schon auf dem rechten Oderufer die Truppen notdürftig zu sammeln. »Es hätte,« sagte Friedrich später, »nur von den Feinden abgehangen, dem Kriege eine Ende zu machen; sie brauchten uns nur den Gnadenstoß zu geben.«

Der König verbrachte die Nacht im Fährhause zu Ötscher, bewacht von Prittwitz und seinen Husaren. Er war in den ersten Stunden völlig gebrochen. In diesem Zustande schrieb er an den Minister Grafen Finckenstein: »Mein Unglück ist, daß ich noch am Leben bin. von einem Heere von 48 000 Mann habe ich keine 3000 mehr. In dem Augenblicke, da ich dieses schreibe, flieht alles, und ich bin nicht mehr Herr meiner Leute. Man wird in Berlin wohl daran tun, an seine Sicherheit zu denken. Es ist ein grausamer Schlag, ich werde ihn nicht überleben; die Folgen der Niederlage werden schlimmer sein als die Niederlage selbst. Ich habe keine Hilfsmittel mehr, und, um nicht zu lügen, ich glaube alles verloren. Ich werde den Untergang meines Vaterlandes nicht überleben. Adieu für immer!«

Die Verluste der Preußen betrugen 18 000 Mann, davon 6000 tot, 26 Fahnen, 2 Standarten, 192 Geschütze. Die Verbündeten hatten 17 000 Mann verloren. Als Ssaltykow seinen Sieg an die Zarin meldete, setzte er die Worte bei: »Eure Majestät werden sich über die großen Verluste nicht wundern. Sie wissen, daß der König von Preußen seine Niederlagen allemal teuer verkauft, wenn ich noch einen solchen Sieg erfechte, so werde ich mit einem Stabe in der Hand allein die Nachricht nach Petersburg bringen müssen.«

Von den vermuteten Folgen traf keine einzige ein. Daun machte Ssaltykow bittere Vorwürfe, daß er seinen Sieg in keiner Weise ausnütze. Der russische Feldherr antwortete darauf: »Ich habe zwei Schlachten gewonnen und warte jetzt nur noch, um weitere Bewegungen zu machen, auf die Nachricht zweier Siege von Ihnen; denn es ist nicht billig, daß die Truppen meiner Kaiserin ganz allein handeln sollen.« Diese Antwort Ssaltykows war die Folge der Erbitterung, die bei allen russischen Generalen gegen die Österreicher herrschte, besonders gegen Daun, wegen der Unentschlossenheit und zu weit getriebenen Bedenklichkeit. Die russischen Feldherren taten daher wohl genau so viel, als sie tun mußten, um nicht verantwortlich zu werden, aber nicht mehr. Nie wünschten sie ernstlich eine Vereinigung mit den österreichischen Truppen, die Daun wünschte, weil sie durch diese in ihren Unternehmungen eingeschränkt und wegen des Unterhalts der Armee in noch größere Schwierigkeiten als bisher gesetzt wurden.

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(Das gefangene Fincksche Korps wird in den großen Garten bei Dresden abgeführt.)

So verschlimmerten die feindlichen Siege die Lage des Königs nicht sonderlich; auch hatte er sein Heer infolge des Eintreffens versprengter und durch heranziehen der Kleistschen Truppen aus Pommern bereits wieder auf 33 000 Mann gebracht. Obwohl aber die Russen aus ihrem Siege fast gar keine Vorteile zogen, so entspann sich doch daraus für den König eine Reihe von Unglücksfällen, wie er sie in keinem seiner Kriege so gehäuft erlebt hatte. Die Feinde hatten nämlich seine Entfernung von Sachsen und Schlesien mittlerweile gut benutzt. Schlesien wurde zwar durch Fouqués Geschick behauptet; aber um so schlimmer stand es in Sachsen. Leipzig, Torgau und Wittenberg mußten kapitulieren, und sogar Dresden ging nach langem Widerstande verloren. Jene drei kamen bald wieder in preußischen Besitz. Um auch das wichtige Dresden zurückzugewinnen, wollte Friedrich seine Truppen vereinigen und dieserhalb die Daunsche Armee, die im Südosten Sachsens stand, zum Rückzuge nach Böhmen nötigen. Der General Finck sollte ihm bei Maxen in den Rücken fallen, während er selbst das abziehende Heer Dauns in ein verlustreiches Nachhutgefecht zu verwickeln gedachte. Es gelang aber Daun, den General Finck von der Verbindung mit dem Könige abzuschneiden und ihn so vollständig einzukreisen, daß er mit seinem ganzen Korps, etwa 12 000 Mann stark, die Waffen strecken mußte, – das erste Mal, daß preußischen Truppen eine solche Schmach widerfuhr. Die Feinde aber höhnten über den »Finckenfang«. Diesem Unglück folgte gleich darauf ein anderes: General Dierecke wurde mit 1400 Preußen gefangen genommen, als er zum Heere des Königs stoßen wollte.

Der sonst so behutsame Daun wurde durch diese Vorteile angespornt, sich der so sehr geschwächten Armee Friedrichs zu nähern, in der Meinung, daß sie dann zurückgehen würde und Sachsen preisgeben müßte. Er fand sie aber in Bereitschaft, ihn zu empfangen, und zog sich daher selbst wie ein Besiegter in ein festes Lager hinter dem Plauenschen Grunde zurück. Derartige Fehler der Feinde waren für Friedrich immer die besten Hilfsquellen. Er, der fast die Hälfte seiner Armee verloren und jetzt wenig mehr als 20 000 Mann beisammen hatte, die er allerdings bald durch 12 000 Mann aus Ferdinands Armee verstärkte, behauptete, mit Ausnahme des kleinen Bezirkes um Dresden, ganz Sachsen.

So konnte Friedrich am Schlusse dieses unglücklichen Feldzuges wahrlich noch sein Glück preisen. Waren auch das Königreich Preußen und andere Provinzen seiner Staaten in feindlichen Händen, so hatte er doch Schlesien und Sachsen im Besitze. Dazu behauptete Ferdinand von Braunschweig nach der Schlacht von Minden alle Provinzen und Orte wie vor Anfang des Krieges.

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