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Aus dem Leben und den Schriften des Magisters Herle, und seines Freundes Mänle

Ludwig Aurbacher: Aus dem Leben und den Schriften des Magisters Herle, und seines Freundes Mänle - Kapitel 6
Quellenangabe
typefiction
booktitleAus dem Leben und den Schriften des Magisters Herle, und seines Freundes Mänle
authorLudwig Aurbacher
firstpub1842
year1842
publisherv. Vogel'sche Verlagsbuchhandlung
addressLandshut
titleAus dem Leben und den Schriften des Magisters Herle, und seines Freundes Mänle
pages1-11
created20050106
sendergerd.bouillon
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Fünftes Kapitel.

In der Universitätsstadt angekommen, wo er weder Verwandte noch Bekannte hatte, sah er sich vor Allem nach einer Wohnung um; und ein, wie es ihm schien, glücklicher Zufall wollte, daß er in demselben Hause, wo der Rector magnificus wohnte, ein Paar Zimmer fand, die, obgleich nur enge und niedere Dachstübchen, seiner Genügsamkeit vollkommen zusagten. Nachdem er in den ersten Tagen die nöthigsten und anständigsten Besuche bei seinen Vorgesetzten und Collegen abgestattet, und sich zur Uebernahme der Classe genugsam vorbereitet hatte, war sein erster Gang, den ihm die freie Muße erlaubte, zu Ihro Magnificenz.

Man wies ihn, den Angemeldeten, in das Bibliothekzimmer. Er hatte anfangs Mühe, den Mann zu entdecken, der, von Folianten und Quartanten umstellt und umlagert, an seinem Schreibtische saß. Magnificus, ohne den Eintretenden zu begrüßen, schrieb noch eine Weile fort; dann, nachdem er die Feder niedergelegt, und wieder aufgenommen, um noch in Eile ein Paar Worte zu ändern: wendete er sich an den harrenden Gast, lüpfte ein wenig seine schwarzsammetne Haube, und fragte: »Was beliebt?« »Nichts, antwortete Herle, als Ew. Magnificenz einen gehorsamsten Besuch abzustatten, und mich Dero huldvoller Gnade zu empfehlen.« Der Rektor warf abermal einen Blick auf seine Papiere, und notirte; dann nahm er seine Cöllner Pfeife zur Hand, und fing an gemächlich zu schmauchen, indem er zugleich aus der neben stehenden, dampfenden Schale Milch-Caffee schlürfte.

Nachdem er endlich den Gast zum Sitzen eingeladen, ließ er sich mit ihm in ein lebhaftes Gespräch ein – wenn anders Gespräch zu nennen ist, wo nur der Eine das Wort führt und der Andere sein Ohr herleiht. Es erging sich die Rede über die philologischen Arbeiten, die er so eben vorhatte, von den Schwierigkeiten, die zu überwinden, von Lesearten, die zu berichtigen, von Conjekturen, die zu wagen sind. Er las ihm ganze Stellen aus den codicibus vor, deren Corruptheit er darzuthun, und deren Korrektheit er wieder herzustellen sich bemühte. »Was meinen Sie, Werthester? – fragte er ein- und das andere Mal – stimmen Sie mir nicht bei?« Herle nickte, als gäbe er seinen Beifall, und Magnificus fuhr dann wieder selbstgenügsam fort, sein philologisches Thema zu erörtern und zu erhärten.

Endlich schien seine Rede, mit der Pfeife, auszugehen, und Herle erfaßte nun die Gelegenheit, dem hohen Gönner zu eröffnen, wie sehr er wünsche, sich in dieser humansten aller Wissenschaften, in der Philologie auszubilden, um dereinst, wenn er sich durch anhaltendes Studium hiezu tüchtig gemacht, einen Lehrstuhl auf der Hochschule würdig einzunehmen. »Einen philologischen Lehrstuhl auf der Hochschule? – rief der Rektor aus, indem er den Präceptor scharf fixirte – vielleicht wohl gar den meinigen, meinen Sie?«

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