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Aus dem Leben und den Schriften des Magisters Herle, und seines Freundes Mänle

Ludwig Aurbacher: Aus dem Leben und den Schriften des Magisters Herle, und seines Freundes Mänle - Kapitel 37
Quellenangabe
typefiction
booktitleAus dem Leben und den Schriften des Magisters Herle, und seines Freundes Mänle
authorLudwig Aurbacher
firstpub1842
year1842
publisherv. Vogel'sche Verlagsbuchhandlung
addressLandshut
titleAus dem Leben und den Schriften des Magisters Herle, und seines Freundes Mänle
pages1-11
created20050106
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Sechs und dreißigstes Kapitel.

Noch in seiner Gala, suchte Mänle den Freund auf, und erzählte ihm ausführlich, welche Rache er an dem Rector genommen. Herle erschrack über die Keckheit des Schalks, und schalt ihn sehr aus; obwohl es ihm im Grunde nicht unlieb war, daß ihm solche Genugthuung geworden.

»Nun wirst du aber – sagte dieser bedenklich – relegirt, und mit Schanden davongejagt werden.«

»Dafür lass' nur mich sorgen – versetzte Mänle. – Ich mach' es, wie der Kuhhirt von Ulm.«

»Wie hat's denn der gemacht?«

»Als er hörte, daß man damit umgehe, ihm den Dienst aufzusagen, trat er vor den versammelten Rath, und rief: Meine Herren, ich nehme meine Dimission. – Die meinige habe ich bereits eingereicht.«

»Du fragst freilich nichts darnach, was auch kommen möge. Aber ich! Du hättest mich aus dem Spiele lassen sollen.«

»Närrischer Mensch! du warst ja die Hauptperson im Spiele; ich gab mich bloß als Maske her.«

»Das wird der Rector mir nie verzeihen. Er hält mich für den Anstifter, und er wird sein Möglichstes thun, um mir zu schaden.«

»Wer wird denn dir, du unschuldige Taube, einen solchen Gallen-Humor zutrauen, und dich mit so argem Verdacht beschmitzen, du schneeweißes Hermelin? Der Fuchs schleicht auf eigene Faust und Gefahr in's Haus, um den Gockel zu würgen und das Huhn!«

Der Rector hatte indessen den Handel schlimm genug eingeleitet, – um ihn zum Besten zu kehren für Herle. Er hatte zwar klüglicher Weise Anstand genommen, vor den Vätern der Hochschule Lärm zu schlagen wegen der erlittenen Effronterie, um nicht, was er mit Recht vermuthete, sich Preis zu geben dem Gelächter seiner Kollegen, die ihm eben auch nicht gar hold waren; so bekam denn Mänle ohne Weiteres die erbethene, einfache Dimission. Aber den Präceptor Herle, den er als den Anstifter des Scandals im Verdacht hatte, denunciirte er doch sub rosa dem Schulvorstand, unter welchem derselbe diente, und drang auf dessen Entfernung als eines unruhigen, aufrührerischen Kopfes. Der Vorstand versprach es – dem Scheine nach, um dem akademischen Collegen genug zu thun, in der That aber, weil er wußte, daß dem Präceptor, den er liebte und schätzte, kein größerer Dienst erwiesen werden könnte, als die Entfernung von seiner Stelle und die Wiedereinsetzung in seinen vorigen Schuldienst. Er ließ den jungen Mann alsbald rufen, und eröffnete ihm seinen Entschluß. »Sie sind doch – fügte er lächelnd hinzu – nicht zu einem Präceptor, oder wohl gar zu einem Doctor und Professor geboren und erzogen, sondern nur zu einem gemeinen Schulmeister.« »»Ja, das weiß Gott!«« sagte Herle mit freudefunkelndem Auge, indem er sich zugleich die Hände rieb. »Auch scheinen Sie – fuhr jener fort – zu jenem Stande alle erforderlichen Neigungen, Eigenschaften und Kenntnisse zu besitzen, wie noch jüngsthin Ihr Aufsatz im wöchentlichen Reichsanzeiger zu beweisen scheint.« Herle wollte Entschuldigungen vorbringen; doch der menschenfreundliche Vorstand wehrte ihm, und entließ ihn, den Glücklichen, mit der Versicherung, daß seine Angelegenheit in kurzer Zeit erledigt seyn werde, wonach er denn seine Maßregeln sofort ergreifen könne.

So erhielt er denn an dem Tage, wo er die Prüfung mit seinen Schülern zu voller Zufriedenheit bestanden, aus der Hand des Vorstehers selbst, seine ehrenvolle Entlassung und die erwünschte Anstellung.

Nach vollendeter Preisvertheilung stand schon des Posthalters Wagen mit den zwei Rappen vor dem Thor des Studien-Gebäudes; – und er schied von mir – mit ihm

Animae dimidium meae!

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