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Aus dem Leben und den Schriften des Magisters Herle, und seines Freundes Mänle

Ludwig Aurbacher: Aus dem Leben und den Schriften des Magisters Herle, und seines Freundes Mänle - Kapitel 5
Quellenangabe
typefiction
booktitleAus dem Leben und den Schriften des Magisters Herle, und seines Freundes Mänle
authorLudwig Aurbacher
firstpub1842
year1842
publisherv. Vogel'sche Verlagsbuchhandlung
addressLandshut
titleAus dem Leben und den Schriften des Magisters Herle, und seines Freundes Mänle
pages1-11
created20050106
sendergerd.bouillon
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Viertes Kapitel.

In den wenigen Tagen, welche zwischen seiner Abreise lagen, erfuhr unser Freund so recht, wie theuer er den Aeltern und Kindern gewesen sey. Nachdem jene erste Ueberraschung vorübergegangen, die wohl einige mißbilligende Aeußerungen aufkommen lassen mochte, ward man bei nüchterner Ueberlegung gewahr, daß der treffliche, junge Mann wohl auch an sich, nicht bloß an Andere, denken müsse, und man ehrte und lobte sogar seine Pläne für die Zukunft. Nur der Posthalter schüttelte immer noch bedenklich den Kopf, und beharrte auf seiner abweichenden Meinung. »Man sollte, sagte er, die Stelle, die uns Gott angewiesen, nicht leicht verlassen; denn sie trage die Spur seines Fingers, und es ruhe auf ihr der Segen seiner Hand. Es sey gleichviel, wo man seinen Stuhl in der Kirche habe, ob nahe oder fern von dem Altar und der Kanzel, wenn man nur Gottes Wort verstehe und sein Heil erfahre. Die Unruh tauge nirgends, als in der Uhr, und im Menschenherzen nur dann, wenn sie die Zeit einhalte. Maaß sey zu allen Dingen gut. Nicht Alles, was glänze, sey Gold. Mancher, der nach Schätzen gegraben, habe nur Moder gefunden. Indessen – schloß er – jeder steht für sich selbst ein; wie man sich bettet, so schläft man; und des Menschen Wille ist sein Himmel.«

Bärbchen ließ sich bei der Gesellschaft an den Abenden auch wieder sehen; bei Tage aber, und unter vier Augen blieb sie dem Freunde unzugänglich, indem sie immer Geschäfte vorschützte. Sie bewies überhaupt viel Fassung, und die Veränderung, die in ihrem Wesen vorging, war überraschend und wunderbar. Es schien, als wenn sie in den wenigen Tagen zur Jungfrau herangereift wäre; sie, die sich sonst noch gern als Kind geberdete, und sich im Kindlichen, ja Kindischen gefiel, betrug sich nun plötzlich streng sittig, beinahe ernsthaft; scherzhafte Neckereien erwiederte sie bloß mit anmuthigem Lächeln; und Zudringlichkeiten, die sich wohl die Gäste vordem erlaubten, wies sie mit ruhigem Anstand zurück. Selten mehr richtete sie ein unmittelbares Wort an ihren Lehrer, obwohl sie übrigens seine Anrede mit aller Freundlichkeit erwiederte. Wohl aber ruhte ihr Auge, oft unbewußt, gern und lange auf dem verehrten Manne, was dieser denn gar wohl bemerkte und richtig zu deuten wußte.

Je näher der Tag der Abreise heranrückte, desto schwerer ward es unserem Freunde um's Herz. Man lernt die Menschen und ihre ganze, volle Liebe erst kennen und schätzen, wenn man sie meiden, wenn man scheiden muß. Wäre es möglich gewesen, seine Anstellung rückgängig zu machen, ohne höhern Ortes anzustoßen, er hätt' es gethan.

Am frühen Morgen, wo er zu Fuß abreisen wollte, fuhr der Postillon vor mit des Posthalters zwei Rappen, um ihn bis in die nächste Stadt zu fahren. Er wollte noch in's Posthaus, um Abschied zu nehmen; allein der Schwager bedeutete ihm, daß der Posthalter bereits auf's Feld gegangen sey, und daß die Tochter wegen Unpäßlichkeit das Bett hüten müsse.

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